Zusammenfassung
Bei 223 potentiellen Transplantatempfängern und 127 Patienten mit funktionierendem
Transplantat wurden miktions-zysto-urethrographische Untersuchungen durchgeführt und
die Ergebnisse mit den Angaben anderer Autoren verglichen und diskutiert.
10-30% (im eigenen Krankengut 20,2%) aller niereninsuffizienten Patienten weisen einen
Reflux in die Eigennieren auf. Der Reflux ist bei einem Teil der Patienten als primärer
Reflux anzusehen, der die Ursache der terminalen Niereninsuffizienz darstellen kann
(Refluxnephropathie, chronische Pyelonephritis). Ein Reflux in die Eigennieren ist
jedoch auch bei Patienten zu beobachten, bei denen die Niereninsuffizienz nicht auf
den Reflux per se zurückgeführt werden kann (z. B. bei chronischer Glomerulonephritis
und anderen Grunderkrankungen). Als Entstehungsmechanismus des Refluxes kommt bei
diesen Patienten in erster Linie eine urämiebedingte neuromuskuläre Schädigung der
Detrusor-, eventuell der Uretermuskulatur in Betracht.
Für den Reflux in das Transplantat (Häufigkeit 10%-44%, im eigenen Krankengut 34%)
sind neben operationstechnischen Aspekten in erster Linie immunologisch ausgelöste
Veränderungen im Bereiche des Transplantat-Ureters verantwortlich, die im Rahmen von
Abstoßungsreaktionen, parallelgehend mit Veränderungen im Nierenparenchym, ablaufen.
Wie die eigenen Untersuchungen erstmals zeigen konnten, korreliert die Refluxhäufigkeit
mit der Anzahl der Abstoßungsreaktionen. Für die Transplantatprognose ist jedoch weniger
der Reflux per se als die Häufigkeit und der Schweregrad der Abstoßungsreaktionen
entscheidend.
Abstract
The incidence of reflux was determined in 223 potential renal transplant candidates
and 127 patients with functioning grafts. The possible etiology of reflux in terminal
renal failure and the pathogenesis and significance of reflux after renal transplantation
is discussed and compared to the findings in the literature. Reflux into the diseased
kidneys can be demonstrated in 10-30% (20,2% in the own material) of the patients
with terminal renal failure. Reflux can be regarded as primary in patients with terminal
renal failure due to chronic pyelonephritis (refluxnephropathy). Reflux, however,
can also be demonstrated in some patients with chronic glomerulonephritis and other
diseases. In these patients reflux is probably caused by a neuromuscular alteration
of the detrusor or even ureteric musculature subsequent to uremia. Reflux into the
transplant (frequency 10%-44%, 34% in own material) seems primarily to be a consequence
of immunologically induced alterations of the transplant ureter ocurring together
with rejection in the kidney. As could be demonstrated for the first time, the incidence
of reflux correlates well with the number of rejection crises. Graft prognosis, however,
rather is determined by the frequency and severity of the rejection episodes than
by the reflux itself.
Key-Words:
Renal transplantation - Terminal renal failure - Reflux