Mason KJ.
et al.
Comparision of Drug Discontinuation, Effectiveness, and Safety Between Clinical Trial
Eligible and Ineligible Patients in BADBIR.
J Amer Med Ass Dermatol
DOI:
10.1001/jamadermatol.2018.0183
Wieviele Psoriasis-Patienten aus dem klinischen Alltag, denen ein Biologikum verordnet
wird, erfüllen die oft strengen Ein- und Ausschlusskriterien für eine Zulassungsstudie?
Zeigen sich Unterschiede zu „Normalpatienten“ bezüglich Therapieabbruchrate, Wirksamkeit/Nutzen
oder schweren unerwünschten Ereignissen (SAE), wenn man eine entsprechende Kategorierung
vornimmt? Im Rahmen der BADBIR-Registerstudie hatten Forscher diesen Aspekt anhand
der Daten von über 7000 Psoriasis-Patienten von 157 teilnehmenden dermatologischen
Zentren untersucht.
BADBIR (British Association of Dermatologists Biologics Intervention Register) ist
eine 2007 gestartete, prospektive Beobachtungsstudie mit Patienten, die eine Psoriasis-Therapie
mit einem Biologikum im Rahmen der Standardbehandlung erhalten.
Bis zum geplanten Studienende 2028 sollen über 20 000 Teilnehmer eingeschlossen werden.
Für die vorliegende Analyse wurden Psoriasis-Patienten ausgewählt, die eines von 3
Biologika verwendeten:
Es musste zumindest eine Nachbeobachtungsvisite vorliegen. Als Definition „potenzieller
Studienpatient ja/nein“ verwendeten die Autoren die Einschlusskriterien von 3 klinischen
Phase-3-Studien. Getrennt analysiert wurden die Daten von Patienten, für die initial
kein PASI-Wert (Psoriasis Area and Severity Index) oder ein initial niedriger PASI
(< 10 bei Etanercept bzw. < 12 bei Adalimumab oder Ustekinumab) vorlag.
Ergebnisse
7136 Patienten mit einem mittleren Alter von 45 Jahren konnten aufgenommen werden;
41 % waren Frauen, 59 % Männer. In die Kategorie „für Einschluss in klinische Studie
geeignet“ passten 839 (56 %) der Etanercept-Verwender, 2219 (56 %) der Adalimumab-Verwender
und 754 (46 %) der Ustekinumab-Verwender. Die häufigsten Gründe für die Ungeeignetheit
zur Studienteilnahme waren ein Diabetes oder eine nicht-chronische Plaque-Psoriasis.
Der Vergleich zwischen studienungeeigneten und studiengeeigneten Patienten ergab:
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Bei studienungeeigneten Patienten war die Wirksamkeit der Therapie schlechter. Nach
6 – 12 Monaten änderte sich der PASI weniger stark (Adalimumab, Ustekinumab).
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Studienungeeignete Patienten hatten signifikant höhere Risiken für ein SAE innerhalb
des ersten Behandlungsjahrs; dies betraf alle Biologika (Etanercept: Inzidenzraten-Verhältnis
IRR = 1,9 [95 % K.I., 1,40 – 2,60], Adalimumab: IRR = 2,0 [95 % K.I., 1,55 – 2,59],
Ustekinumab: IRR = 2,81 [95 % K.I., 2,12 – 3,72]).
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DieTherapieabbruchraten waren in beiden Gruppen vergleichbar hoch.
Offenbar sind Psoriasis-Patienten, die man in klinische Studien mit einem Biologikum
eingeschlossen hatte, nicht repräsentativ für das Patientengut im klinischen Alltag.
In der vorliegenden Analyse spielten auch Komorbiditäten eine große Rolle. Die Forscher
fordern bei der Publikation von Zulassungsstudien u. a. eine Begründung der gewählten
Ein- und Ausschlusskriterien darzulegen, damit Studienergebnisse bei der Therapieentscheidung
besser eingeordnet werden können.
Dr. rer. nat. Katrin Appel, Essen