Die Sonografie wird beim Bronchialkarzinom zur Detektion vergrößerter Lymphknoten
und zur Probenentnahme v. a. aus supraklavikulären Lymphknoten eingesetzt. M. M. Hoosein
et al. haben untersucht, inwiefern dieses Verfahren in den diagnostischen Pfad eingebunden
werden kann.
Thorax 2011; 66: 414-417
Die Autoren werteten in ihrer retrospektiven Studie die Befunde von 996 Patienten
des lokalen Krebsregisters aus, bei denen zwischen Januar 2007 und Dezember 2008 ein
Bronchialkarzinom diagnostiziert wurde. Bei 765 Patienten (76,8 %) lag eine histologische
Sicherung vor. War in der Computertomografie (CT) eine Vergrößerung der supraklavikulären
oder mediastinalen Lymphknoten aufgefallen, wurde dieser Befund mittels Ultraschall
validiert (n = 245; 24,6 %). Metastasenverdächtige Areale wurden sonografiegesteuert
punktiert (n = 111). In 69 Fällen war in der Röntgen-Thorax-Aufnahme ein deutlicher
Pleuraerguss aufgefallen. Entsprechend der Untersucherqualifikation wurde eine Aspirationszytologie
unter Ultraschallkontrolle gewonnen. Bei 32 Patienten wurden verschiedene Organe,
wie Leber, Skelett oder Brustwand, sonografiert und gegebenenfalls punktiert. Insgesamt
wurden bei 318 Patienten sonografische Untersuchungen veranlasst, in 28 Fällen an
mehreren Lokalisationen.
18,7 % der histologischen Ergebnisse wurden mittels sonografischer Unterstützung gewonnen.
Bei 32,2 % der in der CT gefundenen auffälligen Lymphknoten ergab die histologische
Untersuchung einen positiven pathologischen Befund. Bei 20 Patienten mit Pleuraerguss
wurde dieser über eine Drainage entlastet; bei 40 Erkrankten wurde eine positive Pleurazytologie
nachgewiesen. Über eine Probenentnahme wurden in 31 Fällen Metastasen im Skelett oder
in der Thoraxwand und bei 46 Patienten ein kleinzelliges Bronchialkarzinom entdeckt.
Es traten keine wesentlichen unerwünschten Ereignisse auf.
Die Sonografie kann beim Bronchialkarzinom zuverlässig zur Diagnose und Tumorstadieneinteilung
eingesetzt werden. Aufgrund fehlender Strahlenbelastung fordern die Autoren den breiten
Einsatz im klinischen Alltag.
Uwe Glatz, Eppingen