Quelle: privat
Nina Sieberer …
… ist Physiotherapeutin, 22 Jahre alt und wohnt in Niederösterreich. Den Wunsch, Physiotherapeutin
zu werden, hatte sie schon als Jugendliche, da sie damals selbst mit einigen Sportverletzungen
zu kämpfen hatte. Dieses Ziel verlor sie nicht aus den Augen und studierte von 2018–2021
Physiotherapie an der FH in St. Pölten. Seit Abschluss des Studiums ist sie in einem
„Regenerationscenter“ tätig. Vor allem die vielfältige Patientenklientel schätzt sie
hier sehr. In ihrem therapeutischen Arbeiten haben die aktive Therapie sowie evidenzbasierte
Behandlungstechniken einen hohen Stellenwert. Beruflich strebt sie in der Zukunft
ein Masterstudium an, entweder in der Sportphysiotherapie oder der Therapiewissenschaft.
Ihre Freizeit verbringt Nina Sieberer am liebsten in den Bergen: Skifahren und -touren,
Mountainbiken und Bergsteigen sind ihre großen Leidenschaften. Sie träumt von einer
Skandinavien- oder Kanada-Rundreise mit den Tourenskiern sowie von einer Besteigung
des Mont Blanc. Beruflich wie privat sucht sie immer neue Herausforderungen – ganz
nach dem Motto „Wer rastet, der rostet“.
Die Arbeit
Sechs Prozent der Weltbevölkerung sind von einer Gonarthrose betroffen. Die degenerative
Erkrankung des Kniegelenks ist damit die häufigste Form der Arthrose und gilt bisher
als unheilbar. Umso wichtiger erscheint es, die Progression, Symptome und Schmerzen
möglichst gering zu halten und einer Muskelatrophie entgegenzuwirken. In der Behandlung
einer Gonarthrose hat die Physiotherapie einen hohen Stellenwert: Ein Krafttraining
etwa soll verhindern, dass die kniegelenkstabilisierende Muskulatur atrophiert. Da
für ein Blood Flow Restriction Training (BFRT, FRAGEN AN NINA SIEBERER) eine geringere
Trainingsintensität notwendig ist als bei einem intensiven Krafttraining, scheint
es die Gelenke weniger zu belasten. Deshalb untersuchte Nina Sieberer, wie wirksam
ein BFRT bei Patient*innen mit Gonarthrose ist.
Ein BFR-Training eignet sich bei Gonarthrose.
Methodik
Nina Sieberer führte eine Literaturrecherche in den Datenbanken PUBMED, PEDro und
Cochrane durch. Sie schloss fünf RCTs mit insgesamt 190 Teilnehmenden sowie ein systematisches
Review ein und prüfte die Untersuchungen anhand der Skalen PEDro und AMSTAR auf ihre
Qualität. Jeweils zwei Studien hatten die Evidenzqualität B, C und D. Daraufhin analysierte
sie die Wirksamkeit des BFRT auf die festgelegten Evaluierungsparameter: Schmerz,
Kraft und Größe des M. quadriceps.
Ergebnisse
Nina Sieberer hat in ihrer Bachelorarbeit herausgefunden, dass …
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BFRT positive Effekte auf die Parameter Schmerz, Muskelkraft und -größe bei Patient*innen
mit Gonarthrose hat.
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der Druck individuell angepasst werden sollte und hier die Manschettenbreite als wichtiger
Faktor gilt.
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ein Low Load Resistance Training mit BFRT ähnliche Effekte zeigt wie ein High Intensity
Resistance Training ohne BFRT.
Limitationen
Limitationen der Bachelorarbeit sieht Nina Sieberer in …
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dem fehlenden Langzeit-Follow-up der inkludierten Studien.
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dem unausgeglichenen Geschlechteranteil der Studien: In drei von fünf Studien wurden
ausschließlich Frauen untersucht.
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dem fehlenden Evaluierungsparameter zur Funktion.
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der geringen Anzahl der eingeschlossenen Studien.
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der mangelhaften Beschreibung der Intervention in den Studien bzw. der Druckanpassung
und der Größe der Manschettenbreite, um dieses Training nachvollziehbar zu machen.
Fazit
Zusammenfassend kann Nina Sieberer festhalten, dass …
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BFRT eine gute Alternative zu intensivem Krafttraining ist.
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für Menschen mit Gonarthrose dieses Training vor allem im Reha-Bereich eingesetzt
werden kann, da sich hierbei die mechanische Gelenkbelastung gering hält.
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die Sicherheit der Trainierenden die oberste Priorität hat. Therapierende sollten
den Druck individuell anpassen, die Kontraindikationen (FRAGEN AN NINA SIEBERER) kennen
und die Intervention im Zweifel nicht durchführen.
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weitere Forschungsarbeiten notwendig sind, um eine längerfristige Wirkung zu untersuchen.
Katrin Veit
Fragen an Nina Sieberer:
Wie genau funktioniert ein BFRT?
Bei einem BFRT, auch Okklusionstraining genannt, wird während des Trainings eine Manschette
am proximalen Arm oder Bein angebracht, um den arteriellen Zufluss in den Muskel zu
beschränken und den venösen Rückfluss aus diesem zu blockieren. Die dadurch entstehenden
ischämischen Bedingungen verursachen eine Reihe von Effekten, die das Muskelwachstum
fördern. Der Druck der Manschette sollte individuell an die Patient*innen angepasst
werden. Da mit nur 20–30 % des 1-Repetition-Maximums trainiert wird, geht man von
einer geringeren mechanischen Gelenkbelastung als bei einem intensiven Krafttraining
aus.
Was sind die Kontraindikationen bei einem BFRT?
Im Grunde genommen ist die BFR-Anwendung in einem kontrollierten Umfeld mit ausgebildetem
und erfahrenem Personal eine sichere Methode – unabhängig von Alter und Trainingszustand.
Dennoch gilt es, die Kontraindikationen dieser Intervention zu beachten. Bei Schwangerschaften,
Krampfadern, einer tiefen Venenthrombose sowie bei anderen Faktoren bezüglich Inaktivität
und Krankheit in der Vorgeschichte sollte man dieses Training nicht durchführen.