Gastroenterologie up2date 2008; 4(2): 117-135
DOI: 10.1055/s-2008-1077324
Ösophagus/Magen/Duodenum

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Gastroösophageale Refluxkrankheit - Klinik, Diagnostik und Therapie

Herbert  Koop, Thomas  Benter
Further Information

Publication History

Publication Date:
16 June 2008 (online)

Kernaussagen

Definition, Epidemiologie, Klink

  • Nach den heute geltenden Klassifikationen wird die gastroösophageale Refluxkrankheit definiert als Beschwerden und/oder Läsionen, die durch pathologischen Reflux ausgelöst werden und die zugleich die Lebensqualität beeinträchtigen.

  • Insgesamt weisen ca. 15 % der erwachsenen Bevölkerung eine Refluxösophagitis auf, bei ca. 6 % der erwachsenen Bevölkerung liegt eine asymptomatische Refluxösophagitis vor.

  • Für den Patienten steht die Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die Refluxsymptomatik im Vordergrund gegenüber dem Vorhandensein von Läsionen einer Refluxösophagitis bzw. deren Schweregrad.

  • Blutung, peptische Stenose und Ulkus als Komplikationen der Refluxösophagitis findet man fast nur noch bei älteren Patienten, möglicherweise wegen der schwereren Verläufe und/oder der geringeren Beschwerden dieser Patientengruppe.

Diagnostik

  • Nach der Montréal-Klassifikation kann die Diagnose anhand der Symptome gestellt werden, die weiterführende Endoskopie führt dann zu einer Spezifizierung der Erkrankung, z. B. ERD, NERD, Barrett-Ösophagus.

  • Bei Vorliegen von Alarmsymptomen (Dysphagie, Gewichtsverlust, Anämie etc.) muss unverzüglich endoskopiert werden, insbesondere bei jüngeren Patienten und/oder geringer Symptomatik kann jedoch bei typischem Beschwerdebild direkt eine Behandlung eingeleitet werden.

Therapie

  • Die evidenzbasierte Therapie der Refluxkrankheit besteht in der Gabe von Protonenpumpenblockern (PPI). Beim Fehlen von Alarmsymptomen kann zunächst ohne Endoskopie eine ca. 4-wöchige Therapie in Standarddosierung erfolgen.

  • Schwergradige Refluxösophagitiden erfordern häufig verlängerte Therapieintervalle und höhere PPI-Dosen. Bei der NERD ist nach Eintritt der Beschwerdefreiheit ein Auslassversuch bzw. On-Demand-Therapie gerechtfertigt.

  • Bei der Refluxösophagitis ist die Rate wirklicher Therapieversager mit unter 10 % eher klein, allerdings werden nur 40 - 50 % der Patienten mit NERD nach 4-wöchiger PPI-Therapie nachhaltig symptomfrei, was am ehesten auf die Inhomogenität dieser Gruppe zurückzuführen ist.

  • Die Erkrankung nimmt meist einen chronischen, aber in aller Regel keinen progressiven Verlauf.

Literatur

Prof. Dr. Herbert Koop

Klinik für Innere Medizin II
HELIOS Klinikum Berlin-Buch

Schwanebecker Chaussee 50
13125 Berlin

Email: [email protected]