Summary
Under resting conditions anxiety does not show typical deviations from normality.
However, EEG-recordings under experimentally induced anxiety do show typical changes:
in normal persons there is usually an increase in desynchronous fast β-activity (hyperarousal
accompanied by cognitive coping), whereas patients with anxiety disorder show hypersynchronized
α-activity, as it is usually found in deep relaxation. Thus, hypersynchronized α-activity
might be an expression of a compensatory effort of the system to relax. Anxiolytics
induce synchronous β- or sub-α activity, which may force the system into more rigid
patterns (relaxation) and thus, could counteract anxiety in normal persons, if hyperarousal
going along with desynchronisation is not sufficient. Furthermore, benzodiazepines
show also an increase in desynchronous fast β-activity which could be useful in chronic
anxiety, in order to support cognitive efforts.
While depressive disorders cause a variety of changes in the wake EEG, that can only
partly linked with the clinical picture (neurotic versus endogenous), the sleep EEG
shows a decrease in REM- latency, an increase in REM density and a decrease in sleep
efficiency in patients with depressive symptoms. However, nosological specifity is
not established yet. Successful antidepressive therapy counteracts these changes.
The common feature in the wake EEG is the interaction with vigilance dependent variables
in both directions: stimulation and sedation.
Schizophrenia shows different patterns for acute and chronic states. In acute schizophrenia
there is a dysrhythmic activity with an increase in β-activity. This is counteracted
by neuroleptics, inducing slowing of frequency and an increase of synchronization.
In chronic schizophrenics, there is an increased synchronization with low variability
of amplitude. In contrast to the treatment in acute schizophrenics, in chronic schizophrenia
the therapy response under neuroleptics is indicated by an increase in β-activity
and a decrease in synchronization.
Zusammenfassung
Der Arbeitskreis „Psychophysiologic” der Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (AMDP) formulierte für die kommenden Jahre die Aufgabe, den Beitrag des EEG zur psychiatrischen
Diagnose, Verlaufskontrolle und Prognose auf einer breiten, noch zu schaffenden Datenbasis
zu verbessern. Dieses Unterfangen scheint berechtigt, da in den vergangenen Jahren
in verschiedenen Studien übereinstimmend Ergebnisse erzielt werden konnten, die zumindest
den Versuch rechtfertigen, ein mehr nach psychiatrischen Interessen ausgerichtetes
EEG zu etablieren. Mitglieder des Arbeitskreises haben Literaturrecherchen zum psychiatrischen
EEG durchgeführt und Übersichtsarbeiten geschrieben, die in diesem Beitrag zusammengefasst
und bewertet werden. Aufgrund der umfangreichen Literatur beschränkten wir uns auf
die Krankheitsbilder Schizophrenie, affektive Erkrankung und Angststörung, wobei aus
den Jahren 1924-1994 von über 3000 verfügbaren Arbeiten in der Weltliteratur 500 ausgewertet
und in dieser Zusammenfassung 216 berücksichtigt wurden. Diese Auswertung stellt die
Basis für die zukünftige Arbeit des Arbeitskreises dar und liefert die Arbeitshypothesen,
die es zu überprüfen gilt. Besondere Berücksichtigung gilt dabei der Frage, ob sich
für einzelne Krankheitsdiagnosen oder Syndrome spezifische EEG-Veränderungen finden
lassen und ob das EEG eine Aussage über den Krankheitsverlauf und das zu erwartende
Therapie-Ergebnis in Abhängigkeit vom Ausgangs-EEG erlaubt.
Während Angstpatienten im Ruhe-EEG keine eindeutigen Normabweichungen zeigen, ist
das EEG unter situativ erzeugter Angst verändert: bei Normalpersonen wird vermehrt
desynchrone, schnelle β-Aktivität gefunden (Hyperarousal mit kognitiver Gegenregulation), Patienten
mit Angsterkrankung zeigen häufig eine rigide α-Aktivität, wie sie sich üblicherweise im Zustand tiefer Entspannung findet. Aus
verschiedenen pharmako-elektroenzephalographischen Untersuchungen ist bekannt, daß
Anxiolytika häufig synchrone, rigide 14-16/s β-und/oder Sub-α-Aktivität erzeugen, was der Angst im Sinne einer Entspannung
entgegenwirken könnte. Weniger bekannt ist, daß Benzodiazepine auch eine Erhöhung
schneller desynchroner β- Aktivität fronto-zentral erzeugen, was (gegenregulatorische) kognitive Prozesse
begünstigen könnte. Anxiolytika entfalten nach dieser Vorstellung also einen zweifachen
angstmindernden Effekt und können sowohl kognitive Prozesse zur Angstbewältigung als
auch Entspannung fördern. Möglicherweise kommt dabei je nach Ausgangssituation (akute
Angst - chronische Angst) mehr der eine oder andere Wirkmechnaismus zum Tragen.
Bei Depressionen werden im Wach-EEG von verschiedenen Autoren Veränderungen beschrieben.
Für neurotisch-depressive Patienten werden Auffäl-ligkeiten berichtet, die hypothetisch
im Sinne einer dynamisch labilen Vigilanzregulation (Desynchronisation der Grundaktivität
sowie irreguläre β-Aktivität im Spontan-EEG) interpretiert werden können. Bei endogen-depressiven
Patienten scheint dem gegenüber eine dynamisch rigide Vigilanzregulation (nach frontotemporal
ausgebreitete α-Aktivität) zu bestehen. Das möglicherweise einzige gemeinsame bei
der EEG-Wirkung von Antidepressiva ist, daß sie vigilanzabhängige Variablen beeinflussen
und, je nach Substanztyp und Ausgangs-EEG, sowohl eine leichte Stimulation als auch
eine Sedierung bewirken können. Klarere Ergebnisse liefert das Schlaf-EEG. Bei Vorliegen
von Depressivität wird eine Abnahme der REM-Latenz, eine Zunahme der REM-Dichte sowie
eine Abnahme der Schlaf-Effizienz beschrieben. Allerdings ist bis heute nicht abschließend
geklärt, inwieweit diese Auffälligkeiten als Nosologie-spezifisch zu werten sind,
da sie auch bei Depressivität als Begleitsymptom anderer Erkrankungen beschrieben
werden. Von den meisten Antidepressiva ist bekannt, daß sie diesen Veränderungen entgegen
wirken und die REM-Latenz verlängern, die REM-Dichte erniedrigen sowie die Schlaf-Effizienz
erhöhen.
EEG-Veränderungen bei akuter und chronischer Schizophrenie sind unterschiedlich. Bei
akuter Schizophrenie wird vor allem eine dysrhythmische Grundaktivität mit Zunahme
der β-Aktivität beschrieben. Neuroleptika bewirken hier eine Erhöhung der Synchronisation
und eine Abnahme der Aktivität im schnellen Frequenzbereich. Bei chronischer Schizophrenie
ist demgegenüber eine erhöhte Synchronizität und eine reduzierte Amplitudenvariabilität
vorherrschend. Anders als bei akuter wird bei chronischer Schizophrenie der Therapieerfolg
unter Neuroleptika von einer Zunahme schneller β-Aktivität sowie einer Abnahme der
Synchronisation begleitet.
Key words
Electroencephalography - Psychiatry -Classification - Pharmaco-EEG