IV Leitlinie
1 Definition
Konsensbasierte Empfehlung 1.E1
Expertenkonsens
Konsensusstärke ++
Die Bezeichnungen „Candidose“, „Kandidose“ und „Candida-Vulvovaginitis“ sollen gegenüber der Bezeichnung „Candidiasis“ bevorzugt werden.
Die VVC ist eine Infektion der primär östrogenisierten Vagina und des Vestibulums,
die sich auf die Außenseite der kleinen Labien, der großen Labien, sowie auf die Interkrural-
und Perianalregion ausdehnen kann. Eine Kandidose der Zervix oder des Endometriums
ist nicht bekannt. Eine konnatale, fetale Kandidose und eine Candida-Amnionitis sind sehr selten, aber möglich. Die Bezeichnung „Kandidose“ oder „Candida-albicans-Vulvovaginitis“ werden bevorzugt [1]. Die Endung „-iasis“ sollte parasitären Infektionen vorbehalten bleiben (z. B. Trichomoniasis)
[2], wird aber wegen der weiten Verbreitung im angloamerikanischen Schrifttum häufig
benutzt.
2 Mikrobiologie
Konsensbasiertes Statement 2.S1
Expertenkonsens
Konsensusstärke +++
Bei prämenopausalen, schwangeren, asymptomatischen, gesunden Frauen sowie bei Frauen
mit akuter VVC (ohne Anamnese für chronisch rezidivierende VVC) handelt es sich beim
Nachweis von Hefepilzen meistens um Candida albicans.
Candida albicans bildet in vitro Blastosporen, Keimschläuche, Pseudomyzelien, echte Myzelien und auf
Spezialnährböden auch Chlamydosporen. Candida glabrata bildet ausschließlich Blastosporen. Die Pseudohyphenbildung (außer von C. glabrata und einigen anderen Candida-Arten, die in Form von Blastosporen vorkommen) ist Hinweis für eine Infektion [3], [4]. Bei prämenopausalen, schwangeren, asymptomatischen und gesunden Frauen, sowie bei
Frauen mit akuter VVC, ist in 85 – 95% C. albicans die ursächliche Spezies. Diese Spezies (spp.) ist C. africana sehr ähnlich, die aber nur mit speziellen diagnostischen Verfahren identifiziert
werden kann [5], [6]. Exakte epidemiologische Daten fehlen hierzu. Es existieren zwar regionale Unterschiede
in der Verteilung der Candida-Spezies, wiewohl Arbeiten aus dem
deutschsprachigen [7], [8] und englischsprachigen Raum [9] vergleichbare Zahlen berichten. In einer retrospektiven PCR-gestützten Analyse von
93 775 zervikovaginalen Abstrichen aus 4 Jahren, die zur Abklärung von VVC entnommen
worden waren, waren C. albicans mit 89%, C. glabrata mit 7,9% und andere Candida-Arten mit jeweils unter 2% Häufigkeit vertreten [10]. Non-albicans-Arten, besonders C. glabrata, werden häufiger bei postmenopausalen, diabetischen und immunsupprimierten Frauen
vorgefunden [8], [11], [12], [13], [14], [15], [16]. C. krusei, C. guilliermondii, C.
tropicalis, C. parapsilosis und andere Spezies können in Einzelfällen eine Vulvovaginitis mit typischen Symptomen
verursachen [4], [8], [17], [18], [19]. Saccharomyces cerevisiae ist grundsätzlich apathogen und verursacht daher keine Beschwerden [20], [21], auch wenn dieser im Sinne eines Kommensalismus in 1 – 2% der vaginalen Kulturen
identifiziert werden kann [8], [15].
3 Virulenzfaktoren
Konsensbasiertes Statement 3.S2
Expertenkonsens
Konsensusstärke +++
Der Schritt von der Kolonisation zur Vaginitis ist bisher nicht ganz verstanden und
belegt die Bedeutung von Wirtsfaktoren.
Die Pathogenese der VVC hängt nicht nur von der Virulenz des Erregers, sondern auch
von der individuellen Prädisposition und Infektabwehr ab. Eigentlich sind Hefepilze
typische Opportunisten, die bei einer Schwäche der lokalen bzw. systemischen Infektabwehr
eine Infektion hervorrufen. Noch nicht ganz klar ist, warum aus einer einfachen Kolonisation
mit Candida bei einer gesunden Person eine akute, hochentzündliche Affektion entsteht.
Die Unwissenheit über den Schritt von der Kolonisation zur Vaginitis belegt die Bedeutung
von Wirtsfaktoren [22]. Nach Kolonisation kommt es zunächst zur Adhärenz am Vaginalepithel, und darauffolgend
mittels Virulenzfaktoren zur Invasion, Infektion und Inflammation. Bei der Bildung
von Pseudohyphen werden Pilzbestandteile gebildet, die eine heftige Chemotaxis von
Granulozyten stimulieren, die daraufhin die Entzündung verursachen [23].
