Schlüsselwörter
Kollagenosen - Nierenbeteiligung - Pathogenese - Therapie
Key words
connective tissue diseases - renal involvement - pathogenesis - therapy
Nierenbeteiligung beim Antiphospholipidsyndrom
Nierenbeteiligung beim Antiphospholipidsyndrom
Pathophysiologische Aspekte und histologische Veränderungen
Das Antiphospholipidsyndrom (APS) ist definiert als die Kombination von venösen oder
arteriellen Thrombosen oder Aborten mit dem Nachweis von Phospholipidantikörpern (Lupus-Antikoagulanz
bzw. Anticardiolipin-AK oder ß2-Glykoprotein-1-AK in mittleren oder hohen Titern bzw.
in Titern oberhalb der 99igsten Perzentile, wiederholt nachgewiesen im Abstand von
mindestens 12 Wochen). Pathogenetisch liegen der Thromboembolieneigung komplexe Prozesse
zugrunde, welche sowohl eine Aktivierung der plasmatischen Gerinnung und eine Hemmung
der Fibrinolyse als auch die Aktivierung von Thrombozyten, Endothelzellen, Monozyten
und neutrophilen Granulozyten sowie des Komplementsystems umfassen [1]. Antiphospholipid-Antikörper (aPL-AK) induzieren in Thrombozyten die Expression
von Thromboxan A2 und Fibrinogen Rezeptor Glycoprotein IIb/IIIa, was zur Thrombozytenaggregation
führt. Tissue factor, als wesentliche prokoagulatorische Substanz wird durch aPL-AK
sowohl in Endothelzellen als auch in Monozyten induziert[1]. In neutrophilen Granulozyten wird durch aPL-AK NETose induziert. NETs, deren pathogenetische
Bedeutung bereits beim SLE diskutiert wurde, aktivieren Thrombozyten und die plasmatische
Gerinnungskaskade und sind somit ebenfalls an den prokoagulatorischen Vorgängen beteiligt.
Auch die Aktivierung proinflammatorischer Signalwege in Endothelzellen und Monozyten
durch aPL-AK, welche u. a. in einer NFкB-Aktivierung resultieren, tragen zur Entstehung
der Thrombose bei APS bei. Die Komplementaktivierung im Rahmen des APS induziert Gerinnungsprozesse
bei gleichzeitiger Hemmung der Fibrinolyse, vermittelt über eine Induktion von Tissue
factor und Plasminogen Aktivator Inhibitor [1].
Eine renale Manifestation ist sowohl beim primären als auch beim sekundären, in der
Regel in Kombination mit einem SLE auftretenden APS möglich. Das APS kann sich an
der Niere in verschiedenen Manifestationen präsentieren: Renale Hypertonie, Thrombosen
oder Stenosen der Nierenarterien, Niereninfarkte, Nierenvenenthrombose, intrarenale
Vaskulopathie (auch APS-Nephropathie genannt). Auch eine glomeruläre Manifestation
ist möglich [1]
[2]. Eine Übersicht über Histologie und klinische Manifestationen des APS an der Niere
sowie therapeutische Möglichkeiten gibt [Tab. 1].
Tab. 1 Renale Läsionen bei Antiphospholipidsyndrom
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Histologie/Klinik
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Therapie
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APS-Nephropathie mit differenter
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Antikoagulation
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Histologie
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Akute Läsionen
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Thrombotische Mikroangiopathie
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antihypertensive
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Chronische Läsionen
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Therapie
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medikamentöse
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Nephroprotektion
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Nierenarterienstenose
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Revaskularisation
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Nierenvenenthrombose
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Klinisch: oft renale (renovaskuläre)
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Einzelfälle von Glomerulonephritis (GN)
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Immunsuppression
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Die APS-Nephropathie im engeren Sinne ist charakterisiert durch histologisch heterogene
Gefäßveränderungen und manifestiert sich klinisch in Form von Hypertonie, Niereninsuffizienz
und mehr oder weniger ausgeprägter Proteinurie. Vorhandensein und Schwere histologischer
Veränderungen im Rahmen einer APS-Nephropathie sind unabhängige Risikofaktoren für
arterielle Hypertonie, Entwicklung einer Niereninsuffizienz sowie interstitielle Fibrose.
Histologisch werden akute (thrombotische Mikroangiopathie) und chronische (Arteriosklerose
mit fibröser Intimaverdickung und Lumenreduktion der Arcual- und Interlobärarterien,
fibröse Intimahyperplasie, tubuläre Thyroidisation, arterielle Verschlüsse und fokale
corticale Atrophie) unterschieden [1]
[2]. Die thrombotische Mikroangiopathie ist charakterisiert durch Fibrinthromben in
den Glomeruli sowie im gesamten renalen Gefäßsystem. Typischerweise findet sich bei
der APS-Nephropathie histologisch eine Kombination einer thrombotischen Mikroangiopathie
mit o.g. chronischen Veränderungen. Die Histologie einer frischen thrombotischen Mikroangiopathie
bei APS zeigt [Abb. 1]. Wichtig ist der Hinweis, dass die o.g. histologischen Veränderungen nicht pathognomonisch
bzw. spezifisch für ein APS sind, sondern dass sich sehr ähnliche Veränderungen bei
maligner Hypertonie, renaler Krise bei systemischer Sklerose, thrombotisch-thrombozytopenischer
Purpura, hämolytisch-urämischem Syndrom, Präeklampsie sowie renaler Schädigung durch
Cyclosporin oder Chemotherapie und bei HIV-Infektion finden [1]
[3]
[4].
