Alle nachfolgenden Empfehlungen folgen dem Grundsatz: Babyhautpflege sollte die Hautbarriere
unterstützen und die Hautreifung nicht stören.
Baden von Säuglingen
Das Säuglingsbad hat positive Effekte. Die Förderung der Eltern-Kind-Bindung ist sicher
einer der bedeutsamsten. Es stellen sich jedoch Fragen nach der Auswirkung auf die
Haut: Wie oft darf gebadet werden? Ist Baden besser als Waschen? Schaden Badezusätze
der Säuglingshaut? Und wie beeinflussen Babypflegeprodukte die Hautschutzbarriere?
In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Studien veröffentlicht, die einigen der
häufigsten Fragen der Säuglingshautpflege unter kontrollierten Bedingungen nachgehen.
Hervorzuheben sind vor allem drei Untersuchungen aus den Jahren 2009 bis 2011. Zwei
von ihnen wurden an der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der
Charité Universitätsmedizin Berlin durchgeführt, die dritte durch das Institut für
Hebammenkunde an der britischen Universität Manchester.
Baden oder Waschen?
Eine Studie der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Charité
Universitätsmedizin Berlin ging folgender Fragestellung nach: Wie beeinflusst Baden
im Unterschied zum Waschen mit einem Waschlappen die natürliche Anpassung und Funktion
der Hautschutzbarriere bei gesunden Reifgeborenen in den ersten vier Lebenswochen?
Methodik
Randomisierung: 57 Neugeborene (Alter ≤ 48 h) wurden randomisiert – also nach dem
Zufallsprinzip – in zwei Gruppen eingeteilt und über die Dauer von 4 Wochen 2-mal
pro Woche:
Kontrollierte Bedingungen: Die optimale Wassertemperatur wurde zwischen 37 und 38
Grad Celsius angesetzt und die Raumtemperatur betrug 22 bis 27 Grad Celsius. Als Badedauer
wurden 5 Minuten festgelegt.
Messungen: Die Schlüsselwerte der Funktion der Hautschutzbarriere (TEWL, SCH, pH-Wert)
wurden an Stirn, Bauch, Gesäß und Oberschenkel gemessen. Die Messungen wurden an Tag
2, Tag 7 und Tag 28 des Untersuchungszeitraums durchgeführt.
Ergebnisse
Gebadete zeigten im Vergleich zu gewaschenen Säuglingen
-
eine höhere Hautfeuchtigkeit an Stirn und Bauch
-
einen signifikant geringeren, transepidermalen Wasserverlust im Windelbereich
Schlussfolgerungen
2-mal wöchentliches Baden in den ersten Lebenswochen schadet der empfindlichen Haut
der Neugeborenen nicht. Es wirkt sich sogar etwas positiver auf die Hautfeuchtigkeit
aus als das Waschen mit einem Waschlappen.
Die Studienergebnisse lassen einen günstigen Langzeiteffekt des Badens auf die Hautschutzbarriere
vermuten.
-
Stratum corneum: Das Stratum corneum ist die aus Korneozyten bestehende äußerste Schicht der Epidermis
(Oberhaut). Das Keratin der Korneozyten sowie die diesen zwischengelagerten Lipide
sind essenzielle Bestandteile der Hautschutzbarriere.
-
TEWL: Der Transepidermale Wasserverlust (TEWL) bezeichnet den kontinuierlichen Verlust
von im Stratum corneum und in der Epidermis gespeicherten Wassers an die Umgebung.
Dieser ist auf den Konzentrationsunterschied zwischen Stratum corneum und Umgebungsluft
zurückzuführen. Er definiert sich über den Wasserverlust in Gramm pro Quadratmeter
Haut pro Stunde. Der Grad des TEWL ist dabei abhängig vom Zustand des Stratum corneums.
-
SCH: Die Stratum Corneum Hydration (SCH) bezeichnet den Wasseranteil im Stratum corneum.
Eine ausreichende Hydration erschwert das Eindringen von hydrophoben Stoffen in die
Haut und ist Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der physiologischen Struktur
und Barrierefunktion des Stratum Corneums.
