Die Geschichte der Krefelder Hautklinik nahm ihren Anfang bereits mit der Grundsteinlegung
für ein „Allgemeines Städtisches Krankenhaus“ am 29. 4. 1842, denn schon im Stammbettenplan
waren von 88 Betten zwölf für „Krätzige“ und weitere zwölf für „Syphilitische“ vorgesehen
[1].
Die Stadt Krefeld war bereits im 17. Jahrhundert bekannt für ihre Liberalität und
Ziel religiöser Minderheiten. So wurden u. a. die sonst in Europa auf Ablehnung stoßenden
Mennoniten aufgenommen. Diese nahmen an der Entwicklung der Stadt, insbesondere der
Gründung der ersten Seidenmanufakturen, teil, was die Stadt Krefