Einleitung
Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung. Mit
den zur Verfügung stehenden Ressourcen gewissenhaft umzugehen, ist eine Aufgabe, die
inzwischen auch die Medizin erreicht hat und in verschiedener Weise diskutiert wird.
Die Radiologie gehört zu den größeren Energieverbrauchern der medizinischen Versorgung,
was hauptsächlich an den energieintensiven bildgebenden Verfahren liegt, die täglich
zum Einsatz kommen. Heye et al. ermittelten für ihr Krankenhaus einen Anteil von 4%
des Gesamtenergieverbrauchs alleine durch MRTs und CTs [1], der genaue Anteil schwankt von Krankenhaus zu Krankenhaus je nach Größe des jeweiligen
radiologischen Instituts. In jedem Fall sind Maßnahmen zur Energieeinsparung in der
Radiologie besonders interessant, weil durch die vergleichsweise hohe Leistungsaufnahme
der verwendeten Geräte Änderungen des Energieverbrauchs stärker ins Gewicht fallen
als in anderen Fachrichtungen.
An unserem Universitätsklinikum (839 Betten, Stand 2022) besteht ein jährlicher Energieverbrauch
von ca. 30 Mio. kWh [2]. Zu den relevanten Energieverbrauchern im radiologischen Institut zählen: drei MRTs
(davon ein 3T-MRT und zwei 1,5T-MRTs), drei CTs, drei Angiografie-Systeme, ein Mammografie-System,
mehrere Röntgensysteme (DR-Systeme und digitale mobile Systeme), drei Ultraschallgeräte,
mehrere Interventionsgeräte (Mikrowellen-Ablation, Thrombektomie, Irreversible Elektroporation
etc.); hinzu kommen noch Raumkühlung, Befundungsarbeitsplätze (PCs + Monitore), Videoprojektoren
in Demoräumen, Raumheizung, Beleuchtung sowie andere kleinere Elektrogeräte.
Der größte Anteil davon kommt, wie bei den meisten radiologischen Instituten, durch
MRTs und CTs zustande. Insbesondere MRTs sind energieintensiv, mehr als alle anderen
gängigen bildgebenden Verfahren der Radiologie [3], kommen zugleich aber nachts und am Wochenende nicht regelmäßig zum Einsatz. Esmaeili
et al. untersuchten die CO2-Bilanz von MRTs und ermittelten einen Gesamt-Verbrauch von 22,4 kg pro Patient [4]. Woolen et al. maßen den Energieverbrauch von MRTs für verschiedene Betriebsmodi
und errechneten, dass das Herunterfahren eines zuvor messbereit gebliebenen MRTs die
Leistungsaufnahme um 25%–33% reduziert; das Aktivieren eines Energiesparmodus, wenn
verfügbar, um weitere 22%–28% [5].
Wir haben im Winter 2022/2023 angesichts der damals gegenwärtigen Energiekrise die
Betriebsart unserer MRTs umgestellt und zusätzlich bei einem Gerät den Energiesparmodus
aktiviert. Dabei haben wir die durch diese Umstellung entstandene Energieeinsparung
gemessen. Erstmalig haben wir dabei nicht Einzelmessungen an den MRTs für die verschiedenen
Betriebsmodi vorgenommen, sondern die festen Zeitpläne für das Herunterfahren der
Geräte geändert und dabei den Energieverbrauch über einen separaten Gebäudeteil hinweg
gemessen, in dem sich die beiden 1,5T-MRT befinden. Dadurch konnten wir die realen
Auswirkungen einer Umstellung erfassen, inklusive indirekter Änderungen am Gesamtenergieverbrauch,
die sich durch die Umstellung der MRT-Betriebsart ergeben.
Material und Methoden
Da keine Patientendaten verwendet wurden, entfiel die Notwendigkeit, die Studie der
Ethikkommission zur Beratung vorzulegen.
Unsere MRTs wurden bis zum 11.10.2022 – abgesehen von Notfällen nachts und am Wochenende
– nach einem festen Schema betrieben: Dienstagnacht und über das Wochenende wurden
sie heruntergefahren. Montag-, Mittwoch- und Donnerstagnacht blieben sie nachts messbereit.
Dieses Schema wird im Folgenden als „Szenario 1“ bezeichnet. Mit dem Begriff „Wochenende“
wird der Zeitraum „Freitagnacht + Samstag + Sonntag“ beschrieben.
