Wilhelm Conrad Röntgen wurde am 27. März 1845 als einziges Kind des Tuchfabrikanten
Friedrich Röntgen und dessen Frau Charlotte in Lennep geboren, einem heutigen Stadtteil
von Remscheid. Später siedelte die Familie in die Niederlande über. Nachdem er die
Schule in Utrecht verlassen hatte, ohne sein Abitur abzulegen, zog der junge Röntgen
1865 nach Zürich und begann ein Maschinenbaustudium. Nach seinem Abschluss promovierte
er im Fachbereich Physik und folgte 1870 seinem Mentor August Kundt als dessen Assistent
an die Universität Würzburg. Wenige Jahre später folgte Röntgen August Kundt erneut,
dieses Mal an die neugegründete „Reichs-Universität“ in Straßburg. Dem schlossen sich
Tätigkeiten etwa als Privatdozent an der Akademie Hohenheim an, als ordentlicher Professor
der Physik an der Universität Gießen und schließlich als Professor an der Universität
Würzburg, wo er das Physikalische Institut leitete.
Nobelpreis für Entdeckung der „X-Strahlen“
In Würzburg machte Wilhelm Conrad Röntgen am 8. November 1895 seine berühmte Entdeckung
der „X-Strahlen“ im Zuge seiner Forschung über Kathodenstrahlung. Mit seinen Strahlen
ermöglichte Röntgen es, das bis dahin verborgene Innere eines Organismus sichtbar
zu machen und zu betrachten. Die erste veröffentlichte und zeitlich genau dokumentierte
Röntgenaufnahme war eine, die die Hand seiner Frau Bertha zeigte. Sie stammt vom 22.
Dezember 1895. Die Nachricht von Röntgens revolutionärer Entdeckung verbreitete sich
in Fachwelt und Öffentlichkeit sehr schnell. Röntgen wurde für seine Entdeckung am
10. Dezember 1901 bei der ersten Verleihung der Nobelpreise mit dem Nobelpreis für
Physik geehrt. Den in den Statuten geforderten Vortrag bei der Verleihung hat er aufgrund
seines „Lampenfiebers“, wie er schrieb, nie gehalten. Überhaupt konnte Röntgen, der
als eher bescheidener und introvertierter Mensch beschrieben wird, wenig anfangen
mit seiner weltweit wachsenden Bekanntheit. Für ihn zählten nur fachliche Reputation
und wissenschaftlicher Fortschritt. Seine „X-Strahlen“ ließ er sich nie patentieren.
Röntgens letzte Lebensstation war München. 1900 folgte er dem Ruf als ordentlicher
Professor für Physik an die Ludwig-Maximilians-Universität. Noch in den letzten Lebenstagen
seiner Frau im Jahr 1919 beantragte er die Emeritierung vom Lehrbetrieb, behielt jedoch
die Direktion über die physikalisch-metronomische Sammlung sowie das Benutzungsrecht
zweier Zimmer am Physikalischen Institut, sodass er weiter die Möglichkeit hatte,
wissenschaftlich tätig zu sein. Die Erinnerung an seine Frau und ihre gemeinsame Zeit
prägte seine letzten Lebensjahre. Am 10. Februar 1923 verstarb er mit 78 Jahren in
seiner Münchener Wohnung.