Die Adhärenz der Candida-Zelle [24] an der Vaginalwand wird durch Mannoproteine ermöglicht [25], [26]. Die Fähigkeit zur (Pseudo-)Hyphenbildung und die Sekretion von hydrolytischen Proteinen
sind relevante Virulenzfaktoren [27], [28], [29], die mit der Pathogenität korrelieren [30], [31]. Weiters spielen Siderophoren, die pH-Toleranz [32], sowie die Anwesenheit von Enzymen, die Candida albicans das Überleben in Makrophagen ermöglichen [33], zu wichtigen Mechanismen in der Entstehung der Infektion.
Bei der akuten Infektion scheint es zu einer Aktivierung von Inflammasom-Rezeptoren
der vaginalen Epithelzellen durch die Bildung von Virulenz- und Immun-Entzündungsfaktoren
zu kommen. Pilzbestandteile, wie Glucan, Mannan und Chitin, binden an spezifische
Rezeptoren von Makrophagen und stimulieren diverse Zytokine [34]. Eine der Voraussetzungen für die Invasion von Candida ist der Übergang von der Hefeform in die Hyphenform, was durch die Anwesenheit von
Östrogenen begünstigt wird, da Pilze zytoplasmaständige Östrogenrezeptoren enthalten
[35].
4 Genitale Kolonisation
Konsensbasiertes Statement 4.S3
Expertenkonsens
Konsensusstärke +++
Die einfache Kolonisation mit Candida-Spezies ist häufig, oft vorübergehend und außerhalb der Schwangerschaft meist nicht
therapiebedürftig.
Entsprechend der Östrogenisierung der Vagina sind Mädchen vor der Menarche und Frauen
nach der Menopause (ohne Hormonersatztherapie) weniger häufig vaginal kolonisiert
und praktisch niemals von einer VVC betroffen [36]. Insgesamt gibt es keinen eindeutigen Hinweis für einen Anstieg der Häufigkeit von
Candidosen in der Gynäkologie, weder bei akuten, noch bei chronisch rezidivierenden
Ereignissen. Schwangere Frauen sind in etwa 30% der Fälle im 3. Trimenon betroffen,
sofern die Diagnostik kulturelle Nachweismethoden umfasst [8], [16].
Mittels PCR-Methoden steigt der Nachweis einer vaginalen Kolonisation erheblich an
[37]. Die vaginale Kolonisation kann jedoch individuell von Zeit zu Zeit wechseln. Zu
beachten ist etwa, dass ein positiver Befund auf C. glabrata meist nur eine Kolonisation darstellt. Als Risikofaktor für die bei etwa 70% aller
junger gesunder Frauen auftretenden Kolonisation mit Candida spp. wurden kürzlich zurückliegender sexueller Verkehr, die Injektion vom Ovulationshemmer
Medroxyprogesteronacetat (MPA) und die Kolonisation mit Laktobazillen und Streptokokken
der Gruppe B (GBS) identifiziert [38].
Das Sperma des Partners kann mit dem identischen Candida-Stamm wie der in der Vagina kolonisiert sein [39], obwohl der Partner symptomfrei ist. Die Candida-Balanitis ist behandlungsbedürftig, jedoch kann eine vorübergehende Rötung der Eichel
nach Verkehr mit einer Candida-kolonisierten Frau auch reaktiv sein. Es ist nicht klar, ob die Kolonisation des
Genitaltraktes des Partners oder die des Orointestinaltraktes beider Partner als Quelle
für chronisch rezidivierende Candida-Vaginitiden eine Rolle spielt [4], [40].
5 Prädisponierende Wirtsfaktoren
Konsensbasierte Empfehlung 5.E2
Expertenkonsens
Konsensusstärke +++
Etwa 70 – 75% aller Frauen leiden mindestens einmal in ihrem Leben an einer VVC, wobei
bestimmte Risikogruppen existieren, bei denen (sofern möglich), neben ordnungsgemäßer
Diagnostik und Therapie der VVC, zusätzlich die Ausschaltung des prädisponierenden
Wirtsfaktors angestrebt werden sollte.
5.1 Diabetes mellitus
Patientinnen mit Diabetes mellitus leiden häufiger unter einer VVC, wobei die Therapie
meistens dann versagt, wenn sich die Serumglukosespiegel nicht im Normalbereich befinden
[11], [41]. Eine erhöhte Glykämie im Vaginalgewebe erhöht die Pilzadhäsion, das Pilzwachstum
und prädisponiert Vaginalepithelzellen für die Bindung von Hefen. Zusätzlich kann
eine Glykämie von 10 – 11 mmol/l den Abwehrmechanismus des Wirts beeinträchtigen.
Eine Hyperglykämie senkt die Migration der Neutrophilen und schwächt ihre chemotaktischen
und phagozytischen Kräfte, wodurch die Empfindlichkeit gegenüber einer VVC erhöht
wird [42], [43]. Die antidiabetisch wirksamen SGLT2-Hemmer, welche die Glykosurie erhöhen, erhöhen
auch die Episoden einer VVC [44] – [46]. Bei wiederholt auftretenden Episoden einer
VVC bei Diabetikerinnen ist jedenfalls auch die Kontrolle und Einstellung der
antidiabetischen Medikation angebracht [47].
