Gesundheitswesen 2006; 68 - A59
DOI: 10.1055/s-2006-948615

Schätzung der direkten Kosten der letzten Lebensperiode

P Ihle 1, I Schubert 1
  • 1PMV forschungsgruppe, Universität zu Köln

Hintergrund: Verschiedene Veröffentlichungen zeigen, dass die medizinischen Kosten des letzten Lebensjahres mit zunehmendem Alter des Versicherten sinken. Kritisch anzumerken ist, dass diese Zahlen entweder aus dem Ausland stammen und dann nur bedingt auf das deutsche Gesundheitssystem übertragbar sind oder dass die Sektoren (ambulant, stationär, Pflege) nicht vollständig abgebildet wurden. Ziel: Darstellung versichertenbezogener Ausgabenprofile nach Sektoren für die Versicherten in der letzten Lebensperiode im Vergleich zu nicht versterbenden Versicherten. Methoden: Datenbasis ist die Versichertenstichprobe AOK Hessen/KV Hessen mit ca. 300.000 Versicherten je Kalenderjahr. Beobachtungszeitraum sind die Kalenderjahre 2000 bis 2002 mit Einbeziehung aller versorgungsrelevanter Sektoren der Kranken- und Pflegeversicherung. Ergebnisse: Die Kosten des letzten Lebensjahres liegen deutlich über den Ausgaben von gleichaltrigen nicht Versterbenden. Die Kosten der Krankenversicherung sinken in allen Sektoren mit dem Alter ab und sind bei den über 90-Jährigen mit ca. 8.600 Euro nur noch halb so hoch wie die Kosten in der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen. Die Kosten der Pflegeversicherung im letzten Lebensjahr zeigen hingegen einen deutlichen Anstieg mit dem Alter und verdreifachen sich für die o. g. Altersgruppen. Diskussion: Erstmalig konnten durch die vorliegende Analyse neben der Darstellung der Kosten der Krankenversicherung auch Kosten der Pflegeversicherung versichertenbezogen dargestellt und bewertet werden. Der in anderen Veröffentlichungen dargestellte Rückgang der Kosten mit dem Alter bestätigte sich, wird aber durch den Anstieg der Kosten der Pflegeversicherung nahezu ausgeglichen. Schlussfolgerungen: Versichertenbezogene Kostenanalysen auf der Basis von Routinedaten der Sozialversicherungsträger gestatten es, detaillierte Ausgabenprofile mit Einbeziehung aller relevanter Sektoren zu erstellen und sie als Grundlage für die Bedarfsplanung auch im Rahmen von prognostischen Kostenmodellen zu nutzen.