Die Atemphysiologie besser zu verstehen, sowohl bei gesunden Menschen als auch bei
Patienten mit pulmologischen Erkrankungen, ist das zentrale Ziel der Sektion Pathophysiologie
und Aerosolmedizin.
Neben klassischen Themen wie Lungenfunktionsanalyse treiben wir die Diagnostik von
Entzündungs- und Umbauprozessen im Atemtrakt voran. Auf dem Gebiet der Aerosolmedizin,
die Spezialwissen erfordert, fungieren wir als kompetenter Ansprechpartner in allen
Fragen der Inhalationstechnologie und unterstützen Schulungsmaßnahmen.
Die Sektion 10 beschäftigt sich inhaltlich und wissenschaftlich mit dem Thema Feinstaub
und der Bedeutung von Luftschadstoffen. Das Thema hat in den letzten Jahren einen
breiten Raum eingenommen und war ein Themenschwerpunkt der Sektion auf dem diesjährigen
DGP-Kongress in München.
Das Erarbeiten pathophysiologischer Konzepte für die Indikationsstellung einer Sauerstofftherapie
und das Verständnis sämtlicher pathophysiologischer Mechanismen der Lunge selbst sowie
der Systeme, mit denen sie zusammenarbeitet und in Interaktion steht – wie z. B. auch
die Atempumpe, haben wir uns ebenfalls zur Aufgabe gemacht. Die Sektion 10 ist aktuell
an der Aktualisierung der Leitlinie zur Langzeit-Sauerstofftherapie beteiligt.
Im klinischen Alltag gehen die Bedeutung der Pathophysiologie und der Funktionsdiagnostik
zunehmend verloren. Der klinische Alltag orientiert sich bevorzugt nur an der Symptomatik.
Gerade bei den jungen Ärzten ist erkennbar, dass das Wissen über atemphysiologische
und pathophysiologische Prozesse und die Funktionsdiagnostik in den Hintergrund rückt
und zunehmend verloren geht. Jedoch ist zu betonen, dass ein Verständnis der Krankheitsbilder,
eine Zuordnung oder Klassifizierung einer Erkrankung ohne pathophysiologische Kenntnisse
nicht möglich ist.
Themenschwerpunkte auf dem diesjährigen DGP-Kongress waren Feinstaub- und Luftschadstoffe,
Aerosolmedizin/Inhalationstherapie, Lungenfunktionsdiagnostik, Atemmuskelfunktionsdiagnostik
sowie Anpassungsstrategien von Mensch und Tier an unterschiedliche Umgebungsbedingungen.
Auch am Beispiel der Lungenfunktion wird deutlich, dass häufig ein pathophysiologisches
Grundverständnis der Untersuchung nicht vorhanden ist. Eine vernünftige Therapie kann
ohne dieses Verständnis jedoch nicht etabliert werden.
Die Herbsttagung der Sektion 10 fand 2018 im Rahmen des 20. Deutschen Aerosol Seminars
(DATS) am 09./10. 11. 2018 in München statt. Im Rahmen des Hauptprogramms gab es zwei
eigene Impulsvorträge der Sektion zu obstruktiven Atemwegserkrankungen mit den Schwerpunkten
Asthma-Kontrolle und Steroidtherapie sowie dem Stellenwert und der Durchführung der
bronchialen Hyperreaktivitätstestung.
Weitere Themenschwerpunkte waren entsprechend des Aerosolseminares Inhalationstherapien
(Technik, Entwicklung von Arzneimitteln, Deposition, Geräte) sowie auch die Bedeutung
von Aerosolen und Feinstaub in der Umweltmedizin. Berufs- und Fachgruppenübergreifend
entwickelten sich lebhafte Diskussionen sowohl über die pathophysiologischen Grundlagen
als auch mögliche wissenschaftliche Entwicklungen. Auch für 2019 ist geplant, die
Herbsttagung der Sektion mit dem Deutschen Aerosolseminar zu verknüpfen und einen
größeren Teil des Programms aktiv zu gestalten.
Die Sektion 10 beschäftigt sich inhaltlich und wissenschaftlich mit der Aerosol- und
Feinstaub-Thematik. Die gegenwärtige Feinstaubdiskussion zeigt, dass die Aerosolmedizin
nicht nur in der Therapie und Diagnostik pulmologischer Erkrankungen, sondern auch
auf dem Gebiet der Umweltmedizin und in der Politik einen großen Stellenwert besitzt.
Daher sind verstärkt Lehrmaßnahmen, Forschungsaktivitäten, Fortbildungen und langfristig
die Weiterentwicklung diagnostischer Methoden geplant, um dem vielfältigen Klärungs-
und Handlungsbedarf auf den Gebieten der Aerosolmedizin und der Atemphysiologie, aber
auch ganz aktuell der Umweltmedizin inclusive Feinstaubthematik, gerecht zu werden.
Für Herbst 2019 wird von dem Vorstand der DGP ein wissenschaftliches Symposium zum
Thema Luftschadstoffe organisiert, auch hier wird die Sektion 10 das Programm mitgestalten.
Dr. Verena Knipel, Köln
Dr. Ulrike Olgemöller, Göttingen
Dr. Stephan Walterspacher, Konstanz