Dtsch Med Wochenschr 1993; 118(24): 893-897
DOI: 10.1055/s-2008-1059401
Kurze Originalien & Fallberichte

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Interstitielle Nephritis bei Fleckfieber

Interstitial nephritis in typhusV. Schumann, E. Fritschka, U. Helmchen, K. Wagner, T. Philipp
  • Abteilung für Nieren- und Hochdruckkrankheiten (Direktor: Prof. Dr. T. Philipp), Medizinische Klinik und Poliklinik, Universitätsklinikum Essen, und Institut für Pathologie (Direktor: Prof. Dr. U. Helmchen), Universitäts-Krankenhaus Eppendorf, Hamburg
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
25. März 2008 (online)

Zusammenfassung

Bei einem 58jährigen Patienten entwickelten sich eine Woche nach einem achttägigen Aufenthalt auf der Insel Rhodos eine Fieberkontinua mit Temperaturen um 40 °C und ein makulöses Exanthem am Rumpf und an den Extremitäten. Aufgrund der Klinik, des charakteristischen Exanthems und eines serologischen Titeranstiegs von Antikörpern (1 : 1280) gegen Rickettsia prowazekii und Rickettsia mooseri wurde eine Fleckfieberinfektion diagnostiziert. Unter antibiotischer Therapie mit Doxycyclin kam es nach 3 Tagen zur Entfieberung und deutlichen Besserung des Allgemeinzustandes. 5 Tage nach der stationären Aufnahme verschlechterte sich die Nierenfunktion mit einem Anstieg des Serum-Kreatinins von 1,7 auf maximal 8,7 mg/dl. Histologisch zeigte sich am 8. Tag der Erkrankung in Übereinstimmung mit der Diagnose einer Rickettsieninfektion das Bild einer akuten granulomatösen interstitiellen Nephritis. Unter Fortführung der antibiotischen Therapie mit Doxycyclin über insgesamt 18 Tage besserte sich die Nierenfunktion wieder. Der Serum-Kreatininwert war 2 Wochen nach Entlassung auf 1,8 mg/dl und nach 6 Monaten auf 1,2 mg/dl abgefallen. 12 Wochen nach Entlassung war der Titer der Antikörper gegen Rickettsia prowazekii auf 1 : 20 zurückgegangen. - Bei Fleckfieber ist die frühe antibiotische Therapie von entscheidender Bedeutung, um schwere irreversible Nierenfunktionsstörungen zu vermeiden.

Abstract

A 58-year-old man developed continuous fever of around 40 °C and a macular rash on the trunk and limbs one week after an eight-day visit to the island of Rhodos. Typhus was diagnosed on the basis of the clinical findings, the characteristic rash and a rise in antibody titre against Rickettsia prowazekii and mooseri (1 : 1280). The fever subsided and the patient's general state markedly improved within three days of starting antibiotic treatment with doxycyclin. Five days after hospital admission renal function deteriorated, serum creatinine rising from 1.7 to maximally 8.7 mg/dl. Renal biopsy on the eighth day of illness revealed, in concordance with the diagnosis of a rickettsial infection, acute granulomatous interstitial nephritis. Doxycyclin administration was continued for a total of 18 days and renal function improved. Two weeks after discharge serum creatinine had fallen to 1.8 mg/dl and to 1.2 mg/dl after 6 months. The antibody titre against Rickettsia prowazekii had fallen to 1 : 20 about 12 weeks after discharge. Early antibiotic treatment of typhus is of importance to avoid irreversible renal damage.