Artacho A,
Isaac S,
Nayak R.
et al.
Th e Pretreatment
Gut Microbiome Is Associated With Lack of
Response to Methotrexat in New-Onset
Rheumatoid Arthritis.
Arthritis & Rheumatology 2021;
73: 931-942
Für diese Studie wurden an verschiedenen Kliniken in New York Stuhlproben
von 47 bisher unbehandelten Patienten mit aktiver, neu aufgetretener RA
analysiert (Trainingskohorte/26, Validierungskohorte/21). Die
ersten Proben wurden 48 Stunden vor der ersten MTX-Gabe untersucht; weitere
Proben folgten dann ein, zwei und vier Monate nach Therapiebeginn.
In der RNA-Sequenzierung der ersten 26 Proben zeigte sich, dass die Darmflora der
Therapieresponder (Verbesserung des Krankheitsaktivitätsscores in 28
Gelenken≥1,8 vier Monate nach Therapiebeginn; 39%) vor
Therapiebeginn eine signifikant geringere mikrobielle Diversität aufwies
als die der Nicht-Responder (61%). Signifikante Differenzen gab es auch
in der mikrobiellen Struktur. So waren vor Therapiebeginn in der Darmflora von
Patienten, die nicht auf die Therapie ansprachen, beispielsweise
größere Mengen der Stämme Firmicutes und Euryarchaeota,
dafür aber weniger Bacteroidetes-Stämme nachzuweisen.
Da mit der RNA-Sequenzierung die metabolische Leistung der Bakterien nur
annäherungsweise bestimmt werden kann, untersuchten die Autoren in der
Trainingskohorte zusätzlich das Metagenom mittels Shotgun-Sequenzierung.
Auch hier ergaben sich Unterschiede zwischen Respondern und Nicht-Respondern;
bei letzteren waren z. B. 26 Signalwege signifikant erhöht
(z. B. MAPK, DNA-Replikation, Fettsäureabbau) und 28 vermindert
(z. B. Lipopolysaccharidsynthese, Kohlenhydratmetabolismus). Zudem
ergaben sich Hinweise auf Veränderungen des bakteriellen Metabolismus
von MTX, Folsäure und anderen Molekülen, die mit einem
unzureichenden Ansprechen auf MTX in Verbindung stehen.
Die festgestellten Unterschiede im Metagenom bildeten die Grundlage für
ein Mikrobiom-basiertes Model, mit dem das Therapieansprechen vorausgesagt
werden kann. Mit den Daten aus der Trainingskohorte wurden 38 Metagenom-Merkmale
ermittelt, die in das Modell eingebracht wurden. Viele dieser Merkmale haben
bisher keinen bekannten Einfluss auf die
Folsäure/MTX-Signalwege, andere wiederum spielen beim
Metabolismus von Thiamin eine Rolle, ein Nebenprodukt, dass den MTX-Transport
stören kann. Die Testung des Modells in der Validierungskohorte zeigte,
dass damit rund 80% der Patienten korrekt als Responder oder
Non-Responder klassifiziert werden können. Allerdings scheint dies nur
für die hier überprüfte Patientengruppe möglich
zu sein. Denn das Modell wurde bei 20 weiteren Patienten getestet, die entweder
unbehandelt waren oder andere antirheumatische Medikamente erhielten: Bei ihnen
konnte das Therapieansprechen mit Hilfe des Modells nicht vorhergesagt werden.
Und auch mit einem Modell, das auf den unterschiedlichen
Bakterienstämmen beruhte, konnten die Patienten ebenfalls nicht sicher
klassifiziert werden.
Um den Zusammenhang zwischen der Darmflora und dem Therapieansprechen zu
ermitteln, analysierten die Autoren schließlich MTX und die bakteriell
produzierten Metabolite in inkubierten Stuhlproben weiterer RA-Patienten, die
mit MTX behandelt wurden. Das Mikrobiom einiger Patienten konnte die
MTX-Konzentration sehr schnell reduzieren – diese Proben stammten
überwiegend von Non-Respondern. In anderen Proben wiederum –
hauptsächlich von Respondern – veränderte sich die
Konzentration kaum.
Die Darmflora unterscheidet sich zwischen MTX-Respondern und Non-Respondern
so stark, dass das prätherapeutische Mikrobiom für die
Prädiktion des Therapieansprechens genutzt werden kann. Dabei ist
allerdings weniger die dominante Spezies entscheidend, als vielmehr einzelne
Bakteriengruppen und ihre metabolischen Funktionen. Ob die Darmflora MTX
direkt verstoffwechseln kann oder ob sie das Therapieansprechen über
das Immunsystem erhöht, sollte in weiteren Studien untersucht
werden.
Stephanie Gräwert, Leipzig