Seit der Umstellung am 12.10.2022 wird ein neues Schema verwendet: Die MRTs werden
jede Nacht und über das Wochenende heruntergefahren, zusätzlich ist der Energiesparmodus
bei den Geräten, für die er verfügbar ist, aktiviert. Dieses Schema wird im Folgenden
als „Szenario 2“ bezeichnet. Für eine Visualisierung der beiden Szenarien, vgl. [Abb. 1].
Abb. 1 Szenario 1 (= MRTs Dienstagnacht und am Wochenende heruntergefahren; Montag-, Mittwoch-
und Donnerstagnacht messbereit; Energiesparmodus von MRT 1 deaktiviert) und Szenario
2 (= MRTs jede Nacht und am Wochenende heruntergefahren; Energiesparmodus von MRT
1 aktiviert) jeweils schematisch im Zeitraum von einer Woche dargestellt. Der Begriff
„Wochenende“ bezeichnet den Zeitraum „Freitagnacht + Samstag + Sonntag“. Violett =
klinischer Betrieb, blau = messbereit, gelb = heruntergefahren (ohne Energiesparmodus),
grün = heruntergefahren (mit Energiesparmodus). Zeichnung nicht maßstabsgetreu.
Die drei an unserem Institut betriebenen MRT-Geräte sind: ein 1,5T Siemens Magnetom
Sola (im Folgenden „MRT 1“), ein 1,5T Siemens Magnetom Avanto fit (im Folgenden „MRT
2“) und ein 3T Siemens Magnetom Skyra, welches in den durchgeführten Messungen nicht
berücksichtigt ist, da es in einem separaten Gebäudetrakt installiert ist und hierbei
der selektive Energieverbrauch nicht zusätzlich ermittelt werden konnte. Für die Herstellerangaben
zu den Geräten und ihrer jeweiligen Leistungsaufnahme siehe [Tab. 1].
Tab. 1 Durchschnittliche Leistungsaufnahme der MRTs.
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System aus
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System Messbereit
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Typische Messung
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Durchschnittliche Leistungsaufnahme der an unserem Institut betriebenen MRTs laut
Herstellerangaben. Beide Geräte verwenden ein Gradientensystem mit 45 mT/m maximaler
Amplitude sowie 200 T/m/s maximaler Anstiegsrate.
* Energiesparmodus aktiviert
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MRT 1
(Siemens Magnetom Sola)
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4,3 kW*
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8,7 kW
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22,7 kW
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MRT 2
(Siemens Magnetom Avanto fit)
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6,1 kW
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9,3 kW
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19,0 kW
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Aus der Umstellung ergeben sich zwei Zeiträume, in denen (bei unverändertem Patientenaufkommen
außerhalb des klinischen Betriebs) eine Einsparung stattfindet: Dienstagnacht und
am Wochenende ist seit Szenario 2 der Energiesparmodus von MRT 1 aktiviert und senkt
den Energieverbrauch im heruntergefahrenen Zustand noch weiter. Dies bewirkt der Energiesparmodus
durch automatisches Abschalten des Kompressors für die Helium-Kühlung, wenn dieser
nicht benötigt wird. Montag-, Mittwoch- und Donnerstagnacht sind seit Szenario 2 beide
Geräte heruntergefahren, statt wie in Szenario 1 messbereit zu bleiben. In diesem
Zeitraum findet zusätzlich ebenfalls eine Einsparung durch den Energiesparmodus von
MRT 1 statt. Für den Energieverbrauch im klinischen Betrieb (07:00–19:00 Uhr) ist
keine Änderung zu erwarten.
Der Energieverbrauch wurde über zwei Zeiträume hinweg für je eines der Szenarien gemessen
und anschließend miteinander verglichen. Dabei wurde der Energieverbrauch nicht an
den Geräten selbst, sondern für einen separaten Gebäudeteil, in dem sich MRT 1 und
MRT 2 befinden, ermittelt. Dadurch konnten wir neben den direkten Auswirkungen der
Umstellung (= reduzierte Leistungsaufnahme der MRTs) auch die indirekten Auswirkungen
(z.B. geringere Geräte- und Raumkühlung) miterfassen. In dem separaten Gebäudeteil
sind an bildgebenden Systemen nur MRT 1 und MRT 2 untergebracht, es ist also ein reiner
MRT-Gebäudeteil. In den Messzeiträumen wurden alle anderen beeinflussbaren Variablen
(Raumkühlung, Befundungsarbeitsplätze, Licht etc.) im Wesentlichen unverändert gelassen.
