Frau Dr. Müller-Peltzer, warum haben Sie die AG Notfallradiologie gegründet?
Zwischen der Notfall-/intensivmedizinischen Bildgebung und der Elektivbildgebung gibt
es einige wichtige Unterschiede, etwa instabile Patientinnen und Patienten, unklare
Auffindesituationen, unbekannte Patientenhistorien, multiple Fremdmaterialien in und
an den Patientinnen und Patienten, Kontrastmittelgaben trotz Kontraindikationen, akuter
Zeitdruck, zum Teil unplanbarer Workload oder die Durchführung der Bildgebung in Anwesenheit
meist mehrerer Fachdisziplinen. Diese Dinge machen die Arbeit in der Notfall- und
intensivmedizinischen Bildgebung spannend, zugleich stellen sie eine Herausforderung
dar. Nachdem ich 2020 die Leitung der Notfall- und intensivmedizinischen Bildgebung
am Uniklinikum Freiburg übernehmen durfte, wurde ich zunehmend neugierig, wie Kolleginnen
und Kollegen mit diesen Herausforderungen umgehen und welche strukturellen und organisatorischen
Lösungen sie gefunden haben. Ich wünschte mir ein Forum zum Ideenaustausch und zur
Diskussion, das ich nun mit der AG Notfallradiologie begründen konnte. Sie befasst
sich, anders als andere AGs der DRG, organübergreifend mit allen Akuterkrankungen
und vereint Ansprechpartnerinnen -partner verschiedener Bereiche. So setzt sich der
Gründungsvorstand aus Kolleginnen und Kollegen mit Berufserfahrungen in städtischen
Häusern, Praxen, Universitätsklinika und BG-Kliniken zusammen.
Abb. 1 Dr. Müller-Peltzer
Welche Ziele verfolgt die AG?
Ein vorrangiges Ziel der AG ist es, ein Netzwerk von Kolleginnen und Kollegen zu knüpfen,
die für die Notfallradiologie an ihren Kliniken zuständig sind oder sich für dieses
Thema interessieren. Basierend auf diesem Netzwerk soll nicht nur ein Erfahrungsaustausch
ermöglicht werden, sondern auch gegenseitige Kurzhospitationen, um Organisationsstrukturen
an anderen Kliniken kennenzulernen. Interessierten Kolleginnen und Kollegen wollen
wir die Möglichkeit bieten, sich in der Notfall- und intensivmedizinischen Bildgebung
weiterzubilden oder ihr Wissen aufzufrischen.
Neben den häufigen Erkrankungen, den „Klassikern aus dem Dienst“, werden wir in einer
gesonderten Fallsammlung auch Krankheitsbilder abbilden, die in spezialisierten Zentren
gebündelt werden, außerhalb dieser Zentren jedoch seltener auftreten. Ferner möchten
wir Protokollempfehlungen zur Bildgebung nach Reanimation erarbeiten und hier den
Prozess der Standardisierung unterstützen. Zudem möchten wir einen Fokus auf die Kommunikation
im Akutsetting legen und insbesondere unsere jüngeren Kolleginnen und Kollegen dabei
unterstützen, sich in diesem Setting wohlzufühlen und klar zu kommunizieren. Weitere
Themen sind die „preparedness“ für den Massenanfall von Verletzten und Naturkatastrophen
und Strukturierte Befundung von Notfallbefunden.
Wie wird die Zusammenarbeit mit anderen AGs der DRG, anderen radiologischen Gesellschaften
und vielleicht auch mit anderen Fachdisziplinen aussehen?
Die Zusammenarbeit wird über Kooptierungen von Mitgliedern anderer AGs initiiert.
Auf die gemeinsame Arbeit freuen wir uns sehr, sie wird unsere AG vorantreiben.
Die Zusammenarbeit mit den anderen AGs der DRG sowie mit der Deutschen Gesellschaft
für Neuroradiologie, der Deutschen Gesellschaft für interventionelle Radiologie, der
Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Radiologie sowie der Deutschen Gesellschaft
für medizinische Technologinnen und Technologen für Radiologie wird einen zentralen
Punkt in unserer AG-Arbeit einnehmen. Dass wir mit unserer AG eine Notfallsession
im MTR-Programm auf dem Deutschen Röntgenkongress 2024 mitgestalten dürfen, freut
mich sehr.
Auch sind wir sehr an der Mitarbeit von Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fachdisziplinen
interessiert und laden diese zu einer Zusammenarbeit ein. Den Anfang hat ein sehr
geschätzter Kollege aus dem Uniklinikum Freiburg gemacht: PD Dr. med. Dawid Staudacher
ist stellvertretender ärztlicher Leiter der Internistischen Intensivmedizin und vereint
Expertisen in Innerer Medizin, Kardiologie, internistischer Intensivmedizin und Notfallmedizin.
Warum sollte man Mitglied in der neuen AG werden?
Eine Mitgliedschaft in der AG Notfallradiologie ist für alle Kolleginnen und Kollegen
geeignet, die, wie wir, für die Themen der Notfall- und intensivmedizinischen Bildgebung
„brennen“. Wir wünschen uns Mitglieder aus allen Ausbildungsjahren und aus allen Versorgungsstrukturen.
Denn Notfallradiologie ist überall und es ist daher besonders wichtig, dass wir die
Perspektiven und Erfahrungen aus allen Bereichen einfließen lassen können. Ich kann
nur allen Interessieren empfehlen, Mitglied in unserer AG zu werden und an uns, dem
Vorstand, mit dem Wunsch nach Mitgestaltung heranzutreten. Wir freuen uns auf Sie
und Euch!