Abb. 1 Frische thrombotische Mikroangiopathie in einer präglomerulären renalen Arterie bei
Antiphospholipidsyndrom. PAS, x 400
Epidemiologische, klinische und therapeutische Aspekte
Bedingt durch einen Mangel an histopathologischen Untersuchungen, welchem teilweise
auch die aus der kritischen Analyse des Risiko-Nutzen-Verhältnisses abgeleitete Kontraindikation
gegen eine Nierenbiopsie bei Notwendigkeit fortgesetzter Antikoagulation zugrunde
liegt, ist die Prävalenz renaler Veränderungen bei APS relativ schwierig einzuschätzen.
Teilweise ist dies auch durch eine Überlappung mit SLE-bedingten Nierenveränderungen
begründet. In retrospektiven Analysen wird eine Häufigkeit von 9–10% angegeben [5], bei gezielter Suche in 10–40% [3]
[6]
[7].
Die renale oder renovaskuläre Hypertonie ist eine der häufigsten klinischen Manifestationen
bei APS. Bei Patienten mit bioptisch gesicherten renalen Veränderungen im Rahmen eines
APS bestand in 93% eine arterielle Hypertonie, welche in 31% als schwer und in 12%
als maligne eingeschätzt wurde [8]. Andererseits wird eine erhöhte Prävalenz von PL-AK bei Patienten mit arterieller
Hypertonie beschrieben [1].
Eine Nierenarterienstenose wurde in 26% von 77 Patienten mit Nachweis von Phospholipid-AK
und unkontrollierbarer arterieller Hypertonie nachgewiesen [2]. Die Nierenarterienstenose kann sich auf der Basis einer initialen arteriellen Thrombose
entwickeln. Am häufigsten werden nichtkritische, distal des Ostiums der A. renalis
gelegene Stenosen beim APS gefunden, ostiale Stenosen sind seltener.
Die orale Antikoagulation ist besonders wichtig, um Restenosen nach Angioplastie,
Intrastent-Restenosen als auch eine Progredienz bestehender Stenosen zu verhindern.
In einer retrospektiven Analyse bei APS-Patienten mit Nierenarterienstenose konnte
gezeigt werden, dass eine intensivierte orale Antikoagulation mit einem INR von > 3,0
mit einer besseren Kontrolle der arteriellen Hypertonie und einer geringeren Progression
der Niereninsuffizienz assoziiert war.
Andererseits sollten insbesondere jüngere Patienten mit Nierenarterienstenose sowie
Patienten mit Niereninsuffizienz unklarer Genese auf das Vorhandensein von aPL-AK
untersucht werden, da im Fall des Nachweises von aPL-AK eine orale Antikoagulation
die Prognose verbessern kann.
Eine Nierenvenenthrombose kann sich bis zur Vena cava inferior ausdehnen und äussert
sich klinisch in der Regel in einem nephrotischen Syndrom. Das plötzliche Auftreten
eines nephrotischen Syndroms oder die akute Zunahme einer vorbestehenen Proteinurie
sollten die differenzialdiagnostische Erwägung einer Nierenvenenthrombose nach sich
ziehen.
Interessanterweise werden bei APS auch glomeruläre Veränderungen beschrieben. In 29
Nierenbiopsien bei Patienten mit primärem APS fanden sich bei 20 für eine APS-Nephropathie
typische Veränderungen, bei 9 jedoch glomeruläre Läsionen, im einzelnen eine membranöse
Glomerulonephritis in 3 Fällen, eine mesangiale C3-Nephropathie, eine minimal change
disease und eine fokal-segmentale Sklerose in jeweils 2 Fällen, letztere in einem
Fall in Kombination mit Zeichen einer pauci-immunen Vaskulitis. Bei 7 Patienten fand
eine chronische Niereninsuffizienz, bei 2 Patienten ein akutes Nierenversagen, eine
relevante Proteinurie war immer vorhanden, bei 5 Patienten bestand ein nephrotisches
Syndrom [9].
In einer retrospektiven Analyse von 160 APS-Patienten wurde eine renale Beteiligung
in 8,7% festgestellt. Unter 10 Nierenbiopsien fand sich in 4 Fällen eine membranöse
Glomerulonephritis, in 2 Fällen eine diffus-proliferative Glomerulonephritis und in
4 Fällen eine APS-Nephropathie. Keiner der untersuchten Patienten entwickelte einen
SLE. Auch in verschiedenen Fallserien und Kasuistiken ist die membranöse Glomerulonephritis
die häufigste glomeruläre Manifestation bei APS (TC). In einer Analyse von Nephropathien
unter Ausschluss von SLE-Patienten fanden sich bei membranöser Nephropathie aPL-Ak
in 20% [10].