Dadurch kann angenommen werden, dass Unterschiede im Energieverbrauch zwischen den
beiden Zeiträumen größtenteils auf unsere bewusste Veränderung der Betriebsart der
MRTs (Herunterfahren der Geräte/Aktivieren des Energiesparmodus) zurückzuführen sind.
Für Szenario 1 haben wir dabei den Zeitraum 07.02.2022–20.02.2022 gewählt, für Szenario
2 den Zeitraum 06.02.2023–19.02.2023. Die Zeiträume wurden so festgelegt, damit möglichst
wenig Schwankungen im Energieverbrauch durch unterschiedliche Jahreszeiten auftreten
sollten. Die Messung des Energieverbrauchs erfolgte, indem der aktuelle Zählerstand
in kWh alle 15 Minuten von einem Messgerät aufgezeichnet wurde. Für die Auswertung
wurden die viertelstündlichen Messungen zu stündlichen aufaddiert, so ergeben sich
übersichtlichere Graphen. Wir haben uns außerdem dazu entschieden, in der Auswertung
die Start- und Endpunkte für den Zeitraum des klinischen Betriebs von Hand festzulegen,
weil die Abschaltzeiten der MRTs tägliche Schwankungen aufweisen. So konnten wir vermeiden,
dass vermeintliche Differenzen im nächtlichen Betrieb entstehen, weil ein Gerät an
einem Tag länger oder kürzer betrieben wurde als üblicherweise. Verbrauchsspitzen
durch außerplanmäßigen MRT-Betrieb (z.B. im Nacht- oder Wochenenddienst) sowie Zeiträume,
in denen die Vorgaben zum Herunterfahren nicht exakt eingehalten wurden, wurden von
den Berechnungen ausgeschlossen.
Zur Auswertung der Auswirkungen auf den klinischen Betrieb haben wir die Einträge
in unserem digitalen Terminplaner sowie im zusätzlich handschriftlich geführten Fehlerbuch
in den zwei Jahren vor und zwei Jahren nach der Umstellung zusammengetragen und gegenübergestellt.
Ergebnisse
In [Abb. 2] sind die Ergebnisse der Messungen grafisch dargestellt. Die Einsparungen durch den
Energiesparmodus von MRT 1 ergeben sich aus den Differenzen im Zeitraum von Dienstagnacht
und am Wochenende (blaue Flächen). In den Messungen zeigte sich ein durchschnittlicher
Unterschied von 2,15 kW. Die Einsparungen durch die Kombination aus Energiesparmodus
von MRT 1 sowie dem Herunterfahren beider Geräte (violette Flächen) betrugen 9,19
kW, somit errechnet sich für den reinen Effekt des Herunterfahrens der beiden MRT-Geräte
eine Einsparung von ca. 7,04 kW.
Abb. 2 Durchschnittliche stündliche Leistungsaufnahme des separaten MRT-Gebäudeteils während
Woche 2. Der graue Graph beschreibt die Werte aus 2022 (= Szenario 1), der blaue die
aus 2023 (= Szenario 2). Die vertikalen blauen Linien geben die manuell festgelegten
Start- und Endpunkte des klinischen und des außerplanmäßigen Betriebs an. Blaue Flächen
beschreiben eine Einsparung durch die Aktivierung des Energiesparmodus von MRT 1.
Violette Flächen beschreiben eine Einsparung durch die Kombination aus dem aktivierten
Energiesparmodus von MRT 1 sowie dem Herunterfahren beider Geräte. Montagmorgen war
in beiden Jahren nur eines der beiden Geräte heruntergefahren, deswegen liegen die
Graphen in dieser Zeit höher. Freitagnacht/Samstagmorgen war 2022 ebenfalls nur eines
der beiden Geräte heruntergefahren, weshalb in dieser Zeit ebenfalls der Graph höher
liegt. Samstagnachmittag fand 2023 eine außerplanmäßige Untersuchung statt.