5.2 Antibiotika
Frauen, die bereits vaginal mit Candida kolonisiert sind, haben ein bis 33% höheres Risiko, nach einer antibiotischen Behandlung
eine VVC zu entwickeln [48], [49], [50], [51]. Die am häufigsten verschriebene, wirksamste VVC-Prophylaxe stellt die Einnahme
von 150 mg Fluconazol zusammen mit der Einnahme der Antibiotika dar, wobei diese zu
Beginn und am Ende bzw. einmal wöchentlich verabreicht werden kann. Eine andere Möglichkeit
besteht in der gleichzeitigen Einnahme von oralen oder vaginalen Probiotika [52].
5.3 Vaginale Mikrobiota
Es wurden niedrigere Zahlen von Laktobazillen bei Frauen mit VVC, gegenüber jenen
ohne VVC, gefunden [53]. Es besteht eine antagonistische Wirkung einiger Laktobazillen gegen Candida
[54], [55]. Diese antagonistische Wirkung betrifft spezielle Stämme, wie z. B. Lactobacillus rhamnosus
[56], [57], [58], [59], [60]. Dieser Schutz durch Laktobazillen beruht hauptsächlich auf deren Fähigkeit, an
Vaginalepithelzellen zu haften und das Wachstum von Krankheitserregern zu hemmen [61].
5.4 Hormonelle Faktoren
Das im Vaginalepithel unter Östrogeneinwirkung gespeicherte Glykogen dient Pilzen
als Nährsubstrat [62]. Weiters sind Östrogene für die Bildung von Hemmstoffen durch die Epithelzellen
verantwortlich, welche die antimykotische Funktion der Granulozyten behindern und
somit eine Leukozytenanergie bewirken [23], [47], [63]. Aufgrund des Östrogenspiegels und dem hohen Glykogengehalt werden am häufigsten
mitzyklisch bzw. in der lutealen Phase des Menstruationszyklus Symptome der VVC angegeben,
während es zu einem raschen Rückgang der Symptome während der Menstruation kommt [62]. Postmenopausale Frauen sind signifikant häufiger von einer VVC betroffen, wenn
sie eine Hormonersatztherapie erhalten [64].
5.5 Kontrazeptiva
Es scheint zu einer Zunahme von VVC unter Einnahme oraler Kontrazeptiva zu kommen,
wobei dies von der Dosierung des Östrogenanteils abhängig zu sein scheint [65]. Gestagene alleine scheinen einen protektiven Effekt gegen VVC zu haben [47], [66]. Bezüglich der Anwendung von Hormonspiralen empfehlen Donders et al. [43] „Levonorgestrel releasing intrauterine systems“ (LNG-IUS) bei Frauen mit chronischer
RVVC oder einem erhöhten Risiko für VVC zu meiden.
5.6 Genetische Faktoren
Für Rückfälle der VVC können auch genetische Faktoren verantwortlich sein, wie etwa
Genpolymorphismen des mannosebindenden Lektins [67], [68] und ein Non-Sekretor-Phänotyp der AB0-Lewis-Blutgruppe [69]. Da Infektion gleich Kolonisation plus Disposition ist, leiden immunsupprimierte
Menschen häufiger an VVC [70]. Ak-produzierende B-Zellen bei VVC werden als protektiv angesehen [71], [72], [73], [74], [75]. Frauen mit atopischer Diathese und Typ-I-Allergien entwickeln häufiger eine VVC
als Gesunde [76].
5.7 Lebensstilfaktoren
Sexuelles Verhalten kann zu Rückfällen von VVC führen [48], [77], [78]. Psychosozialer Stress kann vermutlich über Immunsuppression eine chronische RVVC
auslösen [79], [80]. Die Kandidose übt einen negativen Einfluss auf das Arbeits- und Sozialleben der
Patientin aus. Ernährung wird von einigen FachexpertInnen als relevant für die Entstehung
einer VVC angesehen [81], [82].
6 Klinische Symptomatik
Konsensbasiertes Statement 6.S4
Expertenkonsens
Konsensusstärke +++
Juckreiz ist das Hauptsymptom der VVC, wobei nicht alle Frauen, die Juckreiz beklagen,
tatsächlich eine VVC haben. Neben Juckreiz klagen Betroffene häufig über vaginale
Rötung, Wundheitsgefühl, Brennen, Dyspareunie und Dysurie. Symptome alleine ermöglichen
es nicht, verlässlich zwischen den Ursachen einer Vaginitis zu unterscheiden.