Im Rahmen eines sekundären APS kann eine APS-Nephropathie v. a. bei SLE-Patienten
auftreten. APL-AK finden sich bei SLE-Patienten in 15–60%. Jedoch nur etwa 30% dieser
Patienten mit positiven aPL-AK entwickeln klinische Manifestationen im Sinne eines
APS. Die Häufigkeit einer APS-Nephropathie bei SLE wird mit einem Prozentsatz zwischen
11 und 50% sehr unterschiedlich angegeben, was teilweise auch auf die von den Pathologen
verwendeten differenten histologischen Kriterien für eine APS-Nephropathie zurückzuführen
ist [1]
[2]. Histologisch werden im Vergleich zu SLE-Patienten ohne aPL-AK bei aPL-AK-positiven
Patienten ausgeprägtere thrombotische Veränderungen der glomerulären Kapillaren beobachtet.
Das Vorhandensein von aPL-AK hat einen relevanten Einfluss auf das renale Outcome
bei Patienten mit Lupus-Nephritis. In einer prospektiven Analyse von 111 Patienten
mit Lupus-Nephrits über 14 Jahre waren jene 26% mit positivem aPL-AK durch eine schlechtere
renale Funktion und einen höheren Chronizitätsindex in der Nierenbiopsie gekennzeichnet
[11]. Entsprechend wurde bei aPL-AK positiven SLE-Patienten in der Nierenbiopsie eine
höhere Prävalenz sklerosierender Läsionen und glomerulärer Nekrosen gefunden [12]. Auch der Nachweis einer renalen thrombotischen Mikroangiopathie als Ausdruck einer
akuten Schädigung bei Patienten mit Lupus-Nephritis ist mit einem schlechteren renalen
Outcome assoziiert [13]. Im Hinblick auf die Differenzialtherapie mit Antikoagulantien oder Immunsuppressiva
ist die Abgrenzung einer APS-Nephropathie von einer Lupusnephritis mittels Nierenbiopsie
entscheidend.
Die Entwicklung einer terminalen Niereninsuffizienz im Zusammenhang mit einem primären
APS ist sehr selten. Eine Progression zur terminalen Niereninsuffizienz wurde in 0,6–2,5%
beobachtet [1]. Unabhängig von der Genese der Niereninsuffizienz treten aPL-AK bei Patienten mit
terminaler Niereninsuffizienz gehäuft auf. Im Falle einer Nierentransplantation ist
der Nachweis von aPL-AK auch bei durchgeführter Antikoagulation assoziiert mit Gefäßthrombosen,
Transplantatversagen und systemischen Thromboembolien.
Nierenbeteiligung bei primärem Sjögren-Syndrom
Nierenbeteiligung bei primärem Sjögren-Syndrom
Pathophysiologie
Das primäre Sjögren-Syndrom (pSS) ist eine Autoimmunerkrankung, welche durch eine
bevorzugte Manifestation im Bereich der Speichel- und Tränendrüsen gekennzeichnet
ist. Die Prävalenz der Erkrankung wird in Abhängigkeit von der untersuchten Population
mit 0,01–0,6% angegeben, die Inzidenz mit 1,1–5,3 pro 100 000/Jahr [14]. Pathophysiologisch wird initial eine Entzündung der Epithelzellen exokriner Drüsen
im Sinne einer Autoimmunepithelitis beobachtet [15]. Im Rahmen der Apoptose der Epithelzellen werden für das pSS typische Autoantigene
wie die Zellkernproteine SSA (Ro) und SSB (La) freigesetzt. Im weiteren kommt es zur
Infiltration der Drüsen mit B- und T-Zellen sowie dendritischen Zellen und Freisetzung
verschiedener Zytokine wie von Typ-I-Interferonen, BAFF und IL-12, welche zur Ausreifung
von Plasmazellen und zur Autoantikörperproduktion beitragen [15]
[16]. Ein Teil der Patienten entwickelt extraglanduläre Manifestationen, welche neben
der Lunge (interstitielle Lungenerkrankung), den Gefässen (Vaskulitis), dem peripheren
Nervensystem (Polyneuropathie) und den Gelenken auch die Nieren betreffen können [17].
Epidemiologische Aspekte
Die Angaben über die Häufigkeit einer renalen Manifestation bei pSS variieren stark.
