Sportverletz Sportschaden 2008; 22(4): 201-206
DOI: 10.1055/s-2008-1027826
Übersicht

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Erythropoietin – aktueller Stand der Wissenschaft

Erythropoietin – State of ScienceN. Schöffel1 , J.-A Börger1 , D. Quarcoo1 , C. Scutaru1 , D. A. Groneberg1
  • 1Institut für Arbeitsmedizin, Charité Universitätsmedizin Berlin (Direktor: Univ.-Prof. Dr. D. Groneberg)
Further Information

Publication History

Publication Date:
15 December 2008 (online)

Zusammenfassung

Im Jahr 1984 gelang erstmals die Rekombination von Erythropoietin (rhEPO) in E.coli. Im folgenden Jahr erfolgte erstmalig die Synthese von rhEPO in Ovarialzellen von Hamstern, welches für die medizinische Applikation besser geeignet ist. Im Jahr 1989 wurde die FDA-Zulassung erteilt. Seitdem wird rhEPO vorwiegend bei der Behandlung von Anämien im Rahmen von chronischen Niereninsuffizienzen und malignen Prozessen eingesetzt. In den letzten 15 Jahren sind in der Forschung zahlreiche Ansätze verfolgt worden, die Bioaktivität von rhEPO und seinen Analoga zu verbessern. Inzwischen gibt es künstlich hergestelltes EPO, in humanen Zelllinien rekombiniertes EPO und Substanzen, die andere Angriffsorte der Erythropoese besitzen. Man spricht in diesem Zusammenhang von „Erythropoese stimulierenden Agenzien” (ESA). Dadurch wird deutlich, dass der Missbrauch von EPO bzw. ESA zu Dopingzwecken, trotz sensitiver Nachweisverfahren für rhEPO, weiterhin möglich ist. Gleichzeitig wurden im Rahmen dieser Forschungen zahlreiche verschiedene Zelltypen verifiziert, die sowohl EPO-Rezeptoren besitzen als auch Syntheseort sind. So konnte unter anderem eine Syntheseleistung in den Tuben, im Herzen und im Gehirn nachgewiesen werden. EPO ist auf diesen nicht blutbildenden Geweben assoziiert mit Funktionen der Transmitter-Freisetzung, Angiogenese, Chemotaxis und Apoptosehemmung. Diese Erkenntnisse haben der Thematik EPO eine große Diversivität hinsichtlich potenzieller, zytoprotektiver Eigenschaften bei Schlaganfall und Myokardinfarkt in Prävention und Rehabilitation gegeben. In den letzten Jahren konnte so ein wachsendes Interesse an der Thematik verzeichnet werden.

Abstract

After a century of research and medical use, erythropoietin (EPO) has more therapeutic approaches than ever in history. After cloning its gene in 1984, EPO obtained FDA license for clinical use in 1989. EPO and its analogues are mainly used for treatment of the anaemias of chronic renal failure and malignancies. Regarding research of the past 15 years, tremendous efforts were made for improvement of bioactivity, half-life and alternative application. Today, there are human cell-lined derived EPO, SEP, CEPO, CERA and drugs which are linked to different pathways of signaling. Due to the fact that these substances are not detectable with standardized methods of detection, it must be assumed that the abuse in sport is still possible. Moreover it was found out that the EPO receptor and EPO synthesis are also expressed by non-hematopoietic tissues, e. g. heart myocytes, ovarian and glial cells. On these tissues EPO is linked to promote cell proliferation and differentiation, angiogenesis or inhibition of apoptosis. This detection offered approaches in treatment for apoplexia and cardiac infarction and even in preventive treatment of cardiovascular diseases which led to an interest of manifold subject categories.

Literatur

N. Schöffel

Institut für Arbeitsmedizin, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Freie Universität Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin

Thielallee 73

14195 Berlin-Dahlem

Email: norman.schoeffel@charite.de