Das Modell der intentionalen Beziehungen hilft, die Verbindung zwischen Ergotherapeuten
und Klienten besser zu verstehen und zu nutzen. Renée Taylor vom Department of Occupational
Therapy in Chicago, USA, entwickelte es in einem Zeitraum von 3 Jahren. Innerhalb
eines Literaturreviews hatte sie einen Wandel im „Use of self”, also dem Nutzen der
therapeutischen Beziehung zwischen Therapeutin und Klient, in den letzten drei Jahrhunderten
festgestellt. Aus diesem ging der klientenzentrierte Ansatz der Neuzeit hervor, bei
dem die Betätigung im Zentrum der Intervention steht. Die Forscherin will mit ihrem
Modell Fragen zu Definition, Einsatz und Relevanz der therapeutischen Beziehung beantworten.
Zu diesem Zweck befragte sie landesweit 1.000 Ergotherapeuten zu ihrem Wissen, ihren
Einstellungen und Verhaltensweisen bezüglich des „Use of self”. Außerdem interviewte
sie weltweit 12 Kollegen, die sich durch besondere Fähigkeiten beim erfolgreichen
Aufbau therapeutischer Beziehungen mit verschiedensten Menschen ausgezeichnet hatten.
Das daraus abgeleitete Modell der intentionalen Beziehungen gliedert die therapeutische
Verbindung in 4 Elemente: Klient, interpersonelle Therapieereignisse, Therapeutin
und Betätigung. Taylor stellt unter anderem fest, dass es keine einheitliche therapeutische
Haltung gibt, sondern dass eine gute Therapeutin sich dadurch auszeichnet, flexibel
mit unterschiedlichen Klienten und Situationen umzugehen. Sie geht davon aus, dass
ihr Modell zu neuen Konzepten und Fertigkeiten führen wird, die zur Pflege und Verbesserung
von Beziehungen in der Ergotherapie erforderlich sind.
dawo
Kommentar
Zum Glück sind die Freud’schen Zeiten vorbei, in denen Therapeuten als „weiße Wand”
auftraten oder als Spiegel, der möglichst nichts von sich selbst preisgibt! Neben
den Medien, die wir als Ergotherapeuten nutzen – sei es Handwerk, Spiel oder ADL-Training
– ist die Beziehung, welche wir zu unseren Klienten aufbauen, das wichtigste Therapiemittel,
das wir haben. Durch unsere Haltung können wir unter anderem zur Betätigung ermutigen.
Es freut mich, dass Renée Taylor sich diesem spannenden Thema gewidmet hat. Denn sie
erläutert auch, dass es keine pauschale therapeutische Haltung gibt. Vielmehr betont
sie, wie wichtig es ist, flexibel zwischen verschiedenen therapeutischen Modi, von
beratend bis problemlösend, wechseln und individuell auf den Einzelnen eingehen zu
können. Hier wird für mich deutlich, wie wichtig es ist, die soziale Kompetenz der
Ergotherapieschüler bereits in der Ausbildung zu schulen, statt bloßes Fachwissen
zu vermitteln.
Daniela Wolter, Ergotherapeutin BSc
ergoscience 2008; 1: 22–31