Während bei prospektiver Beobachtung von 471 pSS-Patienten über einen Zeitraum von
im Mittel 10 Jahren in Griechenland lediglich bei 4,2% eine renale Manifestation diagnostiziert
wurde [18], fand sich in einer italienischen Studie bei 60 Patienten in 27% eine renale Manifestation
[19]. In einer aktuellen Studie aus China konnten unter 1002 Patienten mit pSS 162 mit
renaler Beteiligung (16,17%) identifiziert werden [20]. Die häufigsten Befunde bei den betroffenen Patienten waren Unterschenkelödeme,
interstitielle Nephritis und renale tubuläre Azidose (RTA). In einer französischen
prospektiv untersuchten Multicenter-Kohorte, welche 393 Patienten umfasste, wurden
Besonderheiten bei Krankheitsmanifestation im Alter von ≤ 35 Jahren herausgearbeitet
[21]. Eine renale Beteiligung fand sich bei dieser jungen Patientengruppe mit 16,4% signifikant
häufiger als bei älteren Patienten (4,4%). Ferner waren Patienten mit Erkrankungsmanifestation
mit ≤ 35 Jahren klinisch gekennzeichnet durch das signifikant häufigere Vorkommen
von Speicheldrüsenschwellungen, Lymphadenopathie und Purpura, wiesen signifikant häufiger
positive Befunde für ANA, Anti-SSA(Ro)-, Anti-SSB(La)-Antikörper und Rheumafaktoren
auf und zeigten häufiger einen Komplementverbrauch [21]. Mit dem Ziel einer Identifizierung von Faktoren, welche bei pSS mit einer renalen
Beteiligung assoziiert sind, wurden je 217 Patienten mit pSS mit und ohne Nierenbeteiligung
gegenüber gestellt [22]. In der multifaktoriellen Analyse fand sich eine Assoziation folgender Faktoren
mit einer renalen Manifestation: Xerophthalmie, positiver histologischer Befund in
der Speicheldrüsenbiopsie (lymphozytärer Focus ≥ 1), C3-Reduktion (C3-Spiegel < 0,9 g/l),
Hypalbuminämie (Serumalbumin < 35 g/l), Anämie (Hb < 110 g/l) und Nachweis von Anti-Ro52-Antikörpern
[22].
Klinische und therapeutische Aspekte
Die für das pSS typische und häufigste Manifestation im Bereich der Nieren ist die
tubulointerstitielle Nephritis, welche sich in der Regel über eine distale renale
tubuläre Azidose (RTA) Typ I manifestiert [23]
[24]. Diese RTA ist durch hemmende Autoantikörper gegen Wasserstofftransporter im distalen
Tubulus bedingt [25]. Die RTA, welche in 22–33% bei Patienten mit pSS auftritt, ist meist asymptomatisch
[14]
[26]. Klinische Manifestationen finden sich nur in 3–9%. Sie umfassen u. a. Osteomalazie
oder eine hypokalämische Paralyse [24]
[27]. Wesentlich seltener als eine distale RTA werden eine proximale renale tubuläre
Azidose (Typ 2) mit oder ohne Fanconi-Syndrom oder ein nephrogener Diabetes insipidus
beobachtet [24]. Seltener als die tubulointerstitielle Nephritis findet sich bei pSS eine Glomerulonephritis.
Das typische Bild einer interstitiellen Nephritis bei pSS zeigt [Abb. 2].
Abb. 2 A und B: Nicht-granulomatöse interstitielle Nephritis bei Sjögren-Syndrom. Lymphoplasmazelluläre
interstitielle Entzündung, fokale Tubulitis, akute Tubuluepithelschäden (A, PAS x
200, B, IgG-Immunhistologie x 200).
Kaufman et al. dokumentierten 180 Fälle einer renalen Beteiligung bei pSS, wobei in
89 Fällen eine Nierenbiopsie erfolgte [24]. Histologisch fand sich bei 49 Patienten eine interstitielle Nephritis, bei 33 Patienten
eine Glomerulonephritis. Die Kombination von interstitieller Nephritis und Glomerulonephritis
bestand bei 7 Patienten. In einer weiteren systematischen Analyse bei 78 Patienten
mit pSS war in 44% eine milde Proteinurie von 0,15–0,42 g/24 h nachweisbar. Eine distale
RTA fand sich bei 33% [26]. Patienten mit RTA waren gegenüber jenen ohne RTA gekennzeichnet durch einer längere
Erkrankungsdauer, eine schlechtere Nierenfunktion, höhere Serum-ß2-Mikroglobulin-Spiegel
sowie durch das häufigere Auftreten einer leichten Proteinurie und einer Hypertonie.
Goules et al. fanden unter 20 pSS-Patienten mit renaler Affektion bioptisch 10 mit
interstitieller Nephritis, 8 mit Glomerulonephritis und in 2 Fällen ein Mischbild
aus interstitieller Nephritis und Glomerulonephritis [18].