-
pH-Wert: Der pH-Wert dient als Maß für den sauren oder basischen Charakter einer wässrigen
Lösung und definiert die Wasserstoffionen-Konzentration. Ein pH-Wert von 7 ist neutral.
Werte darunter gelten als sauer, Werte darüber als basisch. Allgemein besitzt die
gesunde Hautoberfläche einen leicht sauren pH-Wert, der die Haut vor Krankheitserregern
schützt. Als physiologischen pH-Wert bezeichnet man den Wert, der an der Oberfläche
des Unterarms eines gesunden, erwachsenen Mannes gemessen wird. Dieser liegt ca. bei
5,4 bis 5,9. Bei Neugeborenen liegt der pH-Wert zunächst mit circa 7,0 im neutralen
Bereich. Er sinkt während der ersten Lebenswoche zunächst schneller, in den folgenden
Wochen langsamer ab, um sich letztlich innerhalb des ersten Lebensmonats bei Werten
zwischen 5,2 und 5,5 zu stabilisieren.
Babybadezusätze oder klares Wasser?
Eine Studie der School of Nursing, Midwifery and Social Work an der Universität von
Manchester verfolgte die Fragestellung: Hat die Verwendung eines reinigenden, milden
Babybadezusatzes beeinträchtigende Wirkungen auf die Haut von Neugeborenen im Vergleich
zur Verwendung von klarem Wasser?
Methodik
Randomisierung: 307 Neugeborene (Alter ≤ 48 h) wurden randomisiert in zwei Gruppen
eingeteilt und 4 Wochen lang je 3-mal pro Woche gebadet, und zwar:
Messungen: Die Schlüsselwerte der Funktion der Hautschutzbarriere (TEWL, SCH, pH-Wert)
wurden an Oberarm, Oberschenkel und Bauch gemessen. Messungen wurden an Tag 2, 14
und 28 des Untersuchungszeitraums durchgeführt.
Ergebnisse
Es zeigte sich, dass die Zugabe eines sanften Babybadezusatzes gegenüber klarem Wasser
Schlussfolgerung
Speziell für die Reinigung der Säuglingshaut entwickelte Babybadezusätze schaden dieser
in keiner Weise.
Die Wirkung von Babypflegeprodukten auf die Hautbarriere
Eine Studie der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Charité
Universitätsmedizin Berlin ging folgender Fragestellung nach: Welchen Einfluss haben
verschiedene Reinigungs und Pflegeroutinen auf die Hautschutzbarriere von gesunden
Reifgeborenen?
Methodik
Randomisierung: 64 Neugeborene (Alter < 48 h) wurden randomisiert in 4 Gruppen eingeteilt
und acht Wochen lang je zweimal pro Woche gebadet. Folgende Pflegeroutinen wurden
angewandt:
-
Gruppe A klares Wasser (= Kontrollgruppe)
-
Gruppe B klares Wasser und anschließende Verwendung von Babypflegecreme
-
Gruppe C Babywaschgel
-
Gruppe D Babywaschgel und anschließende Verwendung von Babypflegecreme
Kontrollierte Bedingungen: Pflegeroutinen und Messungen wurden unter häuslichen Bedingungen
durchgeführt. Die Wassertemperatur wurde zwischen 37 und 38 Grad Celsius angesetzt
und die Raumtemperatur betrug 22 bis 27 Grad Celsius. Als Badedauer wurden 5 Minuten
festgelegt.
Messungen: Die Schlüsselwerte der Funktion der Hautschutzbarriere (TEWL, SCH, pH-Wert)
wurden an Stirn, Bauch, Gesäß und Oberschenkel gemessen. Messungen wurden an den Tagen
2, 14, 28 und 56 des Untersuchungszeitraums durchgeführt
Ergebnisse
Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigten die Gruppen B und D (Verwendung von Babypflegecreme
nach dem Baden)
-
einen signifikant geringeren transepidermalen Wasserverlust an Stirn, Bauch und Oberschenkel
-
einen höheren Feuchtigkeitsgehalt des Stratum corneum an Stirn und Bauch
Gruppe C zeigte
-
einen leicht erhöhten transepidermalen Wasserverlust, der allerdings nicht signifikant
war
-
eine schnellere Abnahme des pH-Wertes allein durch die Verwendung des Badezusatzes – dies
deutet möglicherweise auf eine schnellere Entwicklung des physiologischen Säureschutzmantels
hin
Schlussfolgerungen
Die 2-mal wöchentliche Verwendung von Babywaschgel und / oder Babypflegecreme verbessert
die physiologische Funktion der Hautschutzbarriere im Vergleich zur ausschließlichen
Verwendung von klarem Wasser.
