Dr. Ingrid Munk(© privat)
Mit der Griesinger-Medaille ehrt die Berliner Gesellschaft in jedem Jahr herausragende
Persönlichkeiten der
Nervenheilkunde. Dieses Jahr erhält sie Dr. Ingrid Munk. Sie machte es sich zum Ziel,
die Therapie- und
Lebensmöglichkeiten von Menschen mit schweren seelischen Störungen zu verbessern und
engagiert sich in der
Gewaltprävention und der Umsetzung einer offenen Psychiatrie.
Dr. Munk ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Psychotherapeutische
Medizin. Sie ist
Psychoanalytikerin sowie Gruppenanalytikerin und Gruppenlehranalytikerin. Sie studierte
von 1973–1980
Humanmedizin an der Goethe-Universität Frankfurt. Darauf folgte von 1980–1984 ein
Studium der Ethnologie mit
den Schwerpunkten Ethnomedizin, Ethnopsychoanalyse und Sozialpsychologie. Sie promovierte
mit einer
Dissertation zum Thema “Phantasien über die Spirale: Das IUP im Erleben von Frauen
– Eine
medizinpsychologische Untersuchung an 61 IUP-Trägerinnen”.
In den 1980er-Jahren war sie bei Pro Familia und in einer allgemeinmedizinischen Praxis
tätig. In diese Zeit
fällt auch ihr Engagement als Autorin, Schauspielerin und Regisseurin im “Theater
in der Brotfabrik” in
Frankfurt am Main. Danach arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der
Klinik für Psychotherapie
der Universität Marburg. 1990 begann sie als Assistenzärztin in der Klinik für Psychiatrie
und
Psychotherapie am Klinikum Hanau zu arbeiten. Anschließend war sie in der Klinik für
Psychiatrie und
Psychotherapie sowie der Klinik für Neurologie am Klinikum Offenbach tätig. Als Oberärztin
und
Stellvertreterin des Chefarztes fungierte sie von 1998–2001 wieder in Hanau.
Von 2001 bis 2006 leitete sie die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
am
Parkkrankenhaus Leipzig Südost, von 2007 bis 2020 war sie Chefärztin der Klinik für
Psychiatrie,
Psychosomatik und Psychotherapie am Vivantes Klinikum Berlin Neukölln. Von Beginn
ihrer psychiatrischen
Tätigkeit an war sie engagiert in der Arbeit mit Angehörigen und Familien. Ihr besonderes
Interesse gilt der
subjektiven Sicht von Patient*innen sowohl auf ihre Erkrankung und deren Behandlung
als auch auf ihre
gesellschaftliche Stellung und Stigmatisierung.
Im psychiatriepolitischen Bereich engagierte Dr. Munk sich im Arbeitskreis psychiatrischer
Chefärzte und
Chefärztinnen an Allgemeinkrankenhäusern in Deutschland (ackpa). Sie war dort im Vorstand
und als
Moderatorin des “Kommende-Arbeitskreises” zu neuen Projekten in der Sektorversorgung
und des Arbeitskreises
zu Psychopharmaka vertreten. Im Netzwerk für sektorübergreifende psychiatrische Versorgung
wirkte sie in der
Politik, bei Krankenkassen und Krankenhausträgern an der Ermöglichung der strukturellen
Umsetzung von
sektorübergreifender Behandlung in der Psychiatrie mit. Hier ist auch die langjährige
Tätigkeit als
Sprecherin des Medical Board Psychiatrie der sieben psychiatrischen Vivantes Klinika
zu nennen.
Ihr Hauptarbeitsfeld ist die Verbesserung der Therapie- und Lebensmöglichkeiten von
Menschen mit schweren
seelischen Störungen. Diesem Ziel dient die Weiterentwicklung der Sozialpsychiatrie
und die Anwendung
psychotherapeutischer Konzepte in der Psychiatrie. Besonders wichtig ist ihr, die
Stimmen von
Psychiatrieerfahrenen und Angehörigen zu hören und ihnen Raum zu geben. In der Klinik
gilt ihr Engagement
besonders der Gewaltprävention und der Umsetzung einer offenen Psychiatrie. Stets
bleibt dabei Berlin mit
Neukölln im Zentrum ihres Wirkens. Der Bezirk Neukölln hat ihr Engagement 2019 mit
der Verleihung der
Ehrennadel gewürdigt.
Seit ihrem Ruhestand ist sie in eigener Praxis für Psychiatrie und Psychoanalyse,
in der Supervision
verschiedener Klinikteams und in der Leitung von Selbsterfahrungsgruppen für Ärzt’innen
und Psycholog’innen
in Weiterbildung tätig.
Thomas Becker
IMPRESSUM
Prof. Dr. Tom Bschor
Redaktion: Dr. Anja M. Bauer
Berliner Gesellschaft für Psychiatrie
und Neurologie e. V.
Schlosspark-Klinik, Abteilung für
Psychiatrie
Heubnerweg 2, 14059 Berlin
info@bgpn.de, www.bgpn.de