Prämenopausale Frauen leiden meist unter einer vaginalen Kandidose, die sich auf das
Vestibulum und die Vulva ausdehnen kann, während postmenopausale Frauen primär in
der Leisten-/Inguinalregion sowie der Vulva betroffen sind. Es gibt keine Candida-Zervizitis. Bei prämenopausalen Frauen treten die Symptome typischerweise prämenstruell
auf, da die von Östrogenen induzierte Zellproliferation und von Progesteron induzierte
Zytolyse Glykogen freisetzt, das von Laktobazillen verstoffwechselt werden kann, sodass
der Glukosespiegel im Gewebe erhöht ist [83].
Aus klinischer und therapeutischer Sicht ist eine Einteilung in komplizierte und unkomplizierte
Fälle zu empfehlen [4]. In etwa 90% ist Juckreiz das wichtigste, jedoch nicht verlässliche Symptom, da
nur 35 – 40% jener Frauen, die Juckreiz beklagen, tatsächlich eine VVC haben [8], [37], [84]. Vaginaler Fluor kann unterschiedlich sein. Von der Konsistenz ist dieser oft dünnflüssig
zu Beginn einer VVC, meist weißlich flockig, und bei chronischer RVVC kann dieser
auch gänzlich fehlen [42], [85]. Im Gegensatz zur bakteriellen Vaginose riecht Fluor bei VVC nicht unangenehm [42].
Neben Juckreiz in der Vulva und/oder der Vagina beklagen die meisten Patientinnen
mit VVC eine vaginale Rötung, Wundheitsgefühl, Brennen, Dyspareunie und Dysurie [42]. Diese Symptome alleine erlauben es dem Kliniker allerdings oft nicht, verlässlich
zwischen den Ursachen einer Vaginitis zu unterscheiden. Juckreiz und Rötung sind bei
VVC nicht immer vorliegend [84]. Die kleinen Labien können ödematös sein und besonders bei RVVC kommen häufig brennende
Rhagaden vor.
Neben den typischen Symptomen einer VVC durch C. albicans ist die C.-glabrata-Vaginitis selten und kommt gewöhnlich im späten prä- und perimenopausalen Lebensabschnitt
vor [9], [17], [86], [87], [88]. Die C.-krusei-Vaginitis [19] und die C.-parapsilosis-Vaginitis [18] sind meist ähnlich wie jene durch C. glabrata mit nur milden klinischen Symptomen und Beschwerden verbunden. Saccharomyces cerevisiae ist als Verursacher einer Vaginitis unwahrscheinlich [20], [21], [89]. Die Kandidose der Vulva wird aus dermatologischer Sicht in eine vesikulöse, ekzematoide
und follikuläre Form unterschieden. Frauen mit sekundärer
Vestibulodynie berichten häufig über eine VVC vor Ausbruch der vestibulären Schmerzen.
Insgesamt führt die Symptomatik der VVC zu einer Einschränkung der Lebensqualität,
die vergleichbar mit jener von Patientinnen ist, die an Asthma bronchiale oder chronisch
obstruktiver Bronchitis leiden. Die VVC ist daher auch mit einer signifikant reduzierten
Produktivität im Berufs- und Alltagsleben vergesellschaftet [90].
7 Diagnostik
Konsensbasierte Empfehlung 7.E3
Expertenkonsens
Konsensusstärke +++
Die Diagnose VVC soll anhand der Kombination aus Klinik und dem mikroskopischen Nachweis
von (Pseudo-)Hyphen gestellt werden, wobei bei unklaren Fällen die Diagnostik auf
kulturelle Methoden erweitert werden soll.
7.1 Notwendige Diagnostik
Konsensbasierte Empfehlung 7.E4
Expertenkonsens
Konsensusstärke +++
Die mikroskopische Untersuchung mit Kochsalzlösung bei 400-facher Vergrößerung soll
zur Orientierung als erster diagnostischer Schritt durchgeführt werden.
In der Diagnostik ist das Vorhandensein von (Pseudo-)Hyphen erforderlich, um eine
Candida-bedingte Vaginitis nachzuweisen und von der asymptomatischen Kolonisation zu unterscheiden.
Essenziell sind Anamnese, gynäkologische Untersuchung und mikroskopische Untersuchung
von vaginalem Fluor mittels Kochsalzlösung (oder alternativ 10%iger KOH-Lösung) bei
zumindest 400-facher Vergrößerung (10 × Okular plus 40 × Objektiv) im Licht- oder
Phasenkontrastmikroskop [20], [91]. Gegebenenfalls kann auch eine pH-Messung erfolgen. Sprosszellen (Blastosporen)
oder (Pseudo-)Hyphen können in etwa 50 – 80% der Fälle der akuten VVC im Mikroskop
gefunden werden [4], [92]. Es können, müssen aber nicht, vermehrt Leukozyten im Fluor gefunden werden. Falls
mikroskopisch keine Blastosporen oder (Pseudo-)Hyphen gefunden werden können, ist
die Keimmenge vermutlich
so gering, dass die Untersuchung mit geringer Sensitivität negativ bleibt. Da
die Kultur sensitiver ist und da trotz geringer Pilzlast eine Entzündung ausgelöst
werden kann, sollte z. B. bei einer chronischen RVVC die kulturelle Untersuchung mit
Artbestimmung durchgeführt werden. Da Resistenzen nicht mit der MHK korrelieren, ist
deren Bestimmung primär nicht notwendig [83], [93], [94].