Man kann unsere Ergebnisse nun mit den Herstellerangaben zur Leistungsaufnahme der
beiden MRT-Geräte vergleichen, um eine Schätzung dafür zu erhalten, welcher Teil der
Gesamteinsparung auf indirekte Auswirkungen zurückzuführen ist. Laut Herstellerangaben
([Tab. 1]) ist eine Reduktion der Leistungsaufnahme von 7,6 kW zu erwarten (Differenz aus
„System messbereit“ mit 8,7 kW + 9,3 kW und „System aus“ mit 4,3 kW + 6,1 kW: 18 kW–10,4
kW = 7,6 kW). Die praktische Einsparung in unseren Messungen betrug 9,19 kW, d.h.
um 21% mehr als nach Herstellerangaben erwartet. Dies könnte im Wesentlichen durch
indirekte Energieeinsparung wie z.B. verminderte Geräte- und Raumkühlung bedingt sein.
Für eine Jahreshochrechnung der Gesamteinsparung wurde angenommen, dass die Betriebszeiten
der MRTs unter der Woche von 7:00 Uhr bis 19:00 Uhr sind, und dass der Betrieb nachts
und am Wochenende nur außerplanmäßig stattfindet. Über das Jahr hochgerechnet konnten
damit an unserem Institut durch die Umstellung von Szenario 1 auf Szenario 2 für die
beiden gemessenen MRTs jährliche Einsparungen von bis zu 25000 kWh erreicht werden
(außerplanmäßiger Betrieb nicht berücksichtigt). Für detailliertere Informationen
zur Berechnung, siehe [Tab. 2]. Je nach Energiepreis (der in der Industrie sehr variabel ausfallen kann, der Durchschnitt
lag 2024 bei 16,65 ct/kWh [6]) entspricht das aktuell jährlichen Einsparungen von ca. 4200€. Die jährlich eingesparten
CO2-Emissionen betragen etwa 10t, ausgehend von einem Emissionsfaktor von 380g CO2/kWh (deutscher Strommix) [7]. Siehe auch [Tab. 3] für eine genauere Berechnung.
Tab. 2 Gemessene Leistungsaufnahmen der beiden Szenarien.
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Szenario 1
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Szenario 2
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Differenz
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Die durchschnittliche Gesamt-Leistungsaufnahme des separaten Gebäudeteils, in dem
die beiden MRTs untergebracht sind, in den verschiedenen Zeiträumen für beide Szenarien
sowie eine Hochrechnung des Energieverbrauchs nachts und am Wochenende für das gesamte
Jahr.
KI: Konfidenzintervall
„WE“/„Wochenende“ bezeichnet den Zeitraum „Freitagnacht + Samstag + Sonntag“.
* Ausgehend von 12h klinischem Betrieb an Wochentagen. Der Zeitraum „Dienstagnacht
+ Wochenende“ entspricht somit 72 h/w, der Zeitraum „Montag-, Mittwoch- und Donnerstagnacht“
36 h/w.
Exemplarische Rechnung: (72 h/w · 16,83 kW + 36 h/w · 23,96 kW) · 52 w/a = 107865 kWh/a.
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Leistungsaufnahme
Di Nacht + WE
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16,83 kW
(95%-KI: 16,71–16,95)
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14,68 kW
(95%-KI: 14,52–14,83)
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2,15 kW
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Leistungsaufnahme
Mo, Mi, Do Nacht
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23,96 kW
(95%-KI: 23,87–24,05)
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14,77 kW
(95%-KI: 14,65–14,89)
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9,19 kW
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Energieverbrauch nachts und am WE pro Jahr hochgerechnet*
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107865 kWh
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82611 kWh
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25254 kWh
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Tab. 3 Energieeinsparung, Kosteneinsparung und CO2-Einsparung.
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Jährliche Energieeinsparung
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Jährliche Kosteneinsparung*
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Jährliche CO2-Einsparung**
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* bei einem Preis von 16,65 ct/kWh
** bei einem Emissionsfaktor von 380 g CO2/kWh
Energie-, Kosten- und CO2-Einsparung bei der Umstellung von Szenario 1 auf Szenario 2 (gemessene Werte für
zwei MRTs) sowie eine Extrapolation für das Szenario, dass ein MRT zuvor immer messbereit
gelassen wurde und nun konsequent außerhalb des klinischen Betriebs heruntergefahren
wird (= Szenario 2).
