Hintergrund: Botulinumtoxin Typ A (BTX) ist Therapie der ersten Wahl in der Behandlung des Blepharospasmus
(BS), der cervikalen Dystonie (CD) und des Hemispasmus facialis (HF). Während kurzfristige
Effekte häufig untersucht wurden, gibt es nur wenige Studien zu Langzeitwirkungen.
Ziel dieser Studie ist es, in einer Querschnittsanalyse aller Patienten, die zwischen
März und Oktober 2005 in unserer BTX-Ambulanz behandelt wurden, Daten zur Therapiesicherheit
und zur Effektivität zu gewinnen. Wir befragten unsere Patienten u.a. zum Therapieeffekt,
Zufriedenheit, Schmerzen, Nebenwirkungen und erhoben den CDQ24-Fragebogen zur Evaluation
der Lebensqualität bei CD vor Injektion und 1 Monat danach. Klinisch wurde die Behinderung
bei CD anhand des Tsui Score bewertet.
Ergebnisse: 63 Patienten willigten in die Teilnahme ein (96% der Kohorte), die Mehrheit war männlich
(n=41), das mittlere Alter betrug 62 Jahre (39–91 Jahre).
47 Patienten litten an CD, 14 an BS, 2 an HF. Die mittlere Therapiedauer betrug 8.1
Jahre (1–20 Jahre). Die BTX Dosis (DysportR) bei Therapiebeginn lag zwischen 50 und
800 MU (319 MU im Mittel). Aktuell betrug die mittlere Dosis 680 MU. 38% litten nie
an Nebenwirkungen, 32% in weniger als 5% der Sitzungen, 13% in weniger als 30%. Am
häufigsten traten bei CD Schluckstörungen auf (68% der Nebenwirkungen). Die Nebenwirkungsrate
korrelierte mit der Dosis, die Dosis korrelierte mit der Behinderung anhand des Tsui
Score. 16% aller Patienten berichteten eine 100% Besserung durch BTX, 54% eine bis
75% Besserung und 18% eine bis 50% Besserung. Die Therapiezufriedenheit auf der VAS
(1–10) beträgt im Mittel 7.4. Der CDQ-24 Score besserte sich durch BTX signifikant
um 30% in der CD Gruppe. 72% der CD Patienten litten an Schmerzen, 54% berichteten
eine deutliche oder merkliche Besserung durch BTX.
Schlussfolgerung: Die Therapie mit BTX führt auch nach langjähriger Therapie zu einer deutlichen Symptombesserung,
Schmerzlinderung und Verbesserung der Lebensqualität. Die Nebenwirkungshäufigkeit
ist trotz einer fast 10-jährigen mittleren Therapiedauergering. Insgesamt ist die
Therapiezufriedenheit in der Langzeittherapie in dieser Kohorte hoch. Bei keinem der
Patienten bestand klinisch der Verdacht auf eine Antikörperbildung mit konsekutiver
Wirksamkeitsabnahme.