Das typische Medium zur kulturellen Diagnostik der Candida-Arten ist der Sabouraud-2%-Glucose-Agar. Weiters gibt es den CHROMagar™ oder Mikrostix-Candida. Chromogene Medien bieten die Möglichkeit, bestimmte Candida spp. aufgrund ihrer Pigmentierung sofort zu identifizieren und erleichtern den Nachweis
von Mischkulturen bei gleichzeitigem Vorkommen von mehreren Hefearten. Die Patientin
leidet in diesem Fall meist an einer C.-albicans-Vaginitis, während nach einer Behandlung die häufig resistente C. glabrata in situ verbleibt. Diese ist dann meistens nur kolonisierend vorhanden und muss bei
Beschwerdefreiheit nicht erneut therapiert werden. Eine In-vitro-Empfindlichkeitstestung
ist allenfalls bei Nachweis von Non-albicans-Arten und chronisch-rezidivierenden Verläufen anzudenken.
Unter Anwendung eines modernen DNA-Hybridierungstests des vaginalen Fluors vom Spekulum
der gynäkologischen Untersuchung kann eine Sensitivität und Spezifität bei der Detektion
von Candida spp. von bis zu 96,3% erreicht werden [95]. Die Detektion mittels Whole-Genome-Sequencing besitzt die höchste Sensitivität
und Spezifität in der Candida-Diagnostik [96].
7.2 Unsinnige Diagnostik
Konsensbasiertes Statement 7.S5
Expertenkonsens
Konsensusstärke +++
Serologische Tests, vor allem Antikörperspiegelbestimmungen, haben in der Diagnostik
der VVC keinen Stellenwert.
8 Therapie
Konsensbasierte Empfehlung 8.E5
Expertenkonsens
Konsensusstärke +++
Die akute VVC sollte je nach individuellen Bedürfnissen der Frau entweder mit lokalen
oder mit oralen Antimykotika behandelt werden, während bei einer chronischen RVVC
primär die orale Therapie, eventuell im Sinne einer länger andauernden Suppressionstherapie,
durchgeführt werden sollte.
8.1 Therapie der akuten Candida-Vaginitis
Konsensbasiertes Statement 8.S6
Expertenkonsens
Konsensusstärke +++
Die Therapie der akuten VVC mit topischen oder oralen Imidazolderivaten, Polyenen
und Ciclopiroxolamin zeigt äquivalente Therapieerfolge. Die Behandlung eines asymptomatischen
Sexualpartners ist bei einer akuten VVC nicht indiziert.
Die asymptomatische vaginale Kolonisation bedarf selbst bei hoher Keimzahl keiner
Therapie, falls die Patientin immunkompetent ist und nicht unter einer chronischen
RVVC leidet. Im Falle einer Infektion besteht selbst bei niedriger Keimzahl eine Therapiebedürftigkeit,
wobei zahlreiche Therapiemöglichkeiten existieren [97]. Die folgenden Wirkstoffe kommen zum Einsatz: Azole, welche die Bildung von Lanosterol
zu Ergosterol der Hefezellmembran verändern [98]; Polyene, die Komplexe mit dem Ergosterol der Sprosspilzmembran bilden und so deren
Permeabilität verändern [99]; Ciclopiroxolamin, das wichtige Enzyme, die Eisen benötigen, durch Chelatbildung
behindert [100]. Im Falle einer chronischen RVVC kann eine dosisreduzierende Suppressionstherapie
erwogen werden, etwa mittels eines Schemas mit Fluconazol 200 mg oral an 3 Tagen pro
Woche (für 1
Woche), bei Beschwerde- bzw. Pilzfreiheit wöchentlich über 2 Monate, dann alle
2 Wochen über 4 Monate, anschließend einmal monatlich über 6 Monate.
Es existieren Vaginalsuppositorien und -cremes mit Dosierungen bzw. Zubereitungen
für eine Behandlungsdauer zwischen 1 und 3 Tagen, sowie zwischen 6 und 7 Tagen [101]. Alternative Therapieoptionen bei der nicht schwangeren Frau sind orale Triazole
(Fluconazol, Itraconazol, Posaconazol, Voriconazol), Polyene (Nystatin) [4], [102], [103], oder Ciclopiroxolamin ([Tab. 5]) [104].
Tab. 5 Therapieoptionen bei akuter Candida-Vaginitis.
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Lokaltherapie (bei Erstmanifestation)
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Clotrimazol
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200 mg Vaginaltabletten 1 × tgl. für 3 Tage
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500 mg Vaginaltablette einmalig
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Econazol
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150 mg Vaginalzäpfchen 2 × tgl. alle 12 Stunden
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150 mg Vaginalzäpfchen 1 × tgl. für 3 Tage
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Fenticonazol
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600 mg Vaginalkapsel 1 × tgl.