Alle Energiepreise inklusive Steuern. Durchschnittlicher Preis in der deutschen Industrie
2024: 16,65 ct/kWh. Quelle: Statista [6]
CO2-Emissionsfaktor für den deutschen Strommix 2024: 380 g CO2/kWh. Quelle: Statista [7]
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Messung:
Szenario 1 → Szenario 2
(für zwei MRTs)
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25254 kWh
|
4205€
|
9,60 t
|
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Extrapolation:
„Immer messbereit“ → Szenario 2
(für ein MRT)
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19768 kWh
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3291€
|
7,51 t
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Aus unseren Auswertungen der Fehlerprotokolle ergibt sich folgende Anzahl an fehlerhaften
Gerätestarts: 14 Ereignisse in den zwei Jahren vor der Umstellung, als noch zweimal
pro Woche neu gestartet wurde, und 16 Ereignisse in den zwei Jahren, seitdem fünfmal
pro Woche neu gestartet wird.
Szenario 1 stellt bei uns bereits eine optimierte Strategie dar, weil die MRTs Dienstagnacht
und am Wochenende bereits vor der Umstellung der Betriebsart heruntergefahren wurden.
Man kann daher unsere Ergebnisse noch weiter extrapolieren, um eine Schätzung zu erhalten,
wie viel Einsparung sich erreichen lässt, wenn ein MRT-Gerät bisher jede Nacht und
am Wochenende messbereit gelassen wurde und nun konsequent in diesem Zeitraum heruntergefahren
wird (Energiesparmodus nicht berücksichtigt). Für die Reduktion der Gesamt-Leistungsaufnahme
wurde die Hälfte des Werts angenommen, den unsere beiden gemessenen MRTs kombiniert
durch das reine Herunterfahren (ohne Energiesparmodus) eingespart haben, also 7,04
kW/2 = 3,52kW Einsparung. Der Zeitraum, in dem die Einsparung dann stattfindet, ist
Montag- bis Donnerstagnachts sowie am Wochenende (= 108 h/w). Daraus ergeben sich
jährliche Einsparungen von bis zu 108 h/w · 52w · 3,52 kW ≈ 20000 kWh pro MRT-Gerät,
entsprechend einer Geldeinsparung von ca. 3300€ sowie einer CO2-Einsparung von etwa 8t ([Tab. 3]).
Diskussion
Die Nachhaltigkeit in der Radiologie zu verbessern, ist auch im Sinne einer patientenzentrierten
Radiologie, wie sie von Schreyer et al. beschrieben wird [8]. Denn 94% aller EU-Bürger geben an, dass ihnen Umweltschutz wichtig ist [9]. Das Thema „Nachhaltigkeit in der Radiologie“ findet auch in der Literatur Beachtung;
in den letzten Jahren sind bereits mehrere Artikel erschienen, die die verschiedenen
Möglichkeiten aufzeigen, wie die Radiologie im Allgemeinen nachhaltiger gestaltet
werden kann [10]
[11]
[12]
[13]. Nach Palm et al. lässt sich Nachhaltigkeit (nicht nur) in der Radiologie zudem
in drei Säulen aufteilen: Ökologie, Ökonomie und soziale Komponente [14]. Dass vor allem die Säule „Ökologie“ (und seit den zwischenzeitlich stark gestiegenen
Energiekosten auch „Ökonomie“) so viel Beachtung erhält, liegt vermutlich an den vielen
Ressourcen (Energie, Kühlung, Helium), die von CTs und MRTs verbraucht werden.
Wie Woolen et al. bereits zeigen konnten, besteht bei MRTs ein hohes Einsparpotenzial,
weil die verschiedenen Betriebsmodi (insbesondere messbereit vs. heruntergefahren)
eine weite Spanne im Energieverbrauch haben [5]. Wir haben die Einsparung durch solch eine Umstellung in der Praxis gemessen und
konnten erstmalig belegen, wie groß eine derartige Umstellung in der Realität, inklusive
aller indirekten Auswirkungen, ausfällt.