Evidenzbasierte Pflegeempfehlungen für das Baden von Säuglingen
Baden sollte dem Waschen mit einem Waschlappen vorgezogen werden. Wissenschaftlicher Hintergrund: 2-mal wöchentliches Baden in den ersten Lebenswochen
schadet der empfindlichen Haut der Neugeborenen nicht. Es wirkt sich sogar etwas positiver
auf die Hautfeuchtigkeit aus als das Waschen des Körpers mit einem Waschlappen.
Regelmäßiges Baden von Neugeborenen und Säuglingen: Es wird empfohlen, gesunde Neugeborene und Säuglinge, nach Vorreinigung des Windelbereichs,
mindestens 2- bis 3-mal pro Woche zu baden. Wissenschaftlicher Hintergrund: Europäische
Pädiater und Dermatologen empfehlen in einem Konsensus-Papier 2- bis 3-mal wöchentliches
Baden statt Waschen mit einem Waschlappen.
Beginn der Baderoutine: Mit dem regelmäßigen Baden kann schon begonnen werden, sobald der Nabelschnurrest
abgefallen ist. Wissenschaftlicher Hintergrund: Mit dem regelmäßigen Baden sollte
nach Abfall des Nabelschnurrestes und Abheilen des Nabelgrundes begonnen werden, insbesondere
um Entzündungen zu vermeiden. Der Abfall des Nabelschnurrestes war der Startpunkt
für den Beginn des Routinebadens in zwei klinischen Studien mit Neugeborenen an der
Klinik für Dermatologie der Charité Universitätsmedizin Berlin.
Wasser- und Raumtemperatur, Badedauer: Der Raum sollte 21 bis 24 Grad warm sein und das Wasser eine Temperatur zwischen
37 und maximal 37,5 Grad Celsius haben. Die Badedauer sollte sich auf 5 bis 10 Minuten
beschränken. Das Baby sollte schnell, aber sanft abgetrocknet werden (abtupfen, nicht
reiben), damit es nach dem Baden nicht auskühlt. Wissenschaftlicher Hintergrund: Für
ihre Studie über das Baden von Neugeborenen und Säuglingen arbeiteten Forscher der
Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Charité Universitätsmedizin
Berlin mit folgenden Richtwerten: Die Wassertemperatur wurde zwischen 37 und 38 Grad
Celsius angesetzt und die Raumtemperatur betrug 22 bis 27 Grad Celsius. Als Badedauer
wurden 5 Minuten festgelegt. Ein europäisches Konsensus-Papier empfiehlt eine Badedauer
von 5 bis 10 Minuten. Unmittelbar nach dem Bad sollte das Kind mit einem Handtuch
bedeckt und trocken getupft, auf keinen Fall aber trocken gerieben werden.
Einsatz von Badezusätzen. Der Einsatz eines milden Babybadezusatzes beeinträchtigt die Entwicklung der Säuglingshaut
nicht und ist für das Baden gesunder Säuglinge ebenso empfehlenswert wie klares Wasser.
Wissenschaftlicher Hintergrund: Milde Badezusätze für die Säuglingspflege reinigen
die Haut auch von fettlöslichen Substanzen. Dies gelingt nicht mit Wasser allein.
Richtige Wahl des Badezusatzes. Ein milder flüssiger Badezusatz, der speziell für die Bedürfnisse von Säuglingshaut
entwickelt worden ist, kann für die schonende Reinigung beim Baden eingesetzt werden.
