Z Orthop Unfall 2007; 145(6): 712-718
DOI: 10.1055/s-2007-965805
Kreuzbandchirurgie

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ein- und zweizeitiges Vorgehen bei Revisionschirurgie des vorderen Kreuzbandes

One- and Two-Stage Procedure for Revision after Failure of Anterior Cruciate Ligament ReconstructionB. Marquass1 , T. Engel1 , P. Hepp1 , J. D. Theopold1 , C. Josten1
  • 1Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Plastische Chirurgie, Universität Leipzig
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Publication Date:
10 December 2007 (online)

Zusammenfassung

Studienziel: Bei einer Revisionsoperation des vorderen Kreuzbandes wird ein einzeitiges Vorgehen von den meisten Operateuren befürwortet. Erweiterte Bohrkanäle, Bewegungsdefizit oder störendes Fixationsmaterial können jedoch ein zweizeitiges Vorgehen notwendig machen. Vergleichende Studien über die Ergebnisse nach ein- oder zweizeitigen Vorgehen fehlen. Wir führten daher eine Pilotstudie zum Vergleich früher klinischer und radiologischer Ergebnisse nach ein- und zweizeitigen Revisionsoperationen zum vorderen Kreuzbandersatz durch. Methode: Zwischen 1/2005 und 1/2006 erhielten 21 Patienten in unserer Klinik eine Revisionsplastik des vorderen Kreuzbandes. 4 Frauen und 16 Männer wurden über einen Zeitraum von 12 Monaten nachuntersucht. Ein Patient wurde aufgrund einer juvenilen Osteoporose ausgeschlossen. Der Altersmedian lag bei 34 Jahren. Bei allen Patienten lag eine subjektive Instabilität vor. 11 Patienten (55 %) hatten eine traumatische Reruptur. Die Indikation zu einem ein- oder zweizeitigem Vorgehen ergab sich aus der präoperativen Bohrkanalweite und Bohrkanallage. Weitere Kriterien waren das vorhandene Fixationsmaterial und ein vorhandenes Streckdefizit des Kniegelenkes. 11 Patienten wurden einzeitig und 9 Patienten zweizeitig operiert. Von den zweizeitig operierten Patienten erhielten 7 eine tibiale Spongiosaplastik. Ergebnisse: Die präoperativen Bohrkanaldurchmesser betrugen bei einzeitigen Revisionen (EZ) femoral 7,9 ± 1,8 mm und tibial 8,8 ± 2,2 mm. Bei einem zweizeitigen Vorgehen (ZZ) war die durchschnittliche femorale Tunnelbreite präoperativ 10,1 ± 1,4 mm und tibial 12,1 ± 1,4 mm. Nach der Revision ergab sich ein femoraler Notchwinkel von (EZ/ZZ) 28,7°/26,9° und eine gemittelte Platzierung anhand der sagittalen Quadranteneinteilung von 1,3/1,3. Tibial lag der Bohrkanal in a.-p. Ausdehnung bei 46,1 %/46,9 % und in mediolaterale Richtung bei 44,2 %/44,5 %. Funktionell erreichten die Patienten Werte im Lysholm-Score von 85,7/83,9 und im IKDC von 73,6/76,4. Die anteriore tibiale Translation betrug im Vergleich zur Gegenseite 1,5 mm/1,8 mm. Im Einbeinsprung wurden 83 %/86 % der Gegenseite erreicht. Auf einer VAS stuften die Patienten ihr Schmerzempfinden mit 1,9/1,4 ein. Seitens des Bewegungsumfanges wurden ebenfalls ähnliche Ergebnisse in beiden Gruppen gefunden. Schlussfolgerung: Der Erfolg eines Revisionseingriffes hängt von einer sorgfältigen präoperativen Planung und genauen Fehleranalyse ab. Zwischen ein- und zweizeitigem Vorgehen bestanden keine funktionellen oder radiologischen Unterschiede. Obwohl das einzeitige Vorgehen aufgrund der kürzeren Behandlungszeit und kürzeren Arbeitsunfähigkeit prinzipiell zu favorisieren ist, sollte es nicht auf Kosten einer stabilen Verankerung erzwungen werden.

Abstract

Aim: Most surgeons favour a one-stage procedure for ACL revision surgery. Tunnel widening, limited range of motion or existent hardware can make a two-stage procedure necessary. Studies evaluating the results between both procedures are still lacking. Thus, we performed a prospective preliminary study comparing early results after one- and two-stage procedures for ACL revision reconstruction. Method: Between 1/2005 and 1/2006 21 patients were operated on for ACL revision. The follow-up period of the 4 women and 16 men was 12 months. One patient was excluded due to a juvenile osteoporosis. Median age was 34 years. All patients had a subjective instability, including 11 patients (55 %) with a traumatic rerupture. The indication for a two-stage procedure depended on tunnel widening under consideration of tunnel placement, disturbing existing hardware and extension deficits. Eleven patients received a one-stage procedure while 9 patients were operated in a two-stage process. Seven received autogenous bone grafting. Results: The preoperative tunnel diameter was for one-stage revisions (OS) femoral 7.9 ± 1.8 mm and tibial 8.8 ± 2.2 mm. For the two-stage (TS) procedure mean femoral tunnel was preoperativly 10.1 ± 1.4 mm and tibial 12.1 ± 1.4 mm. Femoral tunnel placement after revision (OS/TS) yielded a mean angle in anteroposterior view of 28.7°/26.9° and in the sagittal view most tunnels were placed in the dorsal quadrant. Tibial placement was in the sagittal view at 46.1 %/46.9 % in the anteroposterior direction and for mediolateral direction in the a. p. view at 44.2 %/44.5 %. Results for Lysholm score were 85.7/83.9 and for IKDC 73.6/76.4. The anterior tibial translation compared to the healthy side was 1.5 mm/1.8 mm. In one leg jumping patients obtained a distance of 83 %/86 % of the healthy side and stated their pain on a VAS to be as low as 1.9/1.4 points. Both groups had similar ranges of motion as well. Conclusion: The success of ACL revision surgery crucially depends on preoperative planning and analysis. No functional or radiological differences could be observed between one- and two-stage procedures. Although the one-stage procedure might be favourable because of faster convalescence and shorter work incapacity, it should not be enforced at the price of an insufficient ACL.

Literatur

Dr. Bastian Marquass

Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Plastische Chirurgie
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