Ciurea A.
et al.
Impact of the COVID-19 pandemic on the disease course of patients with inflammatory
rheumatic diseases: results from the Swiss clinical quality management cohort.
Annals of the rheumatic diseases 2021;
80: 238-241. doi:10.1136/annrheumdis-2020-218705
Dabei sollte untersucht werden, ob die vorübergehende Reduzierung der rheumatologischen
Leistungen mit einer Krankheitsverschlechterung bei axialer Spondyloarthritis (axSpA),
rheumatoider Arthritis (RA) oder Psoriasis-Arthritis (PsA) einherging. Die Forscherinnen
und Forscher analysierten dazu die selbstberichtete Krankheitsaktivität und die Medikamenten-Adhärenz
bei 666 Patienten mit axSpA (n=287), RA (n=248) und PsA (n=131).
Die Krankheitsaktivität wurde bei persönlichen Besuchen und/oder über eine Smartphone-Applikation
zwischen Januar und Juni 2020 mit verschiedenen Fragebögen erfasst: Bad Ankylosing
Spondylitis Disease Activity Index (BASDAI) bei axSpA, Rheumatoid Arthritis Disease
Activity Index-5 (RADAI-5) bei RA und die Patient Global Assessment (PGA) visuelle
Analogskala bei PsA. Die Medikamenten-Adhärenz wurde mittels einer monatlichen Abfrage
gewertet. Die Studienautoren verglichen die selbstberichtete Krankheitsaktivität zwischen
3 Perioden von jeweils 2 Monaten Dauer (vor, während und nach der COVID-19-Welle).
Ergebnisse
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Die Anzahl der echten Konsultationen sank um 52%, dabei stiegen Fernkonsultationen
um 129% an.
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Der Anteil der Patienten ohne Medikamenten-Adhärenz stieg während der Pandemie leicht
an, wobei der Unterschied bei axSpA statistische Signifikanz erreichte (19,9% vs.
13,2% vor der Pandemie, p=0,003).
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Der Anteil der Patienten mit Krankheitsschüben blieb stabil (<15%) im Vergleich zu
der Zeit vor COVID-19.
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Es konnte kein Anstieg der Mittelwerte des BASDAI, des RADAI-5 und des PGA bei Patienten mit axSpA, RA oder PsA beobachtet werden.
Die beobachteten Patienten nutzten allerdings regelmäßig eine Smartphone-App und seien
daher möglicherweise insgesamt mehr in das eigene Krankheitsmanagement involviert,
so die Studienautoren. Patienten mit weniger Compliance seien hier vermutlich unterrepräsentiert,
was bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden müsse.
Laut Autorinnen und Autoren hatte die vorübergehende Unterbrechung der persönlichen
Konsultationen während der COVID-19-Pandemie keinen wesentlich nachteiligen Einfluss
auf den Krankheitsverlauf von axSpA, RA und PsA gemessen anhand von Patienten-Selbstberichten.
Weitere Studien seien notwendig, um den Nutzen von Fernstrategien zur Erfassung selbstberichteter
Patientendaten zu bestätigen.
Annkatrin Wagner, Stuttgart