Geburtshilfe Frauenheilkd 2006; 66 - PO_K_02_35
DOI: 10.1055/s-2006-952498

Postpartale psychische Erkrankungen: Ein Risiko für Mutter und Kind–Chancen der Gynäkologie in der Prävention negativer langfristiger Effekte

P Trautmann-Villalba 1, C Hornstein 1
  • 1Psychiatrisches Zentrum Nordbaden, Wiesloch

Psychische Erkrankungen in Zusammenhang mit Schwangerschaft und Wochenbett sind häufig, werden aber oft nicht erkannt und nicht ausreichend behandelt. Postpartale Depressionen gehören zu den am häufigsten diagnostizierten Erkrankungen dieser Lebensphase und werden, internationalen epidemiologischen Studien zufolge, bei 10–15% der neuen Mütter festgestellt. In Deutschland werden deutlich geringere Prävalenzraten registriert. Trotzdem sind schwere postpartale psychische Erkrankungen als eines der wichtigsten Probleme der gesundheitlichen Versorgung in der Zeit unmittelbar nach der Entbindung anerkannt, deren Folgen sich langfristig aufzeigen lassen. Postpartale psychische Erkrankungen beeinträchtigen die Fähigkeit der Mutter zur Versorgung der Kinder und zur angemessenen Gestaltung der Mutter-Kind-Beziehung. Die hieraus resultierende Störung der Beziehung erschwert die Genesung der Mutter und kann darüber hinaus die affektive und kognitive Entwicklung des Kindes bis zum Jugendalter beeinträchtigen. Interaktionsdefizite werden häufig als Transmissionsmechanismus für diese Beeinträchtigungen diskutiert–Defizite, die im Rahmen eines Therapieprogramm verbessert werden könnten. Mütter mit postpartalen psychischen Erkrankungen sind oft schwer für fachspezifische Behandlungen zu motivieren. Da Gynäkologen die Mütter bereits während der Schwangerschaft und in der Peripartalzeit begleiten, können sie eine Mediatorenrolle zwischen den betroffenen Müttern und den Psychotherapeuten oder Psychiatern übernehmen und dadurch die Chancen auf eine schnelle Genesung der Mutter und auf eine gesunde Entwicklung der Kinder erhöhen. In dem vorliegenden Beitrag werden Aspekte der postpartalen psychischen Erkrankungen dargestellt, die Mutter-Kind-Interaktion, die langfristigen Effekte auf die Entwicklung der Kinder sowie ein therapeutisches Modell zur Behandlung dieser Störungen.