In der Begrüßung klang es an – die Pandemie hat vieles verändert. Das Radiologie Update
fand in diesem Jahr etwas später als gewohnt im Juni sowie im neuen Format der Hybridveranstaltung
im Kongresszentrum Ulm statt. Bewährtes wurde dabei erhalten, so die Top-Qualität
der ReferentInnen, die hochklassigen Diskussionen im Anschluss an die Vorträge wie
auch der kollegiale Austausch.
Eröffnet wurde das Update mit dem Bereich Uroradiologie durch Prof. Michael Uder vom Universitätsklinikum Erlangen. Neben modernster CT-Methoden
zur verbesserten Differentialdiagnose von Nebennieren-Raumforderungen stand die Prostata-Bildgebung
im Fokus. Es wurden u. a. MRT-gesteuertes Screening, verbesserte Reproduzierbarkeit
der Ergebnisse und die ersten Langzeitresultate zur Prostataembolisation vorgestellt.
Neues gibt es auch zur Bosniak-Klassifikation.
Ein Update zur Herzbildgebung gab Prof. Jörn Sandstede von der Radiologischen Allianz Hamburg. Mittels Herz-MRT
lässt sich die Covid-bedingte Myokarditis eindeutig identifizieren, bei der subklinischen
KHK steht die Plaques-Diagnostik im Fokus neuerer Studien und die Photon-Counting
CT wird die Qualität der Herz-CT deutlich verbessern. Zudem wurden standespolitische
Überlegungen (Kostenerstattung für die Herzbildgebung) thematisiert und intensiv diskutiert.
Die Neuradiologie war Thema am Vormittag. Zunächst stellte Prof. Bernd Schmitz vom Universitätsklinikum
Ulm neben vielen weiteren Aspekten die überarbeitete WHO-Gliomklassifikation, Neuerungen
in der Behandlung von Liquor-Venen-Fisteln, Weiterentwicklungen im Monitoring bei
Normaldruckhydrozephalus und Verbesserungen in der Diagnostik einer SLE-Beteiligung
des Gehirns vor. Die Technik der SWI hat zunehmende Bedeutung bei einer Vielzahl von
Erkrankungen.
Ein Update zu interventionell neuroradiologischen Techniken gab Herr Dr. Alexandru Cimpoca von der Neuroradiologischen Klinik des Klinikums Stuttgart.
Zunächst wurde der neue Ansatz eines distalen radialen Zugangs, anschließend neue
interventionelle Ansätze zur Therapie des Hydrocephalus (e-Shuntsystem) und zur Behandlung
der trockenen Makuladegeneration vorgestellt; abschließend der aktuelle Stand bei
Embolisation der A. meningea media zur Behandlung des SDH.
Prof. Jazan Omari, Universitätsklinikum Magdeburg, fasste den aktuellen Stand der Leberdiagnostik zusammen. Das LIRADS-System erfordert zunehmend multiparametrische Leber-MRT Darstellungen
und auch die Verwendung von leberspezifischem Kontrastmittel. Anhand vieler PatientInnen-
Beispiele wurden Aussagekraft und Differentialdiagnose moderner Leberbildgebung dargestellt.
Neuerungen im Bereich der Pankreas- und GIT-Radiologie wurden von Prof. Stefan Schmidt vom Universitätsklinikum Ulm zusammengefasst. Große
Bedeutung kommt der neuen S3-Leitlinie für das Pankreaskarzinom zu. Hier hat nicht
nur die CT Diagnostik, sondern auch das MRT nun einen hohen Stellenwert. Weitere Themen
waren IPMN-assoziierte Veränderungen, Klassifikationssysteme für die Pankreatitis,
prädiktive Parameter hinsichtlich eines Diabetes Typ 2 im CT, Sarkopenie- und CED-Diagnostik.
Frau Dr. Tonja Gaibler, aus der Sozietät Ulsenheimer Friederich Rechtsanwälte PartGmbB
München/Berlin, stellte haftungsrechtliche Aspekte zusammen. Grenzen und Möglichkeiten
der Delegation und die Bedeutung einer korrekten und auch individuellen Aufklärung
standen im Fokus ihres Vortrages, welcher zu einer sehr intensiven und angeregten
Diskussion führte. Wie schon in den Vorjahren zeigte sich, dass gerade rechtliche
Aspekte sowohl im ambulanten als auch im stationären Versorgungsbereich der Radiologie
eine besondere Bedeutung haben.
