Timsit JF.
et al.
Impact of bronchial colonization with Candida spp. on the risk of bacterial ventilator-associated
pneumonia in the ICU: the FUNGIBACT prospective cohort study.
Intensive Care Med 2019;
45: 834-843
DOI:
10.1007/s00134-019-05622-0
Die bronchiale Besiedlung mit Candida-Spezies führt auch bei immunkompromittierten,
beatmeten Patienten nicht zu einer erhöhten Rate von bakteriell bedingten beatmungsassoziierten
Pneumonien. Das ist das Ergebnis der prospektiven FUNGIBACT-Studie von Timsit JF et
al. vom Bichat-Claude Bernard Hospital, Paris, Frankreich.
Die Forscher rekrutierten diejenigen Patienten ihrer Intensivstation, die eine Beatmung
über mehr als 4 Tage benötigten und neben dem respiratorischen System mindestens eine
weitere Organdysfunktion aufwiesen. Offensichtlich immungeschwächte Patienten, z. B.
mit Neutropenie, Patienten nach Organ- oder Knochenmarktransplantation, mit hochdosierter
Kortisontherapie, oder Patienten, die schon vor Studienbeginn Antimykotika erhielten,
schlossen die Mediziner aus. Am Tag 0, definiert als Tag des Studieneinschlusses,
und danach alle 7 Tage bis zur Entlassung des Patienten von der Intensivstation entnahmen
die Forscher Trachealsekret zum Nachweis einer Candida-Besiedlung bzw. eines Bakterienbefalls.
Außerdem bestimmten die Mediziner die HLA‑DR-Expression auf den Monozyten und das
Verhältnis von Neutrophilen zu Lymphozyten als Surrogatparameter für den Immunstatus
der Patienten. Als primäres Studienziel galt die Detektion des Auftretens einer späten
VAP, definiert als Vorhandensein der entsprechenden Klinik, Bildgebung und eine entsprechend
positive bronchoalveoläre Lavage (BAL) mit Nachweis von mindestens 104 koloniebildenden
Einheiten (KBE)/ml bzw. eines Trachealsekrets mit 105 KBE/ml. Weiterhin differenzierten
die Forscher, wie oft Pseudomonas aeruginosa und Staphylococcus aureus im Rahmen der
VAP nachweisbar waren.
213 Patienten kamen zur Auswertung, die meisten männlich, mit internistischen Grunderkrankungen
und einem bei Aufnahme auf die Intensivstation schon hohen Simplified acute Physiology
(SAPSII) Score von im Median 55 sowie einem Sequential Organ Failure Assessment (SOFA)
Score von im Median 10. Die Patienten zeigten eine Immunsuppression: Der HLA-DR-Spiegel
lag bei < 8000 Antikörper pro Zelle (AB/c) (im Median 5916 AB/c), das Verhältnis Neutrophiler
zu Lymphozyten war hoch (Median 10,9). Von den 213 Patienten entwickelten 62 (29,1 %)
mindestens eine VAP-Episode; sie trat im Median nach 5,5 Tagen auf. Eine bronchiale
Candida-Besiedlung wiesen die Forscher bei 27 der 62 Patienten mit VAP nach, in den
meisten Fällen (71 %) handelte es sich um Candida albicans. Bei 12 Patienten (5,6 %)
kam es zu einer 2. Phase einer VAP, im Median 15,5 Tage nach Studieneinschluss. Bezüglich
des Keimspektrums wiesen die Mediziner bei 13 Patienten mit einer VAP Staphylococcus
aureus nach, 8 dieser Patienten wiesen eine Candida-Besiedlung an Tag 0 auf. In 17
Fällen war Pseudomonas aeruginosa ursächlich für die VAP, 5 dieser Patienten waren
an Tag 0 mit Candida besiedelt. Sowohl nach univariater als auch nach multivariater
Analyse der Ergebnisse unter Berücksichtigung des Immunstatus des Patienten bestand
bei Patienten, deren Luftwege an Tag 0 mit Candida besiedelt waren, kein erhöhtes
kumulatives Risiko für die Entwicklung einer VAP.
Eine bronchiale Kolonisation mit Candida-Spezies ist kein Risikofaktor für die Entwicklung
einer bakteriellen beatmungsassoziierten Pneumonie. Auch unter Berücksichtigung des
Immunstatus der Patienten verändert sich das Ergebnis nicht.
Dr. med. Ulrike Brünjes, Aurich