Zusammenfassung
Bei der konservativen Behandlung der Perthes'schen Erkrankung wird allgemein die Reduktion
der Hüftgelenkkraft als wesentliche Maßnahme der Behandlung anerkannt. Das Prinzip
der Hüftgelenkkraftreduktion mit Hilfe sog. Entlastungsschienen des Hüftgelenkes (Thomas-Schiene
bzw. Folgemodelle) scheint aber bereits aus klinischer Sicht dieses Ziel nicht ausreichend
zu erfüllen. Theoretische Betrachtungen früherer Arbeiten anderer Autoren verweisen
auf die nur geringe Wirksamkeit solcher Schienen bezüglich der Hüftgelenkkraftreduktion
in der Standbeinphase des Ganges. Welche Auswirkungen derartige Schienen in der sog.
Schwungbeinphase des Ganges auf die Größe der Hüftgelenkkraft haben, ist bis heute
nicht untersucht worden. Daher wird in der vorliegenden Arbeit die Belastungsgröße
des Hüftgelenkes in der Schwungbeinphase des Beines bei anliegender Schiene anhand
eines vereinfachten mechanischen Modells analysiert. Die Ergebnisse zeigen, daß im
Vergleich zu der physiologischen Schwungphase des Beines deutlich höhere Hüftgelenkkräfte
auftreten, die im statischen Fall etwa das Zweifache des Körpergewichtes erreichen.
Diese Belastungsgrößen sind deswegen wichtig, weil sie in Hüftgelenkbeugestellung
auftreten und damit die ventro-cranialen Anteile des Femurkopfes beanspruchen, eine
Region, die ohnehin beim Morbus Perthes von der Erkrankung häufig betroffen und damit
besonders gefährdet ist. Aus biomechanischer Sicht ist daher das Prinzip der Hüftgelenkkraftreduktion
mittels sog. Entlastungsschienen für das Hüftgelenk (Thomas-Schiene bzw. Folgemodelle)
abzulehnen.
Abstract
The reduetion of hip joint forces is a generally accepted part of the conservative
treatment of Perthes disease.
To reach this effect with help of splints (e. g. Thomassplint and the following models)
does not seem to be efficient enough even from a clinical point of view. Theoretical
considerations of former investigations of other authors point out the insufficient
effect of these splints regarding the hip joint force reduetion during the weight
bearing phase in Walking. The effect of these splints during the non-weight bearing
phase in Walking with regard to the hip joint forces has not been investigated so
far. Therefore this paper is dealing with the forces onto the hip joint during the
swinging phase of the leg with a splint, shown in a simplified, mechanicel model.
The results reveale significantly higher hip joint forces iff the splint is used compared
to the physiological forces during the swinging phase which in a static situation
rise up to twice the body weight. These joint loadings are important because they
occure during hip flexion and therefore cause pressure on the ventro-cranial part
of the head of the femur, a region which unfortunately is often involved in Perthes'
disease and therefore especially vulnarable to these forces. From a biomechanical
point of view the principle of reducing the hip joint forces with splints has to be
abandonned.