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bei Bedarf wiederholen
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Isoconazol
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150 mg Vaginalzäpfchen 2 × tgl. alle 12 Stunden
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150 mg Vaginalzäpfchen 1 × tgl. für 3 Tage
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600 mg Vaginalzäpfchen einmalig
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alternative Therapien (bei massiver Erstmanifestation)
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Fluconazol
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150 mg oral einmalig
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50 mg oral 1 × tgl. für 7 – 14 Tage
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100 mg oral 1 × tgl. für 14 Tage
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bei immunsupprimierten Patientinnen
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Itraconazol
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100 mg oral 2 × 2 Kapseln tgl. postprandial
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100 mg oral 1 × 2 Kapsel tgl. für 3 Tage
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Nystatin
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100 000 I. E. Vaginaltablette für 14 Tage
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200 000 I. E. Vaginaltablette für 6 Tage
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Ciclopiroxolamin
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50 mg (1 Applikatorfüllung) 1 × tgl. für 6 – 14 Tage
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evtl. Bezug über internationale Apotheke
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8.2 Nebenwirkungen
Konsensbasiertes Statement 8.S7
Expertenkonsens
Konsensusstärke +++
Alle gängigen vaginalen und topischen Antimykotika sind grundsätzlich gut verträglich.
Alle gängigen vaginalen und topischen Antimykotika werden gut vertragen. Azole und
Ciclopiroxolamin können in 1 – 10% der Fälle leichtes lokales Brennen verursachen
[7], [103]. Lokale Irritationen führen leider zu einer reduzierten Compliance der Patientin
und können als Resistenz gegen die Therapie fehlinterpretiert werden [105]. Allergische Reaktionen sind möglich, aber selten. Das hydrophile Fluconazol und
das lipophile Itraconazol verursachen bei den üblichen Dosierungen selten Nebenwirkungen.
Bei der systemischen Therapie verursacht Itraconazol jedoch deutlich mehr Nebenwirkungen
als Fluconazol (z. B. anaphylaktoide Reaktionen, Kopfschmerzen, u. a.). Bei einer
systemischen Azol-Therapie sollten jedoch auch Wechselwirkungen mit weiteren Therapeutika
beachtet werden, insbesondere wenn diese über Cytochrom P450 3A4 verstoffwechselt
werden. Bei der lokalen Anwendung von
Azol-Antimykotika ist die Patientin darüber aufzuklären, dass die Funktionsfähigkeit
und Zuverlässigkeit von Gummidiaphragmen sowie Latex-Kondomen beeinträchtigt sein
kann.
8.3 Resistenzbildung
Konsensbasierte Empfehlung 8.E6
Expertenkonsens
Konsensusstärke +++
Unnötige antimykotische Therapien können durch Selektion weniger empfindlicher Stämme
zu Resistenzen führen und sollen daher vermieden werden.
8.4 Therapie der Non-albicans-Vaginitis
Konsensbasierte Empfehlung 8.E7
Expertenkonsens
Konsensusstärke +++
Bei chronisch RVVC und Non-albicans-Vaginitiden sollte geprüft werden, ob die angegebenen Symptome für eine Mykose sprechen
und (nach Resistenzprüfung) tendenziell Reserve-Antimykotika zur Anwendung kommen.
Dies gilt insbesondere für Infektionen mit Candida glabrata.
Wiewohl der Nachweis von Candida glabrata häufig nur auf eine Kolonisation hindeutet, versagt bei tatsächlichen Candida-glabrata-Vaginitiden für gewöhnlich die übliche vaginale oder orale Behandlung. Im Falle einer
Candida-glabrata-Vaginitis kann die lokale Gabe von Nystatin oder Ciclopiroxolamin erwogen werden.
Die Candida-krusei-Vaginitis ist gegen Fluconazol und Itraconazol, aber teilweise auch gegen Posaconazol
und einige Imidazole resistent. Nach dem primären Therapieversuch mit topischem Clotrimazol
100 mg für 2 Wochen kann eine Therapie mit Ciclopiroxolamin [20] oder Nystatin [19] versucht werden. Aufgrund der Seltenheit solcher Fälle gibt es jedoch kaum Studienergebnisse.
C. dubliniensis ist zwar empfindlich auf Imidazole, entwickelt jedoch Resistenzen gegen Fluconazol,
im Speziellen bei Patientinnen unter Langzeittherapie [106]. C. tropicalis und C. guilliermondii sollten, wie eine konventionelle C.-albicans-Vaginitis behandelt werden. C. kefyr ist apathogen und daher als Verursacher einer Vaginitis unwahrscheinlich.
8.5 Therapie der chronisch rezidivierenden Candida-Vaginitis
Konsensbasierte Empfehlung 8.E8
Expertenkonsens
Konsensusstärke +++
Bei einer chronischen RVVC kann eine antimykotische Langzeitbehandlung durchgeführt
werden, wobei verschiedene Schemata mit geringer Evidenz existieren.
