Zusammenfassung
Hintergrund Zu den wesentlichen kurzfristigen Komplikationen der Trabekulektomie zählen die Hypotonie
mit aufgehobener Vorderkammer und die Hypertonie mit fehlender Filtration. Sie spiegeln
die Schwierigkeit wieder, die Spannung des Skleradeckels so zu dimensionieren, dass
sich das künstliche Ventil bei den angestrebten Druckwerten öffnet. Unser Ziel war
es, durch eine Verfeinerung der bekannten Spülprobe die genannten Komplikationen zu
verhindern.
Patienten und Methode Bei 22 Augen von 121 Patienten mit chronischem Glaukom verschiedener Genese wurde
eine Trabekulektomie durchgeführt. Nach vorläufigem Anziehen der Deckelfäden wurde
die Vorderkammer aufgefüllt, bis Flüssigkeit neben dem Skleradeckel austrat. Dann
wurde der Druck mit einem neu entwickelten, sterilisierbaren Applanationstonometer
gemessen. Durch Anziehen oder Lockerung der Fäden und erneute Spülprobe wurde der
Öffnungsdruck auf Werte zwischen 5 und 20 mm Hg eingestellt.
Ergebnisse Der Augeninnendruck am ersten postoperativen Tag korrelierte gut mit dem intraoperativen
Öffnungsdruck (Korrelationskoeffizient 0,771), war aber im Mittel 20% niedriger. In
allen Fällen bestand eine ausreichende Filtration mit einem Augeninnendruck unter
20 mm Hg. Am ersten postoperativen Tag war die Vorderkammer immer tief. Nach 2 bis
9 Tagen entwickelten 4 Augen vorübergehend eine abgeflachte Vorderkammer (Minimum:
1 l/2fache Hornhautdicke). Diese Komplikation trat nur bei intraoperativen Druckwerten
von 5 bis 10 mm Hg auf.
Schlußfolgerungen Die intraoperative Druckmessung bei der Trabekulektomie ermöglicht, den postoperativen
Druck relativ genau zu bestimmen. Bei entsprechender Wahl des intraoperativen Druckes
(15 bis 20 mm Hg) scheinen sich Hypotonie und abgeflachte Vorderkammern vermeiden
zu lassen. Auch die Hypertonie läßt sich mit dem Verfahren offensichtlich verhindern.
Summary
Background Hypotony with shallow or flat chamber and hypertony without filtration are important
short-term complications of filtering procedures in glaucoma. Both reflect the difficulty
to adjust the tension of the scleral flap in a way that the artificial valve opens
at pressures within the therapeutic range. Our aim was to avoid these complications
by improving the filling test.
Patients and method 22 eyes of 21 patients with chronic glaucoma of different etiology underwent a trabeculectomy.
After preliminarily fixing the sutures, the anterior chamber was filled until fluid
appeared at the rim of the scleral flap. Then, the pressure was measured using a newly
developed, sterilizable applanation tonometer. By tightening or loosening the sutures
the opening pressure was adjusted to values between 5 and 20 mm Hg. Results The IOP
at the first postoperative day correlated well with the intraoperative flap opening
pressure (correlation coefficient 0.771), but was 20% lower at the average. All cases
had a sufficient filtering zone and IOP below 20 mm Hg. At the first day, all chambers
were deep. After 2 to 9 days, 4 eyes developed temporarily a shallow chamber (minimum
depth: 1 1/2 times corneal thickness). This complication occured only in eyes with
intraoperative pressures of 5 to 10 mm Hg.
Conclusion Intraoperative pressure control during trabeculectomy allows a fairly good determination
of the postoperative IOP. Choosing a suitable pressure level (15 to 20 mm Hg), hypotony
and shallow chambers should be avoided. Hypertony can be hindered, as well
Schlüsselwörter
Glaukom - Filtrationsoperation - Trabekulektomie - Tonometrie
Key words
Glaucoma - filtration surgery - trabeculectomy - tonometry