Stevens RM.
et al.
Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial of Intraarticular Trans-Capsaicin
for Pain Associated With Osteoarthritis of the Knee.
Arthritis Rheumatol 2019;
71: 1524-1533 doi:10.1002/art.40894
Die Schärfe von Chilischoten beruht auf der Wirkung von Capsaicin, erläutern die Forscher:
Die Substanz fungiert als Agonist an einem auf nozizeptiven Nervenendigungen exprimierten
Kationenkanal und vermittelt auf diese Weise Schmerzreize. Nach der kurzen Aktivierung
der Nozizeptoren setzt jedoch eine Desensibilisierung ein, die über mehrere Wochen
– bis zur Regeneration der Rezeptoren – anhält. Die Wissenschaftler testeten nun eigens
zur intraartikulären Injektion entwickeltes hochreines Trans-Capsaicin (CNTX-4975)
an einem Kollektiv von 175 Gonarthrosepatienten im Alter zwischen 45 und 80 Jahren,
die über chronische, mäßig bis stark ausgeprägte Gelenkschmerzen klagten. Voraussetzung
waren stabile Beschwerden über mindestens 2 Monate sowie ein unzureichendes Ansprechen
bzw. eine Unverträglichkeit oder Kontraindikationen gegenüber den Standardmedikamenten
(nichtsteroidale Antiphlogistika, Opioide, intraartikuläre Glukokortikoide, intraartikuläre
Hyaluronsäure). Eine topische Capsaicin-Vorbehandlung, vorangegangene Injektionsbehandlungen
sowie chirurgische Eingriffe stellten Ausschlusskriterien dar. Im Rahmen der Dosisfindungsstudie
erhielten 34 Patienten einmalig eine CNTX-4975-Injektion in einer Dosis von 0,5mg,
71 Patienten erhielten das Capsaicin-Präparat in einer Dosis von 1,0mg und 70 eine
Placeboinjektion. Im Verlauf der folgenden 24 Wochen stellten sich die Studienteilnehmer
regelmäßig zu Nachuntersuchungen vor. Studienendpunkte waren die Area under the Curve
(AUC) hinsichtlich der prä- zu posttherapeutischen Veränderung des „Western Ontario
and McMaster Universities Osteoarthritis Index (WOMAC) pain with walking“ – Score
nach 12 Wochen. Ferner beurteilten die Forscher die therapeutische Effektivität nach
24 Wochen und erfassten alle auftretenden Nebenwirkungen.
Ergebnisse
Die Effektivitätsanalyse umfasste 172 Patienten: 33 mit 0,5mg CNTX-4975-, 70 mit 1,0mg
CNTX-4975- und 69 mit Placeboinjektion. Bezüglich der Schmerzreduktion nach 12 Wochen
erwiesen sich beide CNTX-4975-Dosen gegenüber Placebo als überlegen. Die höher dosierte
Capsaicin-Formulierung führte dabei zu einer deutlicheren Symptombesserung. Nach 24
Wochen stellten die Wissenschaftler nur noch bei den mit 1,0mg CNTX-4975 behandelten
Patienten eine signifikante Schmerzlinderung im Vergleich zu Placebo fest. Neben der
analgetischen Wirkung beschrieben die Patienten unter anderem eine Abnahme der Kniesteifigkeit
sowie funktionelle Verbesserungen. Bezüglich therapiebedingter Nebenwirkungen unterschieden
sich die 1,0mg CNTX-4975- und die Placebogruppe nicht wesentlich.
Capsaicin lindert nach intraartikulärer Injektion dosisabhängig arthrosebedingte Knieschmerzen
beim Gehen, schlussfolgern die Autoren. Bei höherer Dosierung hält die Symptomlinderung
dabei bis zu 24 Wochen an, bei niedriger nur etwa halb so lang. Angesichts der hohen
therapeutischen Effektivität und guten Verträglichkeit von CNTX-4975 sprechen sich
die Studieninitiatoren für eine klinische Weiterentwicklung des Präparats aus.
Dr. med. Judith Lorenz, Künzell