Inf Orthod Kieferorthop 2007; 39(4): 243-249
DOI: 10.1055/s-2007-990492
Übersichtsartikel

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Skelettale Langzeitveränderungen durch forcierte Gaumennahterweiterung: eine systematische Übersicht

Long-term Skeletal Changes with Rapid Maxillary Expansion: A Systematic Review[1] M. O. Lagravère1 , P. W. Major1 , C. Flores-Mir1
  • 1Faculty of Medicine and Dentistry, University of Alberta, Edmonton, Alberta, USA
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Publication Date:
08 January 2008 (online)

Zusammenfassung

Ziel der vorliegenden Arbeit war, die transversalen, sagittalen und vertikalen skelettalen Langzeitveränderungen nach forcierter Gaumennahterweiterung (RME) zu beurteilen. Dazu wurden Daten aus klinischen Studien entnommen, welche die skelettalen Veränderungen anhand kephalometrischer Messwerte untersucht hatten. Patienten, die während der aktiven Expansionsphase chirurgische oder andere ergänzende Behandlungsmaßnahmen erhielten, wurden nicht akzeptiert. Mit Unterstützung eines erfahrenen Bibliothekars, der sich auf medizinische Datenbanken spezialisiert hatte, wurde eine systematische Literaturrecherche in Online-Datenbanken (PubMed, Medline, Medline In-Process & Other Non-Indexed Citations, Cochrane-Datenbank, ASP Journal Club, DARE, CCTR, Embase, Web of Sciences und Lilacs) durchgeführt. Abstracts, die den Vorauswahlkriterien zu genügen schienen, wurden einvernehmlich ausgewählt. Danach wurden die Originalarbeiten gelesen und die Qualität der ausgewählten Studien mithilfe einer Methodik-Checkliste bewertet. Außerdem wurden ihre Literaturverzeichnisse nach bisher nicht gefundenen Artikeln per Hand durchsucht. Ausgeschlossen wurden Studien, die keine geeignete Kontrollgruppe zum Herausrechnen normaler wachstumsbedingter Veränderungen verwendet hatten. Insgesamt vermaßen nur drei Artikel die GNE-Stabilität nach Abschluss der aktiven Dehnphase (einer vermaß transversale Veränderungen, zwei sagittale und vertikale Veränderungen) und alle drei Studien wiesen methodische Schwächen auf. Dies schränkt die Aussagekraft der erhaltenen Informationen ein. Eine individuelle Analyse der Artikel ergab, dass die dauerhafte skelettale Verbreiterung der Maxilla bei Behandlung von Jugendlichen vor der Pubertät ungefähr 25 % der gesamten Zahnbogenexpansion betrug. Bei noch jüngeren Patienten sind nach Gaumennahterweiterung bessere transversale Langzeitergebnisse zu erwarten. Die Gaumennahterweiterung scheint zu keinen signifikanten sagittalen oder vertikalen Veränderungen in der Position von Ober- und Unterkiefer zu führen. Die Schlussfolgerungen aus dieser systematischen Literaturrecherche sind in ihrer Gültigkeit eingeschränkt, da sie nicht auf dem höchsten Evidenzniveau getroffen werden konnten. Dazu wären randomisierte klinische Langzeituntersuchungen erforderlich.

Abstract

The objective was to evaluate long-term transverse, anteroposterior and vertical skeletal changes after rapid maxillary expansion (RME). The data were clinical trials that assessed skeletal changes through cephalometric analysis. No surgical or other simultaneous treatment during the evaluation period was accepted. Electronic databases (PubMed, Medline, Medline In-Process & Other Non-Indexed Citations, Cochrane Database of Systematic Reviews, ASP Journal Club, DARE, CCTR, Embase, Web of Sciences and Lilacs) were searched with the help of a senior Health Sciences librarian. Abstracts that appeared to fulfill the initial selection criteria were selected by consensus. The original articles were retrieved. A methodological checklist was used to evaluate the quality of the selected articles. Articles without an adequate control group to factor out growth changes were excluded. Only three articles (one measuring transverse and two anteroposterior and vertical changes) measured RME stability after active expansion, all of them had some methodological flaws, which limit the attainable conclusions. An individual analysis of these articles was made. Long-term transverse skeletal maxillary increase is approximately 25 % of the total dental expansion for prepubertal adolescents. Better long-term outcomes are expected in transverse changes because of RME in less skeletally mature patients. RME appears not to produce clinically significant anteroposterior or vertical changes in the position of the maxilla and mandible. The conclusions from this systematic review should be considered with caution because only a secondary level of evidence was found. Long-term randomized clinical trials are needed.

1 Der Artikel erschien erstmals in: The Angle Orthodontist 2005; 75: 1046-1052. Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der E. H. Angle Foundation.