Interstitielle Nephritis und die Glomerulonephritis spiegeln dabei offenbar unterschiedliche
pathogenetische Mechanismen wider. Die vorwiegend aus CD4+ T-Zellen bestehenden Infiltrate
um die Tubulusepithelien bei interstitieller Nephritis weisen große Ähnlichkeit mit
den Zellinfiltraten um die Ausführungsgänge der Speicheldrüsen auf. Die Glomerulonephritis
geht dagegen in der Regel mit Immunkomplexdeposition einher. Histologisch wurden bei
Patienten mit pSS folgende glomeruläre Pathologien beschrieben: Mesangioproliferative
Glomerulonephritis, IgA-Nephropathie, Fokal-segmentale Glomerulosklerose, Kryoglobulinämische
membrano-proliferative Glomerulonephritis, minimal change disease und membranöse Nephropathie
[23]. Auch über einen einzelnen Fall von renaler AA-Amyloidose mit Niereninsuffizienz
und nephrotischem Syndrom wurde berichtet [23].
Klinisch ist die Glomerulonephritis bei pSS häufig assoziiert mit einer oft generalisierten
Vaskulitis der kleinen Gefäße, welche sich u. a. als palpable Purpura und periphere
Neuropathie manifestiert. Eine Deposition von Immunkomplexen aus kryopräzipitierenden
monoklonalen IgMκ-Rheumafaktoren mit polyklonalem IgG und IgA ist in der Pathogenese
der Glomerulonephritis beim pSS von Bedeutung [18]. Kryoglobulinämie und Verminderung von C4 sind Prädiktoren sowohl für die Entwicklung
einer Glomerulonephritis als auch eines Lymphoms [24]. Entsprechend besteht eine Assoziation der Glomerulonephritis beim pSS mit der Entwicklung
eines B-Zell-Lymphoms. PSS-Patienten mit interstitieller Nephritis und Glomerulonephritis
wiesen keine Unterschiede in der Häufigkeit von Rheumafaktoren, ANA, Ro- und La-AK
auf. Allerdings wurde eine gemischte monoklonale Kryoglobulinämie häufiger bei Patienten
mit Glomerulonephritis beobachtet [18].
Bezüglich der immunsuppressiven Therapie der renalen Manifestation des pSS liegen
nur sehr wenig publizierte Daten vor. Von 32 Patienten (14 mit interstitieller Nephritis,
16 mit Glomerulonephritis und 2 mit einer Kombination beider Manifestationen) wurden
17 mit einer Kombination aus Cyclophosphamid und Glukokortikoiden (bevorzugt bei Patienten
mit Glomerulonephritis), 15 mit einer Glukokortikoid-Monotherapie (bevorzugt bei Patienten
mit interstitieller Nephritis) behandelt [24]. Über das Therapieergebnis wird lediglich bei 19 Patienten berichtet. 84% der Patienten
sprachen auf die Therapie an [24].
Die renale tubuläre Azidose, welche meist frühzeitig im Krankheitsverlauf auftritt
und vorwiegend jüngere Patienten betrifft, wird durch Immunsuppression in der Regel
nicht bzw. nur unzureichend beeinflusst [24]
[28]. Patienten mit Hypokaliämie benötigen daher eine lebenslange Elektrolytsubstitution.
Wichtige renale Manifestationen des pSS und therapeutische Konsequenzen sind in [Tab. 2] dargestellt.
Tab. 2 Renale Läsionen bei primärem Sjögren-Syndrom
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Histologie/Klinik
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Therapie
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interstitielle Nephritis (ca. 30%)
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ggf. Glukokortikoide
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meist mit distal-tubulärer Acidose
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Symptomatisch: Elektrolyt-
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Typ 1 (potenziell Hypokaliämie
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substitution (distal-tubuläre
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Osteomalazie), hinsichtlich
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Azidose spricht in der Regel
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renaler Funktion gute Prognose
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nicht auf Immunsuppression an)
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Immunkomplexglomerulonephritis (selten)
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Immunsuppression
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Assoziation mit
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Nierenbeteiligung bei Systemischer Sklerose (Sklerodermie)
Bei systemischer Sklerose (SSc) müssen eine in der Regel prognostisch günstig verlaufende
und relativ häufige chronische Nierenerkrankung von der seltener auftretenden aber
mit rasch progredienter Niereninsuffizienz und erhöhter Mortalität einhergehenden
renalen Krise und der bei SSc selten auftretenden Glomerulonephritis unterschieden
werden [29]
[30].
Renale Krise bei systemischer Sklerose
Renale Krise bei systemischer Sklerose
Histologie, klinisches Bild, Definition und Risikofaktoren
Die renale Krise ist eine typische wenn auch im Vergleich zu anderen Organmanifestationen
wie interstitielle Lungenerkrankung und pulmonal-arterielle Hypertonie seltene Organmanifestation
bei SSc. Die Häufigkeit wird mit 11% bei diffuser cutaner SSc und mit 4% bei limitierter
cutaner SSc angegeben [31]
[32].
Histologisch sind bei renaler Krise Intima- und Mediaproliferation mit Lumeneinengung,
insbesondere der Arcualarterien charakteristisch. Außerdem werden fibrinoide Nekrosen
und Thrombosen beobachtet. Der Aktivierung des Renin-Angiotensin-Systems kommt bei
der renalen Krise bei SSc eine entscheidende Bedeutung zu [33]. Im Gegensatz zur Lupusnephritis zeigt der Index der chronischen Destruktion (damage)
keine Beziehung zur Prognose der renalen Funktion, was auf die Bedeutung vaskulärer
Prozesse hinweist [34].