Prof. Michael Forsting vom Universitätsklinikum Essen hielt einen faszinierenden Keynote-Vortrag, welcher die Herausforderungen, aber auch die immensen Chancen für die Radiologie
in der Zukunft darstellte. Die Künstliche Intelligenz wird die tägliche Arbeit transformieren
und dabei die Radiologen unterstützen, jedoch nicht ersetzen. Entscheidend wird sein,
gemeinsame Datenbanken aufzubauen, um die Eigenständigkeit der Radiologie aufzuzeigen
und zu behalten.
Der zweite Kongresstag wurde durch Prof. Götz Richter vom Klinikum Stuttgart eröffnet,
welcher Neuerungen aus dem Bereich der Gefäßdiagnostik darstellte. Neben der Weiterentwicklung von KM-freien Gefäßdarstellungstechniken
im MRT wurde die Digital Variance Angiographie (DVA) vorgestellt. Neue Verfahren werden
zu einer Reduzierung von Strahlendosis und Kontrastmittelmenge führen. Funktionelle
Methoden wie die „Infinite Analytik“ verbessern das Verständnis von Gefäßpathologien.
Prof. Rüdiger Schulz-Wendland fasste die Neuerung im Bereich der Mammadiagnostik zusammen. Neben der Bedeutung der Zertifizierung von Zentren und Neuerungen im BIRADS-Klassifikationssystem
wurden Weiter- und Neuentwicklungen in Bezug auf Tomosynthese, second-look Ultraschall,
Hybridmethoden (ABUS plus MX) sowie des Photon-Counting Brust-CT vorgestellt. Dies
zeigt die enorme Spannweite sowie Innovationskraft in diesem Gebiet.
Anschließend stellte Prof. Alexander Radbruch vom Universitätsklinikum Bonn neue Aspekte
bezüglich des Managements bei Kontrastmittelextravasaten (neue ESUR-guidelines), der Studienzulage zu Gadolinium-Ablagerung im Gehirn, des
glymphatischen Systems und zuletzt zu Möglichkeiten KI-gestützter Methoden für eine
kontrastmittel-reduzierte Bildgebung dar.
Für die Thoraxradiologie fasst Frau Prof. Julia Ley-Zaporozhan vom LMU Klinikum München zunächst die Neuerung
der Indikationsempfehlungen der AG Thoraxdiagnostik zusammen. Weitere Schwerpunkte
ihres Vortrages waren der aktuelle Stand zu Klassifizierung und Kontrollintervallen
bei Lungenrundherden und die neue EAA-Klassifikation.
In der Sitzung am Freitagnachmittag berichtete Dr. Wolfgang Fischer von der Radiologie
Augsburg/Friedberg über den aktuellen Stand der MSK-Diagnostik. FAI-Diagnostik, Schultergelenks-Diagnostik und Tumordiagnostik waren die Hauptsäulen
des facettenreichen Vortrages mit vielen für die Praxis hochrelevanten Aspekten. Zudem
wurden neue MSK-Klassifikationsmethoden vorgestellt.
Aktuelle Aspekte in der Kinderradiologie wurden von Prof. Meinrad Beer vom Universitätsklinikum Ulm vorgestellt. Dabei wurden
optimierte Algorithmen zur Abklärung von neuroradiologischen Raumforderungen und neue
Klassifikationssysteme für die perinatale Hypoxie ebenso thematisiert wie der Einsatz
der Niederfeld-MRT in der Thoraxdiagnostik, Covid-bedingte Appendizitiden und Neuerungen
in den Sarkom-Leitlinien.
Begleitet von sommerlichen Temperaturen ergab sich ein ganz besonderes Feeling des
Kongresses inklusive des so lange vermissten Austausches am Gesellschaftsabend. Bleibt
vor allem Eines: Die Vorfreude auf viele weitere Radiologie Updates!
Prof. Dr. med. Meinrad Beer
Ulm