Zusammenfassung
Die präklinische Versorgung schwer verletzter Patienten stellt immer wieder eine besondere
Herausforderung an alle beteiligten Rettungskräfte dar. Während beim klassischen Notarzteinsatz
zumeist ein einzelner Patient unter oftmals günstigen äußeren Rahmenbedingungen versorgt
werden muss, findet die Erstversorgung Schwerverletzter meist unter ungünstigen Verhältnissen
an oft unübersichtlichen Einsatzstellen statt. Diese äußeren Einflüssgrößen wie auch
das große medizinische Gefährdungspotenzial legen nahe, dass die präklinische Versorgung
von Schwerverletzten nicht nur eine medizinische Aufgabe, sondern auch eine organisatorische
Herausforderung an das Team im Rettungsdienst wie auch an die Schnittstelle zur klinischen
Notaufnahme darstellt. Die nachfolgende Übersicht zeigt die wesentlichen Segmente
einer zeitgemäßen Vorgehensweise bei der rettungsdienstlichen Erstversorgung auf und
adressiert dabei auch aktuelle Kontroversen.
Abstract:
The prehospital management of patients with severe trauma should focus on stabilization
of vital signs. Major goal is the early transport in a specialized trauma center.
After immobilization of cervical spine maintenance of oxygen delivery is the primary
and most important intervention. Unconscious patients and patients with respiratory
distress should receive endotracheal intubation and controlled ventilation on scene.
Amounts of Infusion should be decided on blood loss, patients with traumatic brain
injury need at least a normotensive blood pressure. Patients with uncontrolled severe
bleeding should not receive excessive infusion before urgent surgical treatment can
be performed. Prehospital induction of anesthesia must be carefully considered because
of the enhanced risk.
Schlüsselwörter:
präklinische Notfallversorgung - Polytrauma - Rettungsdienst
Key words:
prehospital - severe trauma - emergency medical service
Kernaussagen
-
Eigensicherung und Sichtung der Einsatzstelle sind immer die ersten Maßnahmen an einer
Unfallstelle.
-
Der Verletzungsgrad wird bei Unfallopfern häufig unterschätzt! Von einer äußerlichen
Unversehrtheit des Patienten darf man sich nicht täuschen lassen.
-
Polytrauma bedeutet Lebensgefahr. Alle präklinischen Maßnahmen dienen der Sicherung
der Vitalfunktionen und einem schnellstmöglichen Transport in die Klinik.
-
Erstmaßnahme vor jeder weiteren Manipulation ist die Immobilisation der HWS mittels
fester HWS-Schiene.
-
Alle bewusstlosen Traumapatienten (GCS <9) benötigen eine definitive Atemwegssicherung.
Sie werden präklinisch intubiert und kontrolliert beatmet.
-
Grundsätzlich ist eine Normoventilation mit reinem O2 anzustreben. Wegen eines möglichen Spannungspneumothorax müssen Anstiege des Beatmungsdrucks
beachtet werden.
-
Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma benötigen zumindest normotone Blutdruckverhältnisse.
-
Patienten ohne Schädel-Hirn-Trauma mit unstillbarer Blutung sollten hypotensiv (Zielblutdruck:
70-90mmHg systolisch) unter restriktiver Volumenzufuhr transportiert und schnellstmöglich
chirurgisch versorgt werden.
-
Alle Polytraumatisierten werden mit immobilisierter Wirbelsäule und achsengerechter
Stellung frakturierter Extremitäten in Rückenlage auf der Vakuummatratze gelagert.
-
Wünschenswert ist als Zielklinik ein Haus mit allen auch nur möglicherweise notwendigen
Fachdisziplinen.
-
Die Strategie des „work and go” verbietet unnötige und zeitaufwendige Maßnahmen am
Einsatzort.
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Dr. med. Clemens Kill
Email: killc@staff.uni-marburg.de