Inf Orthod Kieferorthop 2008; 40(2): 133-144
DOI: 10.1055/s-2008-1076808
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag Stuttgart ˙ New York

Frühbehandlung der Klasse III – Lohnt sich der Aufwand?

Eine Untersuchung zweier Behandlungsverfahren zur Korrektur der Klasse IIIEarly Class III Treatment – Is it Worth the Effort?An Evaluation of Two Treatment Modalities for Class III CorrectionJ. L. Berger2 , V. Pangrazio-Kulbersh1 , F. N. Janisse2 , B. Bayirli1
  • 1Department of Orthodontics, School of Dentistry, University of Detroit Mercy
  • 2in eigener kieferorthopädischer Praxis in Windsor, Ontario, Canada tätig
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Publication Date:
16 July 2008 (online)

Zusammenfassung

Ziele: Ziel der vorliegenden Studie war der Vergleich der Auswirkungen einer Therapie mit Gesichtsmaske mit einer unbehandelten Klasse-III-Kontrollgruppe und mit den Ergebnissen einer chirurgischen Vorverlagerung des Oberkiefers mittels einer Le-Fort-I-Osteotomie. Material: Die Protraktions- und die Chirurgiegruppe bestanden aus jeweils 17 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 8 Jahren, 7 Monaten bzw. 19 Jahren und 6 Monaten. Jede der Untersuchungsgruppen wurde mit einer entsprechenden Kontrollgruppe aus unbehandelten Klasse-III-Patienten verglichen. Zu den Untersuchungszeitpunkten T 1 (vor Beginn der Behandlung), T 2 (nach Abschluss der aktiven Protraktion bzw. zwei Wochen nach dem chirurgischen Eingriff) und T 3 (7 Jahre, 6 Monate nach Abschluss der Protraktion bzw. 1 Jahr und 5 Monate nach der chirurgischen Korrektur) wurden jeweils Fernröntgenseitenaufnahmen angefertigt und ausgewertet. Für die beschreibenden kephalometrischen Messwerte wurden Mittelwerte und Standardabweichungen berechnet. Zur Untersuchung von Unterschieden zwischen den Gruppen im Lauf der Zeit wurde eine ANOVA durchgeführt. Mithilfe von Tukeys Studentized Range Test wurde versucht, die Ursachen für die Veränderungen herauszufiltern. Die Unterschiede zwischen der Protraktions- und der Chirurgiegruppe und den entsprechenden Kontrollgruppen wurden mit einem paarweisen t-Test untersucht. Ergebnisse: Im Vergleich zur Kontrollgruppe war nach Abschluss der Protraktionstherapie ein fortgesetzt positives Wachstum des Oberkiefers zu beobachten. Bei der Chirurgiegruppe kam es nach der Le-Fort-I-Osteotomie nicht zur Rezidivbildung. Schlussfolgerung: Die auffälligsten Beobachtungen in unserer Studie betreffen die generelle Ähnlichkeit zwischen Protraktions- und Chirurgiegruppe zum Untersuchungszeitpunkt T 3 und die allgemeine Langzeitstabilität der Ergebnisse beider Therapieverfahren. Selbst wenn ein Klasse-III-Wachstumsmuster genetisch bedingt sein sollte, scheinen die Ergebnisse einer frühzeitigen Therapie langzeitstabil zu sein, wie an den klinischen Fallberichten abzulesen ist.

Abstract

Purpose: The goal of this study was to compare the effects of protraction facemask with untreated Class III controls and with LeFort I maxillary advancement. Material: The protraction and surgical groups each consisted of 17 subjects with a mean age of 8 yr 7 m and 19 y 6 m, respectively. Each group was compared with matched controls of untreated Class III subjects. Lateral cephalograms were evaluated at T 1 (initial records), T 2 (completion of protraction treatment or two weeks post surgery) and T 3 (7 years 6 months post-protraction or 1 year 5 months post-surgery). Means and standard deviations were calculated for descriptive cephalometric measurements. ANOVA was used to assess the differences between the groups over time. Tukey Studentized Range Test was performed to determine the source of the difference. Paired t-tests were used to compare the differences between the protraction and surgical groups and matched controls. Results: A favorable growth of the maxilla was sustained after protraction of the maxilla as compared to the control group. The surgical group did not show any relapse tendencies after the Le Fort osteotomy. Conclusion: The most striking finding of this study is the general similarity between the protraction and surgical group at T 3 and the overall stability of both treatment modalities over time. Even when strong genetic factors are the determinant of a Class III growth pattern early treatment appears to be stable over time, as illustrated by the clinical cases reported.