Picker N.
et al.
Anticoagulation Treatment in Cancer-Associated Venous Thromboembolism: Assessment
of Patient Preferences Using a Discrete Choice Experiment (COSIMO Study).
Thromb Haemost 2021;
121: 206-215
DOI:
10.1055/s-0040-1714739
Vorherige Richtlinien empfahlen vorrangig niedermolekulares Heparin (NMH) gegenüber
Vitamin-K-Antagonisten, die direkten oralen Antikoagulanzien (DOACs) wurden erst kürzlich
in die Empfehlungen aufgenommen. DOACs wie Rivaroxaban können einige der Nachteile
der anderen Antikoagulanzien abmildern und die gesundheitsbezogene Lebensqualität
verbessern. Die COSIMO (Cancer-associated thrOmboSIs – patient-reported outcoMes with
rivarOxaban) -Studie untersuchte die Behandlungszufriedenheit von Patient/-innen mit
aktiven Krebserkrankungen, die von traditionellen Antikoagulanzien zu Rivaroxaban
wechselten. Die komfortbezogenen Präferenzen der Betroffenen für die antikoagulative
Therapie wurden als sekundärer Outcome der Studie erhoben. Die COSIMO-Studie war eine
multinationale, prospektive, nichtinterventionelle multizentrische einarmige Kohortenstudie.
Inklusionskriterium war ein Lebensalter ≥ 18 Jahre. Picker et al. führten ein Discrete-Choice-Experiment
(DCE) innerhalb der COSIMO-Studie durch. Dabei wurden die Patient/-innen gebeten,
zwischen hypothetischen Behandlungsoptionen auf der Basis bestimmter Vorgaben zu entscheiden.
Die Daten für das DCE wurden mit strukturierten Telefoninterviews zwischen der 4.
und 12. Woche nach Aufnahme in die COSIMO-Studie erhoben. Dabei wurde die Kombination
folgender Attribute vorgegeben:
-
Aufnahmeweg (Injektion oder Tabletten),
-
Häufigkeit der Medikation (1- oder 2-mal täglich),
-
Notwendigkeit regelmäßiger INR-Kontrollen mindestens alle 3–4 Wochen (ja oder nein),
-
Interaktionen mit Lebensmitteln oder Alkohol (ja oder nein) sowie
-
die Entfernung zur behandelnden Ärztin oder zum behandelnden Arzt (1 versus 20 km)
als zusätzliches neutrales Merkmal.
Die Auswertung des Datensatzes erfolgte mit der konditionalen Logit-Regression, die
alle Attribute als unabhängige Variable enthielt.
In die DCE-Analyse wurden 163 Patient/-innen (49,1 % Frauen) im mittleren Alter von
63,7 (SD 10,7) Jahren aufgenommen. Sie wurden in Australien, Belgien, Kanada, Dänemark,
Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Spanien und dem Vereinigten Königreich
rekrutiert. Die Befragten zogen eine orale Gabe deutlich gegenüber Selbstinjektionen
vor. Die Bedeutung dieses Merkmals für die gesamten Behandlungsentscheidungen lag
bei 73,8 %. Auch eine Medikation ohne diätetische Einschränkungen wurde bevorzugt,
die Bedeutung für die Behandlungsentscheidungen betrug 11,8 %. Eine kürzere Entfernung
zur behandelnden Ärztin oder zum behandelnden Arzt beeinflusste die Therapieentscheidungen
weniger bedeutsam mit 7,2 %. Die Bedeutung 1-maliger im Vergleich zu 2-maliger Dosis
pro Tag betrug 6,5 %. Die Notwendigkeit regelmäßiger INR-Kontrollen mindestens alle
3–4 Wochen erwies sich für die Therapieentscheidungen als kaum bedeutsam (0,7 %);
dabei fanden sich allerdings Unterschiede zwischen den Kontinenten. Während in Kanada
oder Australien eher eine Behandlung ohne regelmäßige INR-Kontrollen bevorzugt wurde,
war dies in Europa von nur minimaler Bedeutung.
Ihre Studie zeige, so die Autor/-innen, dass Patient/-innen mit Krebserkrankungen
zur Behandlung des venösen Thromboembolismus Antikoagulanzien mit oraler Gabe deutlich
bevorzugen. Solche individuellen Präferenzen sollten bei einer Langzeittherapie berücksichtigt
werden. So könne die Compliance und damit auch die Effektivität und Sicherheit der
Therapie verbessert werden.