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DOI: 10.1055/s-2006-956994
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York
Behandlung der ADHS mit Atomoxetin - Eine Aktenauswertung von 47 Patienten
Publication History
Publication Date:
12 December 2006 (online)
ADHS ist eine der häufigsten psychiatrischen Störungsbilder im Kindes- und Jugendalter. Im Rahmen eines multimodalen Behandlungskonzeptes ist neben der Übungsbehandlung und psychotherapeutischer Begleitung auch die medikamentöse Behandlung Mittel der Wahl. Der selektive Neuroadrenalin-Wiederaufnahmehemmer Atomoxetin ist bei ADHS eine wirksame und gut verträgliche medikamentöse Behandlungsalternative zu Methylphenidat und unterliegt nicht dem Betäubungsmittelgesetz.
Mit einer Prävalenz von 4-5% der Kinder im Schulalter gehört ADHS zu den häufigsten psychiatrischen Störungen im Kindesalter. Ein Fortbestehen der Problematik im Jugend- und oft auch im Erwachsenenalter bedeutet eine notwendige langfristige Behandlung der Betroffenen. Die Kernsymptome Unaufmerksamkeit, motorische Unruhe und Impulsivität sind bei vielen Betroffenen durchgängig anzutreffen. Neben dem dopaminergen Transmittersystem spielt auch das noradrenerge System bei der Entstehung der ADHS eine bedeutende Rolle. Ätiologisch ist von einer multifaktoriellen Genese auszugehen. Die Bedeutung einer genetischen Disposition kristallisiert sich zunehmend heraus. Eltern von Kindern mit ADHS sind häufig selbst Betroffene und können eine entsprechende Krankheitsgeschichte vorweisen. Neben dem multimodalen Behandlungskonzept, zu dem ein psychotherapeutisches Angebot, eine umfassende Beratung und Aufklärung und wenn möglich auch die Teilnahme an einem Elterntraining sowie eine intensive familientherapeutische Begleitung und pharmakologische Unterstützung gehören, muss eine enge Zusammenarbeit zwischen Schule, Elternhaus und anderen Tageseinrichtungen stattfinden. Daneben ergänzen Maßnahmen wie Ergotherapie und Psychomotorik die Therapie.
Neurophysiologisch ist von einem postsynaptischen Neurotransmittermangel auszugehen, wobei die Hauptbotenstoffe Dopamin und Neuroadrenalin sind. Methylphenidat beeinflusst den Dopaminstoffwechsel, vorwiegend die Dopamintransporter, die für die präsynaptische Wiederaufnahme des Dopamins zuständig sind. Atomoxetin dagegen setzt selektiv beim Noradrenalin an und hemmt dessen Wiederaufnahme. Es unterliegt nicht dem Betäubungsmittelgesetz.
Neben der Verbesserung der Aufmerksamkeit liegt die Wirkungsweise gemäß den Erfahrungen aus meiner Praxis insbesondere in einer Verbesserung des psychosozialen Funktionsniveaus mit einer Wirkdauer von morgens bis morgens bei einmal täglicher Gabe, bei der ein Wechsel zwischen Wirkung und Nichtwirkung kaum zu erwarten ist.
Korrespondenzadresse:
Dr. med. Roland Albert
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
Rathsberger Str. 10, 91054 Erlangen
Email: info@praxis-dr-albert.com