Das klinische Bild der renalen Krise ist im typischen Fall charakterisiert durch akzelerierte
arterielle Hypertonie und progrediente Niereninsuffizienz. Jedoch werden auch Fälle
mit Normotonie und dann in der Regel schlechter Prognose beschrieben [35]. Eine hypertensive Retinopathie und Encephalopathie können im Rahmen der renalen
Krise auch bei relativ gering erhöhten Blutdruckwerten auftreten, was auf eine generalisierte
endotheliale Dysfunktion hinweist. Die Urinuntersuchung zeigt in der Regel eine nicht
im nephrotischen Bereich gelegene Proteinurie, eine Hämaturie sowie häufig Granulozyten-Zylinder.
Mikroangiopathische hämolytische Anämie sowie Thrombopenie können ebenfalls auftreten.
Eine einheitliche Definition der renalen Krise existiert nicht. Klinische Definitionen
für die renale Krise bei SSc wurden sowohl vom International Scleroderma Renal Crisis
Survey (ISRCS) als auch im Rahmen eines Expertenkonsensus vorgeschlagen [31]. Hier werden die hypertensive und die normotensive renale Krise unterschieden. In
beiden Definitionen der renalen Krise spiegeln sich die Domänen akzelerierte arterielle
Hypertonie und akutes Nierenversagen in sehr ähnlicher Form wieder. In die vorgeschlagene
Definition der hypertensiven als auch der normotensiven renalen Krise gehen neben
Zeichen der Hämolyse und einer Thrombopenie < 100 000 Gpt/l im wesentlichen Befunde
ein, welche die akute renale Schädigung reflektieren. Zu letzteren zählen ein Kreatininanstieg
von > 50% oder auf 120% der oberen Normgrenze des lokalen Labors, Proteinurie (≥ 2
im dipstick) und Hämaturie (≥ 2 im dipstick oder > 10 Erythrocyten/HPF). In der Definition
der hypertensiven renalen Krise werden zusätzlich ein systolischer oder bzw. diastolischer
Blutdruck von > 140 bzw. > 90 mmHg oder ein Anstieg des systolischen oder des diastolischen
Blutdrucks von mehr als 30 bzw. mehr 20 mmHg gefordert. Als weiteres Kriterium ist
in der Definition der ISRCS die Encephalopathie sowohl bei der hypertensiven als auch
bei der normotensiven renalen Krise aufgeführt, in der Experten-Konsensus-Definition
für die normotensive renale Krise der typische Befund der Nierenbiopsie in Form einer
Mikroangiopathie [31]. Typische Befundkonstellationen, welche basierend auf den vorgeschlagenen Definitionen
für eine hypertensive oder normotensive renale Krise sprechen, sind in [Abb. 3] dargestellt. Eine frische thrombotische Mikroangiopathie bei einer renalen Krise
bei SSc zeigt [Abb. 4].
Abb. 3 Charakteristische Befundkonstellationen der renalen Krise bei SSc
Abb. 4 Frische thrombotische Mikroangiopathie in einer präglomerulären Arterie bei systemischer
Sklerose (renale Krise). PAS, x 400.
Risikofaktoren für die Entwicklung einer renalen Krise sind diffuser Hautbefall im
Rahmen der SSc, höheres Alter, männliches Geschlecht, Einnahme von Glukokortikoiden,
Perikarderguss sowie der Nachweis von Antikörpern gegen RNA-Polymerase III und eines
gesprenkelten ANA-Musters in der Immunfluoreszenz [31]
[35]
[36]
[37]. Auch eine Assoziation der renalen Krise mit anti-Fibrillarin- und anti-U3-RNP-Antikörpern
wurde festgestellt [33]
[34]
[38]. Patienten mit Anticentromer-AK haben dagegen ein vermindertes Risiko, eine renale
Krise zu entwickeln [33]
[34]. Ferner wurde eine Assoziation der renalen Krise mit einem Endothelin B Receptor
Polymorphismus beschrieben, was einen Zusammenhang des Endothelin-Signaling mit der
Pathogenese der renalen Krise vermuten lässt [39]. Wesentliche Risikofaktoren der renalen Krise sind in [Abb. 5] dargestellt.
Abb. 5 Risikofaktoren und Management der renalen Krise bei SSC.
