Laryngorhinootologie 2007; 86(4): 299-313
DOI: 10.1055/s-2007-966309
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Nicht-syndromale hereditäre Schwerhörigkeiten

Non-syndromic Hereditary Hearing ImpairmentR.  Birkenhäger1 , A.  Aschendorff1 , J.  Schipper1 , R.  Laszig1
  • 1Universitätsklinik für Hals-Nasen- und Ohrenheilkunde und Poliklinik, Forschungsgruppe für Genetische Erkrankungen des Kopf-Hals-Bereiches, Universitätsklinikum Freiburg (ärztlicher Direktor: Professor Dr. med. Dr. h. c. R. Laszig)
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Publication Date:
03 April 2007 (online)

Zusammenfassung

Die Beeinträchtigung des Hörvermögens ist die häufigste sensorineurale Erkrankung beim Menschen. Annähernd eines von 1000 Neugeborenen ist bei der Geburt oder in den ersten Lebensjahren von einer hochgradigen bis schweren Hörstörung betroffen. In etwa der Hälfte der Fälle sind genetische Gründe die Ursache von prälingualen Hörstörungen. Genetisch bedingte Hörstörungen im Rahmen eines Syndroms, z. B. Usher, Pendred, werden von nicht-syndromalen Hörstörungen unterschieden. Die anderen Fälle sind auf Umweltfaktoren zurückzuführen. In den letzten Jahren wurden große Fortschritte bei der Identifizierung und Charakterisierung von Genen gemacht, die an der Ausbildung von nicht-syndromalen Hörstörungen beteiligt sind. Dabei wurde deutlich, dass es sich um eine genetisch sehr heterogene Erkrankung handelt. Zurzeit sind etwa 120 verschiedene Genorte bekannt, die mit nicht-syndromalen Hörstörungen gekoppelt sind. Bisher wurden 54 Genorte identifiziert, bei denen ein autosomal-dominanter Erbgang vorliegt, 67 Genorte mit einem autosomal-rezessiven Erbgang, 7 liegen X-chromosomal und 4 mitochondrial gekoppelt vor. Für diese Genorte wurden bisher 19 Gene identifiziert, die einem autosomal-dominanten (DFNA) Erbgang folgen, 20 Gene für einen autosomal-rezessiven (DFNB) und 2 sind X-chromosomal lokalisiert. Diese Gene kodieren für Proteine unterschiedlichster Funktion, einschließlich Transkriptionsfaktoren, Cytoskelett- und Matrixkomponenten und Ionenkanäle. Trotz dieser Heterogenität sind 50 % der prälingualen nicht-syndromalen Hörstörungen auf Mutationen im GJB2-Gen (Connexin-26, Gap-Junction-Protein) zurückzuführen. Die Diversität der Gene und Genorte demonstriert die Komplexität der Faktoren, die an der Funktion des Gehöres beteiligt sind. Das Wissen über die Gene und die Funktion der Genprodukte hilft, den Mechanismus des Hörens zu verstehen.

Abstract

Hearing impairment is the most common sensorineural disorder in humans. Approximately one of thousand new-borns is affected by severe to profound deafness at birth or during early childhood. Genetic causes account for around half of these cases of prelingual hearing impairment and the remainder are attributed to environmental factors. Genetic causes of hearing impairment in combination with a syndrome as Usher, Pendred are distinguished from non-syndromic hearing impairment. In the last years a tremendous growth in the localisation and identification of genes for non-syndromic hereditary hearing impairment has evolved. It has become clear that these conditions are genetically extremely heterogeneous. Approximately 120 different gene loci associated with non syndromic hearing impairment have been identified. Presently 54 gene loci associated with autosomal dominant mode of inheritance and 67 gene loci with autosomal recessive mode of inheritance have been identified; 7 are X-chromosome linked and 4 mitochondrial. Of these, 19 genes have been characterised for autosomal dominant (DFNA), 20 for autosomal recessive (DFNB), and 2 for X-linked (DFN) disorders. These genes encode proteins of diverse functions, including transcription factors, cytoskeletal and extracellular matrix components, and ion channels. Despite this heterogeneity, up to 50 % of prelingual recessive non-syndromic deafness can be attributed to mutations in the GJB2 gene (Connexin-26, gap-junction protein). However, the diversity of genes and genetic loci implicated in hearing loss illustrates the complexity of the genetic basis of hearing. Knowing the gene and the function of its products helps understanding the mechanisms of hearing.

Literatur

Dr. rer. nat. Ralf Birkenhäger

Universitätsklinik für Hals-Nasen- und Ohrenheilkunde und Poliklinik

Universitätsklinikum Freiburg
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79106 Freiburg

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