Während die Therapie einer akuten VVC 1 – 7 Tage dauert und aus einem kurzfristig
verabreichten typischen Wirkstoff oder einer Einzeldosis besteht und damit Heilungsraten
von über 80% erreicht werden können, kann dies bei der chronischen RVVC nicht berichtet
werden. Da Infektion gleich Kolonisation plus Disposition ist und eine Therapie gegen
die Disposition bisher nicht erprobt ist, werden lokale oder orale Erhaltungstherapien
(Suppressionstherapien) bei chronischer RVVC empfohlen, um Rückfälle zu vermeiden
[107], [108], [109], [110], [111].
Die Ergebnisse von Therapien mit Clotrimazol 500 mg lokal, Ketoconazol 100 mg oral
und Fluconazol 150 mg oral sind vergleichbar, wobei Ketoconazol nicht mehr erhältlich
ist. In einer randomisierten placebokontrollierten Studie mit 387 Frauen, die 150 mg
Fluconazol wöchentlich für 6 Monate erhielten, waren 42,9% der Patientinnen mit Fluconazol
und 21,9% der Patientinnen mit Placebo nach 12 Monaten krankheitsfrei [110]. Ebenso scheint lokales Nystatin bei der chronischen RVVC, insbesondere bei Non-albicans- und Fluconazol-resistenten Stämmen, wirksam zu sein [102].
Donders et al. [68], [112] empfehlen im Falle einer chronischen RVVC eine Initialdosis von 200 mg Fluconazol
an 3 Tagen in der 1. Woche, gefolgt von einem Erhaltungsregime ab Beschwerde- bzw.
Pilzfreiheit mit einmal 200 mg Fluconazol pro Monat über 1 Jahr ([Abb. 1]). Hierbei waren knapp 90% nach 6 Monaten und 77% nach 1 Jahr krankheitsfrei [68], [112]. Frauen mit familiärer Atopie, längerer Symptomdauer und schwerer vaginaler Exkoriation
haben ein erhöhtes Risiko, nicht auf eine Fluconazol-Erhaltungstherapie anzusprechen
[113]. Die Fluconazol-Suppressionstherapie scheint insgesamt jedoch hochwirksam bei der
Vorbeugung von VVC-Symptomen zu sein, jedoch ist sie selten kurativ [114]. Ein Rückfall tritt häufig nach Absetzen der Erhaltungstherapie
wieder auf.
Fig. 1 Erhaltungstherapie mit Fluconazol bei Patientinnen mit chronischer RVVC.
Das sexuelle Verhalten scheint kein Risikofaktor für das Nichtansprechen auf eine
Fluconazol-Erhaltungstherapie bei Patientinnen mit einer chronischen RVVC zu sein
[115]. Asymptomatische Sexualpartner von Patientinnen, die an einer chronischen RVVC leiden,
benötigen keine Behandlung, um die Rezidivrate dieser Frauen zu verbessern [115]. Im Falle von Beschwerden oder beim Nachweis von Hefepilzen am Penis oder im Sperma
kann eine Fluconazol-Therapie mit einmalig 150 mg für den Partner indiziert werden.
Bei jenen Frauen, die an einer chronischen RVVC leiden, sollte in Erwägung gezogen
werden, ein liegendes Intrauterinpessar zu entfernen, da erst nach Entfernen des Intrauterinpessars
unter laufender Therapie betroffene Frauen rezidivfrei wurden.
8.6 Therapie während der Schwangerschaft
Konsensbasierte Empfehlung 8.E9
Expertenkonsens
Konsensusstärke +++
Im Falle einer VVC während der Schwangerschaft soll insbesondere im 1. Trimenon mit
lokalem Clotrimazol behandelt werden, um das Risiko für fetale Fehlbildungen und einen
Frühabort zu vermeiden.
In mehreren retrospektiven Studien [116], [117], [118], [119] sowie in einer prospektiv randomisierten Studie [120] wurde eine signifikante Reduktion von Frühgeburten nach einer vaginalen Behandlung
mit Clotrimazol im Falle einer VVC im 1. Trimester der Schwangerschaft berichtet.
In einer australischen Studie mit relativ kleiner Fallzahl wurde eine Tendenz zur
Reduktion von Frühgeburten nach Clotrimazol im 1. Trimester berichtet [121]. Eine weitere retrospektive Arbeit berichtete über eine erhöhte Frühgeburtenrate
nach rezidivierender asymptomatischer Candida-Kolonisation in der Frühschwangerschaft [122].
Fast alle der gesunden reifen Neugeborenen, die während der vaginalen Geburt von der
mütterlichen Vagina mit C. albicans kolonisiert worden sind, bekommen während des 1. Lebensjahres mit einem Gipfel in
der 2. – 4. Lebenswoche einen Mundsoor und/oder eine Windeldermatitis [123], [124]. Es gibt daher eine Empfehlung zur topischen Therapie für 6 – 7 Tage im Falle einer
Candida-Kolonisation in den letzten Wochen der Schwangerschaft, um beim Neugeborenen während
der vaginalen Geburt die Kolonisation und nachfolgende Infektionen zu verhindern.