Die Einnahme verschiedener Medikamente zeigt eine gewisse Assoziation mit dem Auftreten
oder dem Outcome einer renalen Krise. Obwohl ACE-Hemmer (ACE-I) die Grundlage der
Therapie der renalen Krise bilden, sind ACE-I nicht hilfreich in der Prophylaxe der
renalen Krise. Im Gegenteil war nach Ergebnissen der European Scleroderma Trials and
Research (EUSTAR)-Datenbank der Einsatz von ACE-I bei SSc-Patienten mit einem höheren
Risiko für eine renale Krise assoziiert (HR 2,07) [31]. Ferner konnte eine etwa doppelt erhöhte Mortalität im Rahmen der renalen Krise
bei mit ACE-I vorbehandelten SSc-Patienten beobachtet werden [31]. Dieses Phänomen ist schwierig zu interpretieren. Einerseits könnte die Anwendung
von ACE-I den Beginn des Blutdruckanstiegs und somit die Erkennung der renalen Krise
verzögern oder verschleiern. Andererseits könnte eine Hypertonie, welche den Einsatz
von ACE-I nach sich zieht, bereits Ausdruck einer beginnenden renalen Krise sein.
Auch eine Glukokortikoidtherapie, insbesondere mit höheren Dosen von > 15 mg Prednisolonäquivalent
pro Tag, gilt als Risikofaktor für die Entwicklung einer renalen Krise [40]
[41]. Obwohl letztlich nicht sicher zwischen dem Effekt der Glukokortikoide und der Dynamik
der Grunderkrankung hinsichtlich der Entwicklung einer renalen Krise zu unterscheiden
ist, wird von Glukokortikoiddosen von ≥ 7,5 mg Prednisolonäquivalent bei SSc abgeraten
bzw. bei hohem Glukokortikoidbedarf und entsprechender klinischer Indikation der Einsatz
alternativer Immunsuppressiva empfohlen [34]
[42].
Eine Therapie mit Cyclosporin wird ebenfalls als Risikofaktor für die Entwicklung
einer renalen Krise bei SSc-Patienten beschrieben [23]
[31].
Therapie und Prognose der renalen Krise bei systemischer Sklerose
Eine regelmäßige und engmaschige Selbstblutdruckmessung und Schulung des SSc-Patienten
ist eine wichtige Maßnahme, um eine renale Krise rechtzeitig zu erkennen.
Das Ziel in der Behandlung der hypertensiven renalen Krise besteht darin, den Blutdruck
um 10% pro Tag unter Vermeidung längerer Perioden einer Hypotension in den Normbereich
zu senken, auch um Komplikationen wie hypertensive Encephalopathie und kardiale Dekompensation
zu vermeiden [31]. ACE-I sind hier das Mittel der ersten Wahl. Neben der Hemmung des bei der renalen
Krise aktivierten Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems bedingen ACE-I eine Hemmung
der Bradykinin-Degradation, was eine Vasodilatation nach sich zieht. Obwohl es keine
kontrollierten Studien gibt, sind Effekte von ACE-I auf das Outcome der renalen Krise
gut belegt. Das 1-Jahresüberleben bei bzw. nach renaler Krise wird mit 15% ohne Einsatz
von ACE-I, jedoch mit 76% bei Einsatz von ACE-I angegeben [43]. Die Mortalität betrug vor der Verfügbarkeit von ACE-I bis zu 90% im ersten Monat
und konnte auf 30% in 3 Jahren durch den Einsatz von ACE-I gesenkt werden [34].
Angiotensin-1-Rezeptor-Blocker können die renale Krise nicht kontrollieren, und auch
von einer Kombination mit ACE-I bei renaler Krise wird abgeraten.
Dagegen hat sich in einer kleinen Fallserie die additive Gabe des Endothelin-Rezeptor-Antagonisten
Bosentan zur ACE-I-Therapie bei renaler Krise als sicher und nützlich erwiesen [44]. Es konnte gezeigt werden, dass Endothelin-1 als potentes vasokonstriktorisches
Peptid in den Glomeruli, dem Interstitium sowie in vaskulären Läsionen bei renaler
Krise überexprimiert ist [45]. Weitere Studien sind hier sinnvoll.
Die intravenöse Gabe von Prostacyclin (0,2–2 ng/kg pro Minute) kann die renale Perfusion
verbessern und wird ebenfalls empfohlen. Bei unzureichender Blutdrucksenkung unter
ausdosiertem ACE-Hemmer kommen zusätzlich Alpha-Blocker, Kalziumantagonisten und Minoxidil
zum Einsatz [23].
Bei ausgeprägter mikroangiopathischer hämolytischer Anämie oder Intoleranz hoher ACE-I-Dosen
kann versuchsweise eine Plasmapherese eingesetzt werden [46]. In einer Beobachtung bei 20 Patienten mir renaler Krise entwickelten innerhalb
eines Jahres 55% eine terminale Niereninsuffizienz, die 1- und 5- Jahresüberlebensraten
lagen bei 70 bzw. 50%. In der Subgruppe mit Plasmapherese lagen die 1- und 5- Jahresüberlebensraten
bei 90 bzw. 70%, die Rate an terminaler Niereninsuffizienz bei 20% [46].
Mit unterschiedlichen Ergebnissen wurde auch der C5-Inhibitor Ecolizumab bei renaler
Krise eingesetzt [31].
Wichtige Aspekte des Managements der renalen Krise zeigt [Abb. 5].
