Abstract
Following an earlier description of the psychopathological conceptions of "communicated
insanity" we focus on a remarkable difference concerning the development of the historical
terminology. The current operarationalized definition is oriented at the originally
French conception of the "folie à deux" which includes an adoption of certain delusional
ideas by an intimate other. Compared with that, in the German psychopathological tradition
those cases were also included in the conception of the "induziertes Irresein", in
which the shocking experience of another's psychosis may cause a psychotic illness
of somebody else. In modern psychiatric terminology this kind of "induction" is rather
disregarded. We report a case of an induced psychosis in two women and give particular
attention to the German psychopathological tradition because of still existing clinical
relevance.
Zusammenfassung
Im Anschluß an eine frühere Darstellung der psychopathologischen Konzepte des induzierten
Irreseins wird in dieser Arbeit auf einen bemerkenswerten Unterschied in der psychiatriehistorischen
Begriffsentwicklung aufmerksam gemacht. Die heute geltende operationale Definition
ist ganz am französischen Ursprungskonzept der ,,folie à deux" orientiert und hebt
damit im wesentlichen auf Übernahme eines bestimmten Wahnsystems durch eine nahe Bezugsperson
ab. Demgegenüber wurden in der deutschen psychopathologischen Tradition unter den
Begriff des ,,induzierten Irreseins" auch Fälle gefaßt, bei denen die emotionale Erschütterung
durch das Erlebnis der psychotischen Erkrankung eines anderen Menschen zu einer eigenen
psychotischen Störung führt. Diese in der heutigen psychiatrischen Terminologie nicht
mehr speziell berücksichtigte Möglichkeit der ,,Induktion" wird anhand eines Fallbeispiels
dargestellt und hinsichtlich ihrer nach wie vor gegebenen klinischen Relevanz diskutiert.