Die Einnahme von Fluconazol in der gynäkologisch üblichen Dosis von 150 – 300 mg/Tag
galt während der Schwangerschaft lange als unbedenklich, wiewohl nicht für Schwangere
zugelassen. Bei geringen Dosen von ≤ 150 mg scheint auch kein embryopathisches Risiko
zu bestehen [125]. Bei einer kumulativen Dosis von 150 – 6000 mg Fluconazol im 1. Trimenon wurde jedoch
ein höheres Auftreten der fetalen Fallot-Tetralogie berichtet [126]. Dieselbe Arbeitsgruppe berichtete über ein erhöhtes Abortrisiko nach oraler Fluconazol-Therapie
während der Frühschwangerschaft [127]. Eine alternative Therapieoption während der Schwangerschaft stellt die Anwendung
von Dequaliniumchlorid dar [128], [129], [130].
8.7 Selbstmedikation
Konsensbasierte Empfehlung 8.E10
Expertenkonsens
Konsensusstärke +++
Die Therapie der VVC soll nach einer korrekt durchgeführten und ärztlich gesicherten
Diagnose, anhand von Anamnese, Klinik, Nativpräparat und ggf. Pilzkultur, erfolgen.
Die Selbstmedikation oder OTC-Therapie (OTC, over-the-counter) der VVC mit Clotrimazol
oder Fluconazol wird mittlerweile in weit mehr als 80% der Fälle betrieben [38], [131]. Laut einer Studie litten allerdings nur ein Drittel der Frauen, die vaginale Antimykotika
zur Selbsttherapie angewendet hatten, tatsächlich an einer VVC [132]. Daher sollte nur nach einer korrekt durchgeführten, ärztlich gesicherten Diagnose
behandelt werden, um Resistenzbildung und Nebenwirkungen zu vermeiden.
8.8 Bedeutung der Probiotika
Konsensbasiertes Statement 8.S8
Expertenkonsens
Konsensusstärke +++
Probiotika scheinen sich positiv auf die Vorbeugung einer VVC auszuwirken, wobei die
Evidenz diesbezüglich begrenzt ist.
Aufgrund der antagonistischen Wirkung mancher Laktobazillen bei der durch Candida verursachten Vulvovaginitis werden Probiotika als natürlicher Ansatz zur Vorbeugung
und Behandlung von Infektionen angesehen. Extragenitale Lokalisationen wie der Darm
dienen als Reservoir für die Rekolonisation bei Frauen mit chronischer RVVC [133], weshalb etwa orale Probiotika bei Frauen mit chronischer RVVC, aber auch bei jenen
mit Kontraindikationen gegen Antimykotika in Erwägung gezogen werden können [134], [135]. Probiotika könnten eine wirksame Strategie zur Vorbeugung einer VVC sein, etwa
auch bei der Candida-glabrata-Vaginitis [136]. Probiotika sind auch direkt fungizid wirksam, da sie das Candida-Wachstum hemmen und die Adhäsion an Epithelzellen behindern [137].
8.9 Alternative und komplementäre Medizin
Konsensbasiertes Statement 8.S9
Expertenkonsens
Konsensusstärke +++
Es existieren diverse Therapiealternativen in der Behandlung der VVC, die jedoch selten
evidenzbasiert sind.
Borsäure besitzt antibakterielle, antimykotische und antivirale Aktivität sowie antiseptische
und adstringierende Eigenschaften. Sie wird als topisches Pulver eingesetzt und hilft,
das Wachstum von Candida spp. zu kontrollieren. Es werden Juckreiz und Entzündungen gelindert und die Heilung
beschleunigt. Deren Einsatz sollte auf den „Off-label-use“ in Ausnahmefällen limitiert
sein. Jodpovidon (PVP-I) besitzt keimtötende Wirkungen gegen Bakterien, Pilze und
Viren, da es die Biofilmbildung hemmt. Daher bewirkt PVP-I eine meist relativ rasche
Linderung der VVC-Symptome [134]. Propolis wird als eine vielversprechende Alternative in der Therapie der VVC beschrieben.
Es weist antimikrobielle, entzündungshemmende, antiseptische, hepatoprotektive, antitumorale,
immunmodulatorische, wundheilende, anästhetische und antioxidative Eigenschaften auf
[134], [138]. Salvina
officinalis ist eine weitere Therapiealternative [139], ebenso wie die Therapie mit Gestagenen [66], [140].
9 Ausblick
9.1 Immuntherapien
Konsensbasiertes Statement 9.S10
Expertenkonsens
Konsensusstärke +++
Bis dato existieren keine zugelassenen Immuntherapien gegen die Candida-Vaginitis.
9.2 Zukünftige Forschung
Konsensbasiertes Statement 9.S11
Expertenkonsens
Konsensusstärke +++
Es existiert umfassender Bedarf an präklinischer, translationaler und klinischer Forschung
im Bereich der VVC bzw. der chronischen RVVC.