Wissenschaftlicher Hintergrund: Die Hautschutzbarriere von Säuglingen unterscheidet
sich im ersten Lebensjahr und auch darüber hinaus von jener der Erwachsenen. Sie ist
zum Beispiel etwa 30 Prozent dünner und wesentlich durchlässiger, sodass sie schneller
austrocknet. Diesem Umstand sollte mit speziell für die Bedürfnisse von Säuglingshaut
entwickelten Produkten Rechnung getragen werden. Ein Einsatz von flüssigen Badezusätzen
wird gegenüber Seifenstücken empfohlen. Letztere sind üblicherweise alkalisch und
können dadurch, vor allem in Verbindung mit hartem Wasser, die Säuglingshaut reizen
und austrocknen. Feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe können zusätzlichen Schutz für
die Säuglingshaut bieten.
Feuchtigkeitspflege für Säuglinge
Feuchtigkeitspflege für Säuglinge
Der intensive Wasserkontakt beim Baden ist für die Hautbarriere eine besondere Herausforderung.
Für Säuglinge gilt dies umso mehr. Daher haben verschiedene Studien diese Belastungssituation
in den Mittelpunkt gerückt.
Feuchtigkeitspflege nach dem Bad
Eine Studie der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Charité
Universitätsmedizin Berlin zum Einfluss verschiedener Reinigungs- und Pflegeroutinen
auf die Hautschutzbarriere ging u. a. der Fragestellung nach: Wie wirken Säuglingspflegeprodukte
auf die physiologische Barrierefunktion der Haut nach dem Baden?
Methodik
64 Neugeborene (Alter < 48 h) wurden randomisiert in 4 Gruppen eingeteilt und 8 Wochen
lang je 2-mal pro Woche gebadet:
-
Gruppe A klares Wasser (= Kontrollgruppe)
-
Gruppe B klares Wasser und anschließende Verwendung von Babypflegecreme
-
Gruppe C Babywaschgel
-
Gruppe D Babywaschgel und anschließende Verwendung von Babypflegecreme
Kontrollierte Bedingungen: Pflegeroutinen und Messungen wurden unter häuslichen Bedingungen
durchgeführt. Die Wassertemperatur wurde zwischen 37 und 38 Grad Celsius angesetzt
und die Raumtemperatur betrug 22 bis 27 Grad Celsius. Als Badedauer wurden 5 Minuten
festgelegt.
Messungen: Die Schlüsselwerte der Funktion der Hautschutzbarriere (TEWL, SCH, pH-Wert)
wurden an Stirn, Bauch, Gesäß und Oberschenkel gemessen. Messungen wurden an Tag 2,
Tag 14, Tag 28 und Tag 56 des Untersuchungszeitraums durchgeführt.
Ergebnisse
Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigten die Gruppen B und D (nach anschließender Verwendung
einer Babypflegecreme)
-
einen signifikant geringeren transepidermalen Wasserverlust an Stirn, Bauch und Oberschenkel
-
einen höheren Feuchtigkeitsgehalt des Stratum corneum an Stirn und Bauch
Schlussfolgerungen
Der Einsatz einer Babypflegecreme nach dem Bad erhöht den Feuchtigkeitsgehalt und
verringert den Wasserverlust der Säuglingshaut. Die Effektivität der physiologischen
Barrierefunktion wird gesteigert.
Feuchtigkeitspflege nach dem Babyschwimmen
Eine Studie der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Charité
Universitätsmedizin Berlin verfolgte die Fragestellung: Wie wirkt sich Babyschwimmen
auf die Barrierefunktion der Säuglingshaut aus? Können Pflegeprodukte hier stabilisierend
wirken?
Methodik
Randomisierung: 44 Säuglinge (Alter zwischen 3 und 6 Monaten), die in vier aufeinanderfolgenden
Wochen je 1-mal pro Woche an einem Babyschwimmkurs teilnahmen, wurden randomisiert
in 2 Gruppen aufgeteilt:
-
Gruppe A abtrocknen nach dem Schwimmen
-
Gruppe B abtrocknen nach dem Schwimmen, anschließendes Eincremen mit einer Babypflegelotion
Kontrollierte Bedingungen: Die Kinder waren jeweils 25 bis 40 Minuten im Wasser.
Messungen: TEWL, SCH, pH-Wert und Hautoberflächenlipide wurden an Stirn, Bauch, Po
und Oberschenkel gemessen. Messungen wurden vor Beginn der Studie, über die Dauer
der Studie jeweils vor dem Schwimmkurs sowie eine Woche nach dem letzten Kurstermin
durchgeführt.
