B & G 2008; 24: S37-S40
DOI: 10.1055/s-2008-1076922
B & G SUPPLEMENT

© Hippokrates Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG

Positionspapier Sport- und Bewegungstherapie 2008 – Qualitätssicherung und Professionalisierung

G. Huber1
  • 1Universität Heidelberg, Institut für Sport und Sportwissenschaft
Further Information

Publication History

Publication Date:
17 September 2008 (online)

Ausbildungssituation

Seit der Entwicklung der Curricula des DVGS (1989) fand eine zunehmende Vernetzung der Fort- und Weiterbildungsinhalte mit Ausbildungsinhalten sowohl akademischer als auch nichtakademischer Bildungsstätten statt. Der derzeitige Stand der Kooperation mit den Fachschulen und Hochschulen in Deutschland ist [Tabelle 1] zu entnehmen.

Tab. 1 Tabelle der Anerkennung (Stand: August 2008). Lehrgangsorte Qualifikation Sporttherapie Zusatzqualifikationen Lizenzlehrgänge Stufe II GL2) Stufe III ORT2) Stufe III IE2) Stufe III PPS2) Stufe II Neur.2) Rückenschule Osteoporose Kardiologie Gefäß Diabetes Atem Onkologie Taijiquan Geriatrie Med. N. Walking Herz-Kr.-Trainer Adipositas Aqua Sturzprophy. Hochschulen1) Ausbildungsinhalte Bochum A A Chemnitz A E E E Erlangen A E E A A A A A A E A E E Frankfurt A A E A A E E E E Freiburg A E E A A A A A E E Heidelberg A A A E E E A E Jena A Karlsruhe A Köln A E E E A A Konstanz A E A A Leipzig A A A A Mainz A E A A E E E E E Marburg A Magglingen (CH) A München A E E E A A A E E E E Potsdam A Saarbrücken A A A A Salzburg (A) A Tübingen A E A A A A A E Würzburg A E A A A A E Fachschulen Ausbildungsinhalte Bielefeld E E E Berlin E A A A A A A Dortmund E L A A E Düsseldorf E A Coburg E A A A A Kerpen E A Münster E E A Pinneberg E E E A A A Siegen E A A A A Stuttgart A E A Waldenburg A E A E A A A A A A 1) Bitte erfragen Sie bezüglich der Ausbildungsanerkennung die Gültigkeit Ihrer Studiengänge.A = Eine direkte Anerkennung der Ausbildungsinhalte ist möglich (Zeugnis, Zeugnisurkunde).E = Eine direkte Anerkennung der Ausbildungsinhalte ist unter Ergänzungen möglich (Institutsnachweis).L = Zur Qualifikation ist der Besuch des gesamten Lehrganges notwendig. Bei direkter Anerkennung der Stufen II und III der Fach- und Hochschulen ist lediglich eine kostenpflichtige Zertifikatsprüfung im DVGS e. V. notwendig. Bei direkter Anerkennung von Lizenzinhalten ist eine Lizenzgebühr obligat.  2) GL = Grundlagen der SporttherapieORT = Orthopädie / Rheumatologie / TraumatologieIE = Innere ErkrankungenPPS = Psychiatrie / Psychosomatik / SuchtNeur. = Neurologie Spezialisierungen Gesundheitssport Anerkennungen der Universitäten Bayreuth und Erlangen, MA. Studiengang Health and Fitness der Universität Salzburg auf Anfrage.

Anforderungen an Sport- und Bewegungstherapeuten werden durch die Ausbildungsordnung sowie deren Zulassungs- und Prüfverfahren qualitätsgesichert (Curricula Sport- und Bewegungstherapie Stand 01.08.2006).

Je weiter in den vergangenen zehn Jahren aus Wirtschaftlichkeitsgründen eine Trennschärfenverschiebung von Prävention und Rehabilitation stattfand, umso wichtiger wurden Lehrinhalte für Bewegungsfachgruppen, die zu einer „Mehrfachqualifikation” führten. Die Trennverschiebung beinhaltet:

Ausgabensteigerung im Gesundheitswesen bei gleichzeitiger Einnahmenstagnation: Diagnosis Related Groups (Fallgruppen) betriebswirtschaftliche Auslastung der Einrichtungen: „Alles unter einem Dach” (Prävention und Rehabilitation) Disease Management Programme (DMP) SGB V § 137 f (RSA–MORBI) Einbindung von Sport- und Bewegungstherapie bei leitlinienorientierter Versorgung in der medizinischen Rehabiliation der Deutschen Rentenversicherung Bund Prävention SGB V § 20 Abs. 1 und 2 Patientenschulung SGB V § 43 Wahltarife nach SGB V § 53 integrierte Versorgung SGB V § 140 a Bonusprogramme nach SGB V § 65 a Rehabilitationssport und das Funktionstraining SGB IX § 44

Aus dieser Perspektive erfüllen uns auch die derzeitigen Studieninhalte der neu zu erstellenden Ausbildungen zum Bachelor und Master in der Sport- und Bewegungswissenschaft mit Sorge. Die in Bologna intendierte Vereinheitlichung von Abschlüssen pervertiert in das Gegenteil: heute sind z. B. Studiengänge in Heidelberg und Karlsruhe nicht mehr kompatibel.

Die Basisausbildungen der Bachelorabschlüsse und Spezialisierungen in den Masterausbildungen führen häufig zu Schwerpunktlegungen (z. B. Leistungssport). Diese Schwerpunktlegungen sind, aus dem Blickwinkel der vom Arbeitsmarkt zunehmend geforderten Aspekte von „Professionenmix” und „Mehrfachqualifikation”, nicht selten arbeitsmarktirrelevant. Eine solche Entwicklung kann nicht im Sinne der Absolventen sein ([Tab. 2]).

Tab. 2 Anforderungen an das Personal: Mehrfachqualifikation. Medizinische GrundlagenPathologiePädagogikSportdidaktikenTrainingslehreBewegungslehre GesundheitspolitikQualitätsmanagementwissenschaftliche QuellenkundeFremdsprachen GesundheitspädagogikGesundheitspsychologieICF-KontextKommunikationGesprächsführungemotionale/soziale Kompetenz EpidemiologieEvidenzbasierungTestungAssessmentsEvaluation

Diese Ausbildungsinhalte der Sport- und Bewegungstherapie in Kombination mit ergänzenden Fort- und Weiterbildungen sind an dieser Stelle geeignet, die in den folgenden Ausführungen als notwendig bewerteten Interventionen zur Erreichung des präventiven und therapeutischen Nutzens, auch im Sinne einer Heilmittelbehandlung, zu erzielen. Die Trias der curricularen Ausbildungsinhalte Konzeption – Realisation – Evaluation als Interventionsebenen von Sport- und Bewegungstherapeuten sind hierbei besonders geeignet, eine eigenverantwortliche Tätigkeit im ambulanten Sektor zu ermöglichen. Ein entsprechender Antrag liegt den Unterausschüssen des Gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen vor.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. G. Huber

Universität Heidelberg · Institut für Sport und Sportwissenschaft

Im Neuenheimer Feld 700

69120 Heidelberg

Phone: 0 62 21 / 54 42 11

Email: gerhard.huber@issw.uni-heidelberg.de