Wir berichten über eine 68-jährige Patientin, die unter dem klinischen Bild erstmalig
aufgetretener Hämoptysen bei uns vorstellig wurde. Darüber hinaus klagte sie über
eine allgemeine Schwäche. Die initiale radiologische Untersuchung ergab einen unauffälligen
Befund. Bronchoskopisch zeigten sich frischere Blutkoagel im Lingulasegmentbronchus
und es wurde der Verdacht auf Bronchiektasen geäußert, so dass eine CT des Thorax
durchgeführt wurde. Hier kamen mittellappen-betonte Bronchiektasen sowie flaue Infiltrationen
beidseits zur Darstellung. Der jetzt geäußerte klinische Verdacht einer atypischen
Mykobakteriose konnte im weiteren Verlauf mikrobiologisch bestätigt werden. In drei
unterschiedlichen Lavage/Sputum-Kulturen wurde M. kansasii nachgewiesen.
Unter einer Dreifachtherapie mit INH, Rifampicin und Ethambutol kam es zu einer deutlichen
klinischen Besserung. Die Patientin nahm an Gewicht zu, Hämoptysen traten nicht mehr
auf.
Diese außergewöhnliche Kasuistik zeigt, dass gerade bei weiblichen Nichtrauchern mittleren
Alters, die sich mit (rezidivierenden) Hämoptysen vorstellen, an das Vorliegen einer
atypischen Mykobakteriose gedacht werden sollte.
Wallace RJ et al. Am J Respir Crit Care Med 1997; 156. pp. S1–S25
Konietzko N Pneumologie 2000; 54: 454–57