Ergebnisse
Unter Verwendung einer Feuchtigkeitspflege nach dem Babyschwimmen blieben die relevanten
Hautparameter – insbesondere der pH-Wert – weitgehend stabil.
In einem Nebeneffekt zeigte sich, dass die eingecremten Säuglinge auch weniger an
Infekten litten. Zur Überprüfung eines möglichen Zusammenhangs dieser beiden Effekte
bedarf es jedoch weiterer Untersuchungen.
Schlussfolgerungen
Babyschwimmen schadet der Säuglingshaut nicht. Das anschließende Eincremen kann die
relevanten Hautparameter stabil halten – und unter Umständen sogar verbessern. Die
Studie hat die positiven Effekte des Eincremens auf die Hautbarriere von Säuglingen
nachgewiesen.
Evidenzbasierte Pflegeempfehlungen für die Feuchtigkeitspflege
Nutzen von Feuchtigkeitspflege: Speziell für die Pflege der Säuglingshaut entwickelte Feuchtigkeitscremes oder -lotionen
können helfen, die Funktion der Hautschutzbarriere zu erhalten oder sogar zu verbessern.
Wissenschaftlicher Hintergrund: Im Rahmen einer Studie zur Auswirkung unterschiedlicher
Pflegeregimes auf die Funktion der Hautbarriere zeigte die Haut von Neugeborenen und
Säuglingen nach dem Eincremen einen höheren Feuchtigkeitsgehalt (SCH) und einen geringeren
transepidermalen Wasserverlust (TEWL) als bei Kindern, die nicht eingecremt wurden.
Die Babypflegecreme spendete der Haut somit Feuchtigkeit und schützte die natürliche
Hautschutzbarriere.
Regelmäßige Feuchtigkeitspflege: Es wird empfohlen, Säuglinge mindestens 2-mal wöchentlich, idealerweise nach dem
Baden, einzucremen. Wissenschaftlicher Hintergrund: Die Verwendung einer speziellen
Babypflegecreme 2-mal pro Woche verbesserte in einer klinischen Studie an der Hautklinik
der Charité Universitätsmedizin Berlin die physiologische Funktion der Hautschutzbarriere
bei Neugeborenen und Säuglingen.
Anwendung der Feuchtigkeitspflege: Pflegeprodukte sollten dünn aufgetragen werden. Wissenschaftlicher Hintergrund: Das
Ansammeln zu reichhaltig aufgetragener Pflegeprodukte in Hautfalten sollte vermieden
werden. Dies könnte zu einem okklusiven Effekt mit möglichem Einfluss auf die Funktion
der Hautbarriere führen.
Pflege des Windelbereichs
Pflege des Windelbereichs
Auch wenn, statistisch gesehen, nahezu jeder Säugling in seinem 1. Lebensjahr mindestens
1mal unter einer Windeldermatitis leidet, ist diese dennoch keineswegs harmlos. Sie
verursacht Schmerzen und kann eine Reihe von Komplikationen nach sich ziehen. Bei
der Pflege des Windelbereichs ist daher große Sorgfalt angezeigt.
Entstehung der Windeldermatitis
Zu den physiologischen Besonderheiten der Säuglingshaut gehört, neben der deutlich
geringeren Dicke und einer lockereren Struktur als bei Erwachsenenhaut, der deutlich
schnellere Wasseraustausch. So kann die Haut empfindlicher gegenüber Keimen und Reizstoffen
sein, da der Säureschutzmantel noch nicht so ausgeprägt ist wie bei der Haut eines
Erwachsenen.
Untersuchungen zu Struktur und Zusammensetzung der Hautschutzbarriere in verschiedenen
Körperzonen haben eine weitere Differenzierung dieser Unterschiede besonders im Windelbereich
gezeigt: Der Feuchtigkeitsgehalt des Stratum corneum (SCH) und der pH-Wert gesunder
Säuglingshaut sind hier höher. Dies kann in einem Bereich, der besonderen physikalischen
und chemischen Belastungen ausgesetzt ist, zu einer Beeinträchtigung der Barrierefunktion
führen. Eine Windeldermatitis ist häufig die Folge.
