Zusammenfassung
Einleitung: Angesichts der Alterung der westlichen Gesellschaften ergibt sich die Notwendigkeit,
Medizinstudierende im Fach Geriatrie zu unterrichten. Um besser zu verstehen, was
Studierende über Senioren wissen, führten wir eine Querschnittsuntersuchung mit einem
Fragebogen durch. Darin wurden drei wichtige Aspekte des aktuellen Lebens von Senioren
in der Bundesrepublik basierend auf demographischen Daten erfragt.
Methoden: Zu Beginn einer Geriatrie-Vorlesung für Medizinstudierende des 5. Semesters erhielt
jeder Studierende einen Fragebogen. Die Teilnehmer wurden gebeten, auf einer Ordinalskala
mit 5 Optionen (1-5-25-50-75%) bezogen auf Senioren in der Bundesrepublik folgendes
anzugeben: Prozent der Senioren in einem Pflegeheim (korrekt: 5%), Prozent der über
80-jährigen Frauen, die allein zuhause leben (korrekt: 75%), Prozent der Senioren,
die mindestens einmal pro Woche Kontakt zu ihren Kindern haben (korrekt: 75%). Folgende
biographischen Angaben der Teilnehmer wurden erhoben: Alter, Geschlecht, Anzahl der
lebenden Groß- und Urgroßeltern und ob der Studierende persönlich mindestens einen
über 80-Jährigen in seinem Umfeld kennt. SPSS 14.0 wurde zur Analyse benutzt (p<0,05).
Ergebnisse: Die Teilnehmerrate war 50% (55 von 110). Das Durchschnittsalter der Studierenden
war 28 Jahre, 68% waren Frauen. Achtzig Prozent kannten eine Person über 80 Jahre
und 73% hatten mindestens einen lebenden Großelternteil. Kein Teilnehmer hatte drei
korrekte Angaben; 13% hatten zwei und 35% eine korrekte Antwort. 42% der Teilnehmer
kannte den Prozentsatz von Senioren im Pflegeheim. Nur 13% der Teilnehmer realisierten,
dass die Mehrheit der Frauen über 80 Jahre allein zuhause lebt. Auch der Kontakt zwischen
den Generationen wurde stark unterschätzt: nur 6% gaben die korrekte Antwort. Keine
der biographischen Variablen hatte einen signifikanten Einfluss.
Diskussion: Die Vorstellungen von Studierenden über Senioren unterscheiden sich deutlich von
den tatsächlichen Lebenssituationen von Älteren in einer modernen Gesellschaft. Es
ist sinnvoll, Informationen über die Lebenssituation der Mehrheit der Senioren in
Lehrveranstaltungen zu Geriatrie aufzunehmen.
Abstract
Background: With the aging of Western societies there is an increasing necessity to teach geriatrics
to medical students. To better understand what students know about the elderly, we
performed a questionnaire survey addressing three important aspects of seniors’ life
in current Germany, based on demographic data.
Methods: At the beginning of a geriatrics lecture for third-year medical students, each student
received a questionnaire. Using an ordinal scale (1-5-25-50-75%), participants were
asked to estimate the percentage of elderly in a nursing home (correct: 5%), percentage
of elderly women living alone at home (correct: 75%), percentage of seniors with weekly
contact to their children (correct: 75%). Biographic data were obtained: age, gender,
living grandparents or great-grandparents, personally knowing at least one elderly
person. SPSS 14.0 was used for analysis (p<0.05).
Results: Participation rate was 50% (55 of 110). Students’ average age was 28 years, 68% were
female. Eighty percent knew a person above age 80 and 73% had at least one living
grandparent. No participant had three correct estimates; 13% had two and 35% one correct
answer. 42% correctly knew the percentage elderly in a nursing home. Yet, only 13%
realized that the majority of women above eighty lives at home independently. Also,
contact between generations was severely underestimated: only 6% knew the correct
answer. None of the biographic variables had any significant influence.
Conclusion: Students’ estimates about the elderly differed markedly from actual living conditions
of senior citizens in a modern society. It seems prudent to include data about seniors’
everyday life when teaching geriatrics to medical students.
Schlüsselwörter
Medizinstudium - Studierende - Kenntnisstand - Geriatrie - Senioren
Key words
medical education - student - knowledge - geriatrics - seniors