Es ist zu beachten, dass die MRTs an unserem Institut bereits vor der Umstellung Dienstagnacht
und am Wochenende heruntergefahren wurden. Die errechnete jährliche Einsparung von
etwa 25000 kWh ist daher als Optimierung einer von vornherein bereits teiloptimierten
Strategie anzusehen. An radiologischen Instituten, die ihre MRTs bisher überhaupt
nicht oder nur selten heruntergefahren haben, bietet sich entsprechend ein noch höheres
Einsparpotenzial durch das nächtliche Abschalten der MRTs. Heye et al. schätzen, dass
etwa 50% aller bildgebenden Systeme nicht über Nacht heruntergefahren werden [15]. Deshalb ist es besonders wichtig, dass dieses Thema künftig noch mehr Beachtung
findet.
Die Aussagekraft unserer Daten ist dadurch eingeschränkt, dass nur ein Zeitraum von
zwei Wochen betrachtet wurde. Es besteht die Möglichkeit, dass zu anderen Jahreszeiten
die Einsparung (insbesondere für die indirekten Auswirkungen wie Raumkühlung) leicht
unterschiedlich ausfällt, da im Untersuchungsraum eine konstante Temperatur gehalten
werden muss. In unseren Messungen betrugen die Außentemperaturen während Szenario
1 durchschnittlich 4,6°C [16] und während Szenario 2 durchschnittlich 0,9°C [17]. Wir gehen davon aus, dass diese Schwankungen in der Realität nur gering ausfallen
(bzw. sich über das Jahr hinweg ausgleichen) und die Extrapolation der Daten auf ein
Jahr damit realitätsnah ist. Zukünftige Studien zum Thema könnten diesen Effekt allerdings
genauer untersuchen.
Ferner ist bei den Hochrechnungen der Einsparung auf ein Jahr zu berücksichtigen,
dass außerplanmäßige MRT-Untersuchungen (z.B. Notfälle nachts/am Wochenende) nicht
berücksichtigt werden können und somit von einem „idealen“ Betrieb (= ohne ungeplante
Untersuchungen außerhalb des klinischen Betriebs) ausgegangen wird. In der Realität
dürfte die tatsächliche Einsparung etwas geringer ausfallen. In unseren beiden Untersuchungszeiträumen
von je zwei Wochen fanden 2022 vier Untersuchungen und 2023 drei Untersuchungen außerhalb
des klinischen Betriebs statt, alle davon am Wochenende.
Eine weitere Limitation unserer Daten ist, dass keine Einzelmessungen an den MRTs
durchgeführt wurden. Dadurch besteht die Möglichkeit, dass kleinere Änderungen im
Grundstromverbrauch unbemerkt geblieben sind. Zukünftige Studien zum Thema könnten
die Abweichungen von den Herstellerangaben und das genaue Ausmaß der indirekten Auswirkungen
untersuchen sowie Schwankungen im Grundverbrauch erfassen, indem der Stromverbrauch
sowohl des Gebäudeteils als auch der MRTs (einzeln) gemessen wird.
Die Auswertung der Fehlerprotokolle ist mit gewissen Einschränkungen verbunden, da
die Fehler unabhängig vom Ein- oder Ausschaltvorgang sein können oder gelegentlich
versehentlich nicht dokumentiert werden. Nichtsdestotrotz lässt sich aus unseren Protokollen
kein Anhalt dafür erkennen, dass eine Einschränkung des klinischen Betriebs durch
die Umstellung entstanden wäre. Obwohl seitdem 2,5-mal so häufig neu gestartet wird,
ist die Anzahl an Fehlereinträgen nahezu identisch geblieben.
Das Herunterfahren von MRTs außerhalb des klinischen Betriebs ist nur eine Möglichkeit,
um unnötige Energiekosten zu vermeiden. Für CTs ist das Herunterfahren außerhalb des
klinischen Betriebs zwar nicht generell empfehlenswert, weil sie häufig für die Notfall-Patientenversorgung
benötigt werden. Gerade aber wenn mehrere Geräte in einem Institut zur Verfügung stehen,
gibt es die Möglichkeit, zumindest einige von ihnen herunterzufahren und so unnötigen
Energieverbrauch zu vermeiden, ohne die Patientenversorgung zu gefährden. Brown et
al. ermittelten hierfür ein Einsparpotenzial von 14000 kWh jährlich pro Gerät [18]. Dieses Problem der Notfall-Patientenversorgung ist bei MRTs in der Regel nicht
gegeben, weil die Ankunft eines notfallmäßig angemeldeten Patienten üblicherweise
deutlich länger dauert als ein MRT-Gerät zum Hochfahren benötigt (bei uns je nach
Gerät etwa 6–7 min).
