Einen wesentlichen Baustein der Qualitätssicherung in der medizinischen und rehabilitativen
Versorgung stellt eine ständige Fortbildung der dort tätigen Berufsgruppen dar. Dies
gilt besonders vor dem Hintergrund, dass sich medizinisches und allgemein gesundheitsbezogenes
Fachwissen ständig durch technologische Entwicklungen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse
und praktische Erfahrungen erweitert und verändert. Die Fachgesellschaften haben deshalb
für ihre jeweiligen Disziplinen eine Reihe von speziellen Fortbildungskonzepten entwickelt
und bieten eine Vielzahl von Veranstaltungen für ihre jeweilige Berufsgruppe an. Speziell
für in der Medizin (auch Rehabilitation) tätige Ärzte hat sich das Konzept einer kontinuierlichen
berufsbegleitenden Fortbildung etabliert, das unter dem Namen „Continuing Medical
Education“ (CME) firmiert. Die Grundlagen dafür wurden 2004 auf dem Deutschen Ärztetag
beschlossen, nachdem durch das „Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung“
die bis dahin berufsrechtlich geregelte ärztliche Fortbildungspflicht zum 1. Januar
2004 verbindlich eingeführt wurde. Vertragsärzte, Vertragspsychotherapeuten und Krankenhausfachärzte
sind verpflichtet, Fortbildungszertifikate bei der zuständigen Ärztekammer durch entsprechende
Nachweise (in der Regel 250 Fortbildungspunkte innerhalb von 5 Jahren) zu erwerben.
Die Fortbildung soll sich dabei nicht nur auf fachspezifische Kenntnisse beschränken,
sondern kann auch fachübergreifende, interdisziplinäre, methodische und andere Kenntnisse
und Fertigkeiten umfassen. Zertifikate können durch sehr unterschiedliche Veranstaltungsformen
und Inhalte erworben werden, auch durch ein mediengestütztes Selbststudium.
Die Herausgeber und der Thieme-Verlag haben beschlossen, ab dieser Ausgabe in regelmäßigen
Abständen eine primär für Ärzte und Psychotherapeuten konzipierte zertifizierte Fortbildung
im Selbststudium durch besondere Fachartikel anzubieten. Die Beiträge enthalten viele
Informationen, die auch für andere Berufsgruppen der multiprofessionellen Kooperation
relevant sind. Sie unterliegen einem Reviewverfahren und sind durch die Ärztekammer
Nordrhein zertifiziert. Die Zeitschrift „Die Rehabilitation“ wird damit Bestandteil
des Fortbildungsportals der Thieme-Fachzeitschriften (vgl. CME.thieme.de), auf dem
auch nähere Informationen zu CME sowie zum Verfahren des Zertifikatserwerbs zu erhalten
sind.
Verantwortlich für die Fortbildungsbeiträge in dieser Zeitschrift ist Prof. Wilfried
Mau, Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut
für Rehabilitationsmedizin. Wilfried Mau ist Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft
für Rehabilitationswissenschaften (DGRW) und zugleich Sprecher der Kommission für
Aus-, Fort- und Weiterbildung der DGRW. Er übernimmt die Koordination der neuen Rubrik
„Fort- und Weiterbildung“. An ihn können sich auch Interessenten wenden, die Fachbeiträge
für die Fortbildung erstellen möchten. Die Auswertung und Erfolgskontrolle der Multiple-Choice-Fragen
zu den Fachbeiträgen übernimmt der Thieme-Verlag unter Beachtung des Datenschutzes.
Der erste CME-Beitrag von Mau und Ehlebracht-König behandelt die Rehabilitation bei
axialen Spondyloarthritiden und zeigt neben einer differenzierten Diagnostik und interdisziplinären
Therapie auch die Bedeutung für das ärztlich koordinierte Behandlungsteam auf.
Neben diesem Fachbeitrag umfasst die Ausgabe 7 Artikel zu unterschiedlichen Themen.
Jahed, Bengel und Baumeister untersuchen das Inanspruchnahmeverhalten bei Patienten
mit psychischen Belastungen in der somatischen Rehabilitation. Insgesamt weisen psychisch
belastete Patienten eine hohe Bereitschaft für psychotherapeutische Behandlungen auf.
Diese Bereitschaft setzt sich jedoch post-rehabilitativ nicht um, weshalb eine gezieltere
Motivationsförderung in der stationären Phase notwendig erscheint. Der Beitrag von
Neuderth et al. stellt ein standardisiertes Qualitätssicherungsprogramm für Einrichtungen
der stationären Vorsorge für Mütter und Väter vor, das bundesweit einsetzbar ist.
In dem anschließenden Beitrag behandeln Frank et al. die Ergebnisse aus einem Pilotprojekt
zum Management von Trachealkanülen im Rahmen der neurologischen Rehabilitation. Es
werden u. a. Kriterien vorgestellt, anhand derer über eine Dekanülisierung entschieden
werden kann.
Hetzel und Schmidt erarbeiten anhand von Arbeitsmarktindikatoren eine empirische Regionalklassifikation
zur Anwendung in der beruflichen Rehabilitation am Beispiel des Teilarbeitsmarktes
für Bürofachkräfte. Im nachfolgenden Beitrag berichten Nagl, Ullrich und Farin die
Ergebnisse einer qualitativen Studie über die Verständlichkeit von Patientenschulungen
in der orthopädischen Rehabilitation und zeigen Verbesserungspotenzial auf. Abschließend
aktualisieren Schliehe und Ewert eine Bestandsaufnahme zur ICF von 2006 im Auftrag
der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften. Trotz breiter Akzeptanz
stößt die Nutzung der ICF noch an deutliche Grenzen.
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