Dubois-Silva Á.
et al.
Prognostic Significance of Concomitant Superficial Vein Thrombosis in Patients with
Deep Vein Thrombosis of The Lower Limbs.
Thromb Haemost 2021;
DOI:
10.1055/a-1414-5055
Für ihre retrospektive Analyse prospektiv erhobener Daten nutzte die Arbeitsgruppe
das RIETE-Register (Registro Informatizado de Enfermedad ThromboEmbólica). In dieses
Register geben 184 Krankenhäuser aus 27 Ländern symptomatische Patientinnen und Patienten
mit objektiv bestätigter akuter TVT, OVT oder Lungenembolie ein, die mindestens 3
Monate nachverfolgt wurden. Da die Variable OVT erst seit 2015 aufgenommen wurde,
berücksichtigten Dubois-Silva et al. Patientendaten zwischen März 2015 und Mai 2020. In
dieser Kohorte verglichen sie die Häufigkeit von nachfolgender Lungenembolie (LE),
rezidivierender TVT, Major-Blutungen oder Tod bei Patientinnen und Patienten mit TVT
ohne oder mit gleichzeitiger OVT. Die Behandlung erfolgte jeweils nach der gängigen
Praxis der teilnehmenden Kliniken, standardisierte Behandlungen oder Empfehlungen
gab es nicht.
Während des Studienzeitraums wurden 8743 Patientinnen und Patienten mit TVT aus RIETE
identifiziert. Bei 745 von ihnen (8,5 %) bestand eine begleitende OVT des ipsilateralen
Beins. Mit 97,4 % erhielten die meisten Betroffenen beider Subgruppen eine antikoagulative
Therapie. Die mediane Dauer betrug bei zusätzlich bestehender OVT 138 versus 147 Tage
bei alleiniger TVT. Der Median des Follow-ups einschließlich des Zeitraums nach Absetzen
der Antikoagulation betrug 193 versus 210 Tage. 844 Patientinnen und Patienten (9,7 %)
verstarben während des Follow-ups. Während dieser Zeit entwickelten 156 Patientinnen
und Patienten (1,8 %) eine LE, 336 (3,8 %) TVT-Rezidive und 201 (2,3 %) Major-Blutungen.
Die Häufigkeit nachfolgender LE war bei Patientinnen und Patienten mit gleichzeitig
bestehender TVT und OVT signifikant höher als bei alleiniger TVT. Das relative Risiko
(RR) betrug 2,11 (95 %-KI 1,33–3,24). Bei der Häufigkeit von TVT-Rezidiven gab es
diese Unterschiede nicht (RR 0,80; 95 %-KI 0,50–1,21), ebenso wenig bei Major-Blutungen
(RR 0,77; 95 %-KI 0,41–1,33). Auch die Häufigkeit der Todesfälle unterschied sich
nicht signifikant (RR 0,81; 95 %-KI 0,61–1,06). In der multivariablen Analyse wurde
der Zeitraum mit antikoagulativer Therapie und der des gesamten Follow-ups getrennt
betrachtet. Für Patientinnen und Patienten mit TVT und gleichzeitiger OVT bestand
ein erhöhtes Risiko für eine nachfolgende LE auch während der Antikoagulation. Das
adjustierte RR (aRR) betrug 2,23 (95 %-KI 2,23; 1,22–4,05). Gleiches galt für den
gesamten Zeitraum des Follow-ups (aRR 2,33; 95 %-KI 1,49–3,66). Somit erwies sich
eine gleichzeitig bestehende OVT bei einer TVT als unabhängiger Prädiktor für eine
nachfolgende LE.
Nach ihrer Analyse, so die Autorinnen und Autoren, erhöhte eine gleichzeitig bestehende
OVT bei Patientinnen und Patienten mit TVT das Risiko für eine Lungenembolie. In weiteren
Studien sollten ihre Ergebnisse validiert werden. Außerdem sei zu untersuchen, ob
diese Patientinnen und Patienten von einer anderen Behandlungsstrategie profitieren
würden. Sie empfehlen außerdem eine routinemäßige Überprüfung der oberflächlichen
Venen bei TVT-Patientinnen und -Patienten, um ein erhöhtes Lungenembolierisiko frühzeitig
zu identifizieren.
Dr. Gabriele Dobler, Berlin