Ratschläge und Vorgehensweisen zur Vorbeugung beziehungsweise Therapie von Windeldermatitiden
sind zahlreich. Wissenschaftliche Untersuchungen dazu gibt es hingegen wenige.
Hautpflege im Windelbereich bei Säuglingen zwischen 7 und 11 Monaten
Eine Studie der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Charité
Universitätsmedizin Berlin verfolgte diese Fragestellung: Wie wirken unterschiedliche
Pflegeregimes auf die physiologische Barrierefunktion der Haut im Windelbereich?
Methodik
Randomisierung: 83 Säuglinge (Alter 7 bis 11 Monate) wurden randomisiert in 3 Gruppen
aufgeteilt. In jedem der 3 Studienarme wurde über die Dauer von 8 Wochen ein anderes
Pflegeregime auf den Windelbereich angewendet:
-
Gruppe A Reinigung mit Waschlappen und Wasser (= Kontrollgruppe)
-
Gruppe B Reinigung mit Waschlappen und Wasser, dann Auftragen einer Wundschutzcreme
-
Gruppe C Reinigung mit Feuchttüchern, dann Auftragen einer Wundschutzcreme
Der Windelwechsel wurde in allen Gruppen mindestens 4-mal innerhalb von 24 Stunden
durchgeführt.
Kontrollierte Bedingungen: Alle Gruppen wurden gemäß den evidenzbasierten Pflegeempfehlungen
für Neugeborene 2-mal pro Woche mit einem milden Babybadezusatz gebadet und anschließend
eingecremt. Der Windelbereich wurde dabei ausgespart.
Messungen: Die Schlüsselwerte der Funktion der Hautschutzbarriere (TEWL, SCH, pH-Wert)
wurden an Bauch, Oberschenkel und Gesäß gemessen. Messungen wurden an Tag 2, 14 und
28 des Untersuchungszeitraums durchgeführt.
Ergebnisse
-
Keines der untersuchten Pflegeregimes für die Haut und den Windelbereich hat die Hautschutzbarriere
negativ beeinflusst.
-
In keiner der 3 Gruppen trat vermehrt Windeldermatitis auf. Häufigkeit und Verlauf
waren vergleichbar und altersentsprechend.
-
In den Gruppen B und C – hier kam Wundschutzcreme zum Einsatz – lagen die reduzierten
SCH-Werte signifikant über denen außerhalb der Windelregion. Das bedeutet: Der Feuchtigkeitsgehalt
der gesunden Haut im Windelbereich konnte gesenkt werden.
Schlussfolgerungen
Die Charité-Studie hat die unterstützende Wirkung der Hautpflegeregimes für Neugeborene
erstmals auch für Säuglinge von 7 bis 11 Monaten nachgewiesen. Darüber hinaus ist
die Haut im Windelbereich besonderen Belastungen ausgesetzt. Sie sollte sorgfältig
gepflegt werden, um einer Windeldermatitis bestmöglich vorbeugen zu können.
Hautpflege bei Windeldermatitis mit Muttermilch oder Wundschutzcreme
Eine Studie der Department of Pediatric Nursing, Faculty of Nursing der Universität
Istanbul verglich die Behandlung von Windeldermatitis bei Neugeborenen hinsichtlich
der Fragestellung: Muttermilch oder Wundschutzcreme?
Methodik
Randomisierung: 63 Neugeborene, die während des Aufenthalts in der Klinik eine Windeldermatitis
entwickelten, wurden in 2 Gruppen eingeteilt. In beiden Studienarmen wurde über die
Dauer von 5 Tagen eine andere Behandlung des Windelbereichs durchgeführt:
Der Windelwechsel wurde in beiden Gruppen alle 3 Stunden durchgeführt. Die Substanzen
wurden jeweils während des Windelwechsels aufgetragen.
Die Gruppen zeigten keine statistisch relevanten Unterschiede, weder im Hinblick auf
Geschlecht, Gestationsalter, Ernährung oder Reinigungsmethode noch auf andere Faktoren.
Messung: Vor der Behandlung wurden Rötung beziehungsweise Schädigung der Haut anhand
einer Skala von 0 bis 3 beurteilt:
Jeweils 5 Tage lang notierten die Untersucher täglich die Veränderungen des Hautzustands.
