Pneumologie 2010; 64 - A9
DOI: 10.1055/s-2010-1268888

Die Nebennierenrindenfunktion ist assoziiert mit der Prognose von Patienten mit moderater ambulant erworbener Pneumonie (CAP)

M Kolditz 1, M Halank 1, B Schulte-Hubbert 1, G Höffken 1
  • 1Abteilung Pneumologie, Uniklinikum Carl Gustav Carus, Dresden

Einleitung: Funktionsparameter der Nebennierenrinde sowie das Vorliegen einer relativen Nebennierenrindeninsuffizienz (RAI) sind wiederholt mit dem Schweregrad einer Sepsis und/oder CAP assoziiert worden. Das Ziel der vorliegenden Studie war die prospektive Evaluation der Nebennierenrindenfunktion vor und nach Stimulation mit Cosyntropin und ihres prognostischen Wertes im Vergleich zu etablierten inflammatorischen Parametern bei Patienten mit moderater CAP.

Methoden: 59 konsekutive erwachsene Patienten, die wegen einer CAP für mindestens 24 Stunden in der Notaufnahme oder auf Normalstation hospitalisiert waren, wurden prospektiv in die Studie eingeschlossen. Am Morgen von Tag 1 wurden ein Stimulationstest mit Cosyntropin durchgeführt und die Konzentrationen der Serumparameter CRP, PCT, IL-6, TNFα, ACTH, Cortisol, Dehydroepiandrosteron (DHEA) and Dehydroepiandrosteronsulfat (DHEAS) bestimmt; der PSI- und CRB-65-Index wurde ermittelt. Vordefinierte Endpunkte waren klinische Instabilität nach 72h, 30-Tages-Letalität und kombiniert ITS-Verlegung oder Tod.

Ergebnisse: Eine RAI wurde bei 6 Patienten (10%) diagnostiziert, es zeigte sich ein Trend zu einer höheren Rate an klinisch instabilen Patienten nach 72 Stunden in dieser Gruppe (5/6 Patienten; p=0,082).

Cortisol, Alterskorrigiertes DHEA, ACTH und die Ratio DHEA/DHEAS waren signifikant erhöht bei Patienten, welche nach 72 Stunden keine klinische Stabilität erreicht hatten. In der multivariaten Analyse waren Cortisol (p=0,03), ACTH (p=0,04) und der PSI-Score (p=0,005) unabhängige Prädiktoren für klinische Instabilität nach 72h, nur Cortisol war ein unabhängiger Prädiktor für einen letalen Verlauf (p=0,04) und den kombinierten Endpunkt Tod oder ITS-Verlegung (p=0,006). Nach ROC-Kurven-Analyse war der prädiktive Wert des Cortisol dem des aufwendig zu kalkulierenden PSI-Score vergleichbar und dem von CRP und PCT überlegen. Patienten mit einer Cortisolkonzentration >734 nmol/l hatten eine signifikant niedrigere Überlebenswahrscheinlichkeit nach Kaplan-Meier-Analyse (OR 38; 95%-CI: 4–386, p=0,002).

Diskussion: Patienten mit einer moderaten CAP weisen nur selten eine RAI auf. Die Nebennierenrindenhormone Cortisol, DHEA, DHEAS und ACTH sind mit dem Schweregrad und der Prognose einer CAP assoziiert. Die diagnostische Genauigkeit von Serumcortisol zur Vorhersage einer ungünstigen Prognose bei CAP ist der des PSI-Scores vergleichbar und der der etablierten inflammatorischen Parameter CRP und PCT überlegen. Serumcortisol sollte daher als neuer Parameter im Rahmen von klinischen Risikoscores in größeren Studien evaluiert werden.