Der OEGUM-Vorstand freut sich, dass die leitende Oberärztin Frau Dr. Birgit Amort
von der Universitätsklinik Innsbruck, Brust-Gesundheitszentrum Tirol als OEGUM-Kursleiterin
anerkannt ist. Sie hat im Rahmen der OEGUM-Vorstandssitzung über folgendes Thema referiert:
„Kann Real Time Virtuell Sonographie (Technische Fusionssonografie) die MR-Biopsierate senken?“ (lt. OÄ Dr. Birgit Amort,
PD Dr. Leonhard Gruber, Dr. Silke Haushammer, Dr. Martin Daniaux)
Die multimodale Bildgebung ist ein fixer Bestandteil der Mammadiagnostik und eine
nicht mehr verzichtbare Zusammenschau in der Abklärung auffälliger Befunde. Die Mamma-MRT
findet in Österreich breite Anwendung, sowohl zur Klärung von nicht eindeutigen beziehungsweise
diskrepanten Befunden als auch im präoperativen Staging. Das Verfahren zeigt bei einer
sehr hohen Sensitivität eine deutlich niedrigere Spezifität. In ca. 30 % der Mamma-MRTʼs
finden sich neben den bereits bekannten Veränderungen sogenannte incidental enhancing
lesions (IELʼs). Diese führen diagnostisch in vielen Fällen zu Problemen. Üblicherweise
folgt darauf ein targeted second look-Ultraschall. Hier gelingt die Zuordnung der
meist kleinen Läsionen auch bei hohem Ausbildungsgrad und entsprechender Erfahrung
nicht immer.
Als einzige Abteilung in Österreich wird an der Universitätsklinik Innsbruck am Brust-Gesundheitszentrum
Tirol die Real Time Virtual (RVS)-Sonografie durchgeführt.
Material und Methode: RVS-fähiges Ultraschallsystem sowie Daten aus MRT, CT, etc., welche über das lokale
PACS oder über Datenträger eingespielt werden können.
Abb. 1 System, Sensor, externes Magnetfeld.
Indikationen:
Bei negativem second look-Ultraschall bei incidential enhancing lesions(IELʼs) sowie
mass lesions und non mass lesions, im Lokalstaging bei Mammakarzinompatientinnen oder
auch im high risk-Screening bei hoch positiver FA bzw. genetischer Disposition erfolgt
an unserer Abteilung eine RVS.
Vorteile: Synchronisation zweier Modalitäten in Echtzeit. Mit Hilfe der Fusionssonografie können
die meisten Läsionen identifiziert werden. Die Untersuchungszeit ist im Vergleich
zur ansonsten erforderlichen MR-Biopsie deutlich kürzer und patientenfreundlicher.
Zudem ressourcenschonender, da die Kosten und der Zeitaufwand einer MR-Biopsie sehr
hoch sind.
Idealerweise werden Rückenlagesequenzen post KM T1 mithilfe der Body Coil oder CT-Untersuchungen
zur Fusion herangezogen, da hier ähnliche anatomische Verhältnisse vorliegen wie im
Ultraschall. Das FOV bei Rückenlage < als in Bauchlage. Auch die Standard Mamma-MRT
in prone position kann mittels neuer Technologie und gezielt gesetzter Referenzpunkte
zur technischen Fusion genutzt werden. Hier erfordert es jedoch mehr Erfahrung und
eine detaillierte Planung.
Weitere Vorteile: auch axilläre, Brustwarzennahe, sowie Brustwandnahe Läsionen, als auch Läsionen in
unmittelbarer Hautnähe können biopsiert werden.
Vorgangsweise: Einspielen des 3D-Datenvolumens (MRT, CT, etc) gezielt Referenzpunkte setzen. Als
Referenzpunkte bieten sich die Mamille, bekannte Fibroadenome, Clipmarker, Zysten,
Indextumor an.
Die technische Fusion kann nach unseren Erfahrungendie Detektion von IELʼs, mass lesions
und non mass lesions leisten, dadurch bietet die Fusionssonografie eine Möglichkeit
die MR-Biopsierate zu senken. Zur Überprüfung, ob die richtige Targetläsion biopsiert
wurde, ist es notwendig, nach der fusionsgestützten Biopsie eine Clipkontrolle im
MRT durchzuführen.
Ausblicke: nach Evaluierung ausreichend vieler technischer Fusionen kann wahrscheinlich die
Clipkontrolle nach Biopsie zusätzlich eingespart werden.
Abb. 2 Beispiel 1: IEL→ NST, G1 + DCIS.
Abb. 3 Beispiel 2: IEL→ NST, G2.
Fusionsultraschall wird an der Mammadiagnostik Innsbruck seit 2014 im Rahmen einer
Studie und seit 2022 im Routinebetrieb angewendet. Mit Fusionstechnik wurden im Jahr
2023 in Innsbruck 95 Patienten untersucht.