Prävention im Allgemeinen und Diabetes-Prävention im Speziellen sind eine gesamt-gesellschaftliche
Aufgabe, die es als Herausforderung künftig zu lösen gilt.
Bedingt durch drastische Veränderungen des Lebensstils ist seit ca. 20 Jahren weltweit
ein Anstieg von Häufigkeit und Ausmaß der Übergewichtigkeit zu verzeichnen [1]. Aus diesem Grund müssen alle Anstrengungen unternommen werden, um die Integration
von Programmen zur primären Prävention des Typ-2-Diabetes in die Versorgungsstruktur
voranzubringen. Die Evidenz aus großen prospektiven, randomisierten Studien dafür,
dass Maßnahmen zur Prävention des Typ-2-Diabetes langfristig erfolgreich und effektiv
sind, ist hoch. Es ist daher dringend notwendig herauszufinden, wie die Studienerfahrungen
flächendeckend praktisch umgesetzt werden können. Dabei können größer angelegte Gesundheitsnetze
und Gesundheitsregionen eine entscheidende Rolle spielen. Daraus ergibt sich für den
Hausarzt eine Schlüsselposition - aufgrund seiner Rolle in der Versorgungskette und
seiner Glaubwürdigkeit durch die langjährige Betreuung seiner Patienten wie auch von
Hochrisikopersonen.
Aktuelle Studien zu Präventionsansätzen
Prävention wirkt; dies haben zahlreiche Studien in den vergangenen Jahren weltweit
gezeigt. Es ist durchaus bekannt, dass eine positive Veränderung des Lebensstils (gesund
erhaltende Ernährung, mehr Bewegung, Stressreduktion, nicht Rauchen usw.) das individuelle
Krankheitsrisiko für Adipositas, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung, metabolisch-vaskuläres
Syndrom und Typ-2-Diabetes drastisch reduzieren kann. Wenig kommuniziert wurde indessen,
dass schon geringe Veränderungen, wie z. B. die Nutzung eines Pedometers (Schrittzähler),
erfolgversprechend sind, und dadurch das Krankheitsrisiko sinken kann. So hat eine
amerikanische Studie gezeigt, dass durch den Einsatz von Pedometern die körperliche
Aktivität der Teilnehmer signifikant erhöht werden konnte [2]. Zudem wurde in einer schwedischen Studie nachgewiesen, dass die Steigerung der
körperlichen Aktivität im mittleren Lebensalter möglicherweise den gleichen positiven
Effekt auf die Reduzierung der Sterblichkeit hat wie das Beenden des Rauchens [3].
Einen weiteren Beleg dafür, wie wichtig eine positive Veränderung des Lebensstils
ist, liefert eine prospektive Studie, die den Zusammenhang zwischen dem Body-Mass-Index
(BMI) und der Sterblichkeit untersuchte. Das Ergebnis zeigt, dass eine Erhöhung des
BMI um 5 kg/m2 einen Anstieg der Sterblichkeitsrate um 30 % zur Folge hat [4]. Neben den positiven Effekten auf die Lebenserwartung eines Menschen wirken sich
Präventionsmaßnahmen zudem auch günstig auf das Stressempfinden und die Stressresistenz
der Teilnehmer aus [5].
Mini-CD: Prävention vor Kuration
Die wichtigste Frage ist jedoch, wie Menschen für eine positive Lebensstiländerung
motiviert werden können. Erfolgversprechend scheint der Einsatz von (finanziellen)
Anreizen für die Teilnehmer von Präventionsmaßnahmen. So konnte eine aktuelle Studie
zeigen, dass Teilnehmer, die einen finanziellen Bonus erhielten, kurzfristig deutlich
mehr Gewicht abnahmen, als die Teilnehmer ohne finanziellen Anreiz [6].
Prävention vor Kuration
Prävention wird derzeit noch nicht in ausreichendem Maße zur Krankheitsvorbeugung
genutzt, obwohl die wissenschaftliche Datenlage zu den Möglichkeiten der Primärprävention
eindeutig positiv ist. Die DiabetesStiftung DDS hat die Thematik in der Broschüre
"Prävention vor Kuration. Gesundheit 2010 - unsere Chance" aufgegriffen, um zentrale
Akteure auf dem Gebiet der Prävention zu mobilisieren. Die Publikation verdeutlicht
anschaulich die Bedeutung und Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen sowie die daraus
resultierende Notwendigkeit, Prävention perspektivisch auf die politische Agenda zu
setzen [7] (www.diabetesstiftung.de).
Fazit: Prävention ist wichtig und richtig
-
Der Hausarzt hat bei der Risikoerkennung und Motivation zur Teilnahme an Präventionsmaßnahmen
einen entscheidenden Status. Durch die hohe Compliance der Patienten ist das Setting
Hausarzt besonders geeignet, um Risikopersonen zu identifizieren und zu motivieren,
an Präventionsmaßnahmen teilzunehmen.
-
Prävention kann zur Steigerung der Lebensqualität beitragen.
-
Prävention fördert eigenverantwortliches "Gesundheitshandeln".
-
Typ-2-Diabetes kann durch Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention signifikant
reduziert werden.
-
Die vorhandenen und wissenschaftlich evaluierten Strategien der Prävention und Gesundheitsförderung
sind wirksam und zugleich kosteneffektiv.
-
Gezielte Präventionsmaßnahmen können zur Reduzierung der Krankheitskosten führen.
-
Die Motivation zur Teilnahme an Präventionsmaßnahmen kann in der Hausarztpraxis erfolgreich
ablaufen.
© Deutsche Diabetes-Stiftung
Text: Dinah Köhler, Dipl.-Gesundheitswirtin
eMail: dinah.koehler@diabetesstiftung.de