Nach Beginn des Einsatzes von ACE-I hat sich die 5-Jahres-Überlebensrate bei renaler
Krise von 10 auf 65% verbessert [31]
[40]
[47]. Trotzdem ist das Auftreten einer renalen Krise nach Daten aus der EUSTAR-Datenbank
ein unabhängiger Prädiktor für die 3-Jahresmortalität bei SSc [48]. Höheres Alter, männliches Geschlecht, ungenügend kontrollierter Blutdruck, Herzinsuffizienz,
erhöhte Kreatininwerte zu Beginn sowie Therapie mit Glukokortikoiden, Vortherapie
mit ACE-I und Notwendigkeit der Dialyse sind ungünstige Prognosefaktoren [31].
Steen et al. verglichen im Rahmen einer prospektiven Kohorten-Studie 145 Patienten
mit renaler Krise unter ACE-I-Therapie mit 662 SSc-Patienten ohne renale Krise [47]. 61% der Patienten mit renaler Krise hatten dabei ein positives Outcome. 55 Patienten
benötigten keine Dialyse, 34 nur eine temporäre Dialyse. Das Überleben in der Gruppe
mit gutem renalem Outcome war vergleichbar mit dem von SSc-Patienten ohne renale Krise.
Andererseits mussten auch 39% permanent dialysiert werden oder verstarben, was die
ernste Prognose der Erkrankung signalisiert. Zwei neuere retrospektive Studien bei
91 bzw. 110 SSc-Patienten [31]
[34] zeigten bessere Überlebensraten (71–88% nach 1 Jahr, 59–60% nach 5 Jahren und 42–47%
nach 10 Jahren).
Ein Progress zur terminalen Niereninsuffizienz mit Notwendigkeit einer Dialyse wird
in 40–50% der Patienten mit renaler Krise beobachtet. Häufig ist nur eine passagere
Dialyse notwendig. Von einer internationalen Kohorte von 75 Patienten war eine Dialyse
über 1 Jahr nur in 75% notwendig. In 2 weiteren Observationsstudien mit mehr als 100
Patienten kam es bei 40–50% zu einer Erholung der Nierenfunktion nach im Mittel 8
bzw. 11 Monaten [34]
[47]. Eine Nierentransplantation ist möglich, sollte aber aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit
einer Verbesserung/Erholung der Nierenfunktion nicht zu früh, in der Regel nicht vor
2 Jahren Dialysepflichtigkeit erwogen werden. Bei terminaler Niereninsuffizienz verbessert
eine Nierentransplantation gegenüber fortgesetzter Dialyse das Überleben. In einer
retrospektiven Analyse von 34 nierentransplantierten Patienten betrug das Überleben
100%, 90,3 bzw. 82,5% nach 1, 3 bzw. 5 Jahren [49].
Das Rezidiv einer renalen Krise ist selten.
Chronische Nierenerkrankung bei systemischer Sklerose
Direkte und indirekte Hinweise (Proteinurie, Niereninsuffizienz, arterielle Hypertonie)
auf eine renale Affektion finden sich in über 50% der SSc-Patienten [30]. Diese in der Regel asymptomatische, langsam progressive renale Manifestation ist
häufig weniger klinisch relevant. Im Rahmen einer systematischen Untersuchung von
554 Patienten mit diffuser SSc ohne renale Krise wurde bei 36% eine Nierenfunktionseinschränkung
und/oder eine Proteinurie festgestellt. Im Zeitraum von 10 Jahren wurde keiner dieser
Patienten terminal niereninsuffizient [50]. Diese Patienten mit offenbar multifaktorieller renaler Affektion sind in der Histologie
der Nierenbiopsie häufig gekennzeichnet durch sklerosierte Glomeruli, tubuläre Atrophie
und interstitielle Fibrose und haben hinsichtlich der renalen Funktion eine gute Prognose.
Glomerulonephritis bei systemischer Sklerose
Entzündliche Nierenerkrankungen wie Glomerulonephritis und Vasculitis sind bei Patienten
mit SSc selten und nicht typisch. Einzelfälle einer Glomerulonephritis als auch einer
renalen Vaskulitis mit Nachweis von PR3- oder MPO-ANCA wurden bei SSc beschrieben
[29]. Bei Nachweis einer Glomerulonephritis bei Patienten mit SSc ist ein Overlap-Syndrom
mit anderen Kollagenosen, insbesondere dem systemischen Lupus erythematodes zu bedenken.
Im Gegensatz zur renalen Krise, welche mit diffuser cutaner SSc assoziiert ist, findet
sich eine ANCA-assoziierte Glomerulonephritis eher bei Patienten mit limitierter cutaner
SSc. Wichtig ist es, bei Veschlechterung der renalen Funktion und mit einer Glomerulonephritis
zu vereinbarenden Urinbefunden, eine erweiterte Autoantikörperdiagnostik sowie eine
Nierenbiopsie durchzuführen. SSc-Patienten mit Glomerulonephritis müssen umgehend
einer immunsuppressiven Therapie zugeführt werden.