Die abschließende Beurteilung folgte der zu Beginn verwendeten 4-stufigen Skala. Die
Stufe 0 bezeichnete eine „vollständige Heilung“.
Ergebnisse
-
Zwischen den Probanden aus beiden Gruppen, deren Hautzustand zu Studienbeginn mit
der Stufe 1 bewertet wurde, zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede
in der Verbesserung des Hautzustands.
-
Bei jenen Kindern, deren Grad der Rötung zu Beginn auf 2 oder 3 gesetzt war, führte
Wundschutzcreme signifikant zu besseren Fortschritten als Muttermilch.
-
Bei reifgeborenen Kindern unter Antibiotikabehandlung sowie bei ausschließlich gestillten
Neugeborenen führte die Verwendung von Wundschutzcreme ebenfalls zu signifikant besseren
Ergebnissen.
Schlussfolgerungen
Die verwendete Wundschutzcreme mit Zinkoxid und Lebertran wirkte effektiver gegen
Windeldermatitis als Muttermilch. Dies gilt besonders für Neugeborene, deren Windelbereich
mittelstark bis stark betroffen ist. Bei nur leicht geröteter Haut sind beide Behandlungsmethoden
ähnlich erfolgreich.
Evidenzbasierte Empfehlungen für die Pflege des Windelbereichs
Häufiger Windelwechsel: Windeln sollten so oft wie nötig gewechselt werden, um sicherzustellen, dass die
Haut sauber und trocken gehalten wird. Wissenschaftlicher Hintergrund: Das Tragen
feuchter Materialien (Stoff oder Einwegwindeln) auf der Haut führt zu erhöhter Hautfeuchtigkeit.
Diese hat ihrerseits negativen Einfluss auf die Empfindlichkeit der Haut gegenüber
Reibung und entsprechender Erosion, ihre Durchlässigkeit und ihre bakterielle Besiedelung.
Dies konnte in einem Modellversuch an der Unterarmhaut von Erwachsenen gezeigt werden.
Sanfte Reinigung: Der Windelbereich sollte sanft gereinigt werden – entweder mit einem Waschlappen
beziehungsweise Baumwollwatte und Wasser alleine oder mit einem feuchten Babypflegetuch.
Wissenschaftlicher Hintergrund: In einer Studie der School of Nursing, Midwifery and
Social Work an der Universität von Manchester wurde die Reinigung des Windelbereichs
mit parfümfreien Babypflegetüchern mit der Reinigung mit Wasser und Baumwollwatte
verglichen. Beide Methoden zeigten keine Unterschiede im Einfluss auf die Schlüsselwerte
der Funktion der Hautschutzbarriere.
Gründlich und vorsichtig trocken tupfen: Der Windelbereich sollte gründlich, aber vorsichtig trocken getupft werden. Anschließend
sollte das Kind bei Raumtemperatur an der Luft strampeln dürfen. Wissenschaftlicher
Hintergrund: Da Reibung zu Irritationen beziehungsweise Schädigung der Hautschutzbarriere
führen kann, sollte die Haut entweder durch sanftes Tupfen mit einem weichen Tuch
beziehungsweise Watte oder durch Lufteinwirkung getrocknet werden (kein Föhnen!).
Teil 3 der Artikelserie in Ausgabe 5 / 2018 nimmt Produkte für die Pflege der Säuglingshaut
unter die Lupe, verrät, wie Öle in der Säuglingspflege sich auf die Hautschutzbarriere
auswirken, erklärt, welche Inhaltsstoffe in Pflegeprodukten enthalten sind, und kommt
so zu Empfehlungen zur Beschaffenheit von Reinigungs- und Pflegeprodukten für die
Säuglingshaut.
Über diesen Artikel
Die dreiteilige Artikel-Serie zur Pflege der Haut von Neugeborenen und Säuglingen
basiert auf dem Handbuch für die Hebammenpraxis „Evidenzbasierte Pflege der Säuglingshaut“
von Claudia Dachs, Ulla Busmann und Prof. Dr. Hans F. Merk, Stuttgart 2016, Thieme