Zusammenfassung
Der Beginn des Lymphkreislaufes wird heute allgemein in polymorph gestalteten, blind
endigenden Initialsegmenten gesehen. Zur Untersuchung dieser blind endenden Fortsätze
wurden an 60 Rinderaugen postmortal 120 konjunktivale Lymphgefäßinjektionen mit gleichzeitiger
Messung des Injektionsdruckes und photographischer Dokumentation der einzelnen Füllungsphasen
durchgeführt. 20 Versuche gelangten hierbei zur Auswertung. Niedrige Anfangsdruckwerte
wurden bei Lage der Nadelspitze in der Nähe eines größeren Lymphgefäßes mit möglicher
intravasaler Applikation der Farbstofflösung (l%ige wäßrige Berliner Blau-Lösung)
gemessen. Höhere Initialdruckwerte traten auf bei Lage innerhalb feiner Gefäßnetze.
Extrem hohe Anfangsdruckwerte ohne sichtbare Gefäßfüllung bei gleichzeitig zunehmendem
Farbstoffdepot sind wahrscheinlich durch mangelhaften oder fehlenden Gefäßanschluß
der Nadelspitze verursacht. Während der Lymphographie füllen sich zahlreiche gröbere
und feinere, fingerartige Ausstülpungen, von denen aus ein weiteres Vordringen der
Farblösung erst wieder bei höherem Injektionsdruck beobachtet werden kann. Es läßt
sich nachweisen, dass solche Segmente Anschluß an angrenzende Gefäße haben bzw. eigene
Netze bilden. Aufgrund unserer Untersuchungsergebnisse erscheinen daher Zweifel an
der Existenz der kolbenförmigen Initialsegmente des Lymphgefäßsystems angebracht.
Die Struktur dieses Systems in der Konjunktiva des Rinderauges ist vielmehr von netzartigen
Strukturen geprägt, wobei fingerförmige Segmente als temporäre Füllungszustände nachgewiesen
werden können.
Summary
It is commonly said that the lymphatic system begins “blindly” as saccular outpocketings.
In order to examine these saccular outpocketings, 120 injections into the conjunctival
lymphatics of 60 bovine postmortem eyes were carried out, measuring the level of injection
pressure and simultaneously documenting the various filling stages photographically.
20 trials were selected for further analysis. We recorded low initial pressures when
the tip of the needle was situated close to a larger lymphatic vessel and the coloured
solution (1% aqueous Berliner Blue) as possibly applied intravascularly. Higher initial
pressures were seen on positioning inside fine networks of vessels. Extremely high
initial pressures without any visible filling of vessels but in the presence of simultaneously
increasing depots of dye were probably caused by absent or insufficient connection
between the tip of the needle and a vessel. During lymphography numerous coarser and
finer, tube-like projections (saccular outpocketings) filled, from which further progression
of the coloured solution could only be observed when higher injection pressures were
applied. We were able to prove that such segments had connections to neighbouring
vessels as well as forming plexus of their own. Based on our findings we have reason
to doubt the existence of tube-like initial segments in the lymphatic system. Rather
in the conjunctiva of the bovine eye this system has the structure of a fine network
where tubelike segments can be demonstrated as temporary filling stages.