Ein weiterer Ansatz zum Energiesparen ist das nächtliche Abschalten von Befundungsarbeitsplätzen,
wie Prasanna et al. und McCarthy et al. herausfanden [19]
[20]. Büttner et al. stellten allerdings fest, dass dadurch mehr Personalkosten verursacht
als Energiekosten gemindert werden [21]. Ein vollautomatisiertes Abschalten nach Zeitplan wie bei Hainc et al. scheint daher
ein besser geeigneter Ansatz zu sein [22]. Heye et al. fanden heraus, dass darüber hinaus Einsparpotenzial auch für weniger
energieintensive elektronische Geräte (Computer, Smart Monitore, Drucker) besteht,
die unnötigerweise über Nacht angeschaltet bleiben [15]. Dass man schon beim Bau einer radiologischen Praxis für mehr Nachhaltigkeit sorgen
kann, zeigten Klein et al. [23].
Auch liefern MRT-Hersteller seit einigen Jahren zunehmend häufiger Energiesparmodi
für ihre Geräte aus, sodass neue MRTs schon ab Werk einen niedrigeren Verbrauch haben.
An unserem Institut konnte der Energiesparmodus für zwei Geräte per reinem Software-Update
nachgerüstet werden, ohne dass Veränderungen an der Hardware notwendig waren. Für
Betreiber eines MRT-Geräts kann es sich bei fehlendem Energiesparmodus entsprechend
durchaus lohnen, beim Hersteller nachzufragen, ob eine Nachrüstung möglich ist. Die
Deutsche Röntgengesellschaft empfiehlt darüber hinaus in ihrer „Initiative Nachhaltigkeit“,
beim Neukauf von CT- und MRT-Geräten auf einen Energiesparmodus zu achten [24]. Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse ein Anlass sind, dass in Zukunft auch das Herunterfahren
von MRTs außerhalb des klinischen Betriebs als generelle Empfehlung aufgenommen wird.
In den Handlungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Physik wird
bereits empfohlen, MRTs nicht unnötig messbereit zu lassen [25].
Es ist zu erwarten, dass die Zukunft noch mehr Möglichkeiten zur Optimierung bringt,
beispielsweise könnten schon in Kürze durch Künstliche Intelligenz (KI) gestützte
MRT-Aufnahmen geringere Aufnahmezeiten bei vergleichbarer Bildqualität bringen [26]
[27]
[28], was als positiven Nebeneffekt die oftmals langen Wartezeiten für MRT-Termine reduzieren
würde. Doo et al. merken hierbei an, dass KI aufgrund des hohen Energieverbrauchs
von Entwicklung und vor allem Cloud-Speichern auch Nachteile im Hinblick auf Umweltfreundlichkeit
bringen kann. Die Vorteile sind allerdings vielfältig, weshalb sie zehn Empfehlungen
formulieren, wie man die positiven Effekte von KI möglichst umweltfreundlich nutzen
kann [29].
Schlussfolgerung
Energiesparmaßnahmen im eigenen radiologischen Institut einzuführen, kann sich in
vielen Fällen lohnen. Das Herunterfahren von MRTs außerhalb der Nutzungszeiten und
das Aktivieren eines Energiesparmodus, falls verfügbar, sind einfache und effektive
Möglichkeiten, um das eigene radiologische Institut nachhaltiger zu machen und dabei
zugleich Geld einzusparen. Dabei erfordern sie nur wenig Aufwand in der Umsetzung
und bringen keine erkennbaren negativen Auswirkungen auf die Patientenversorgung mit
sich.
Klinische Relevanz der Studie
Klinische Relevanz der Studie
-
Nachhaltigkeit wird von vielen Menschen gewünscht und sollte im Sinne einer patientenzentrierten
Radiologie auch dort Beachtung finden.
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An vielen Krankenhäusern bleiben MRTs auch außerhalb des klinischen Betriebs messbereit,
obwohl dafür keine Notwendigkeit besteht.
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Wir haben die in der Praxis erreichbare Energieeinsparung durch Änderungen im Betriebsmodus
von MRTs im stationären Routinebetrieb gemessen und konnten zeigen, dass die Umstellung
mit wenig Aufwand gelingt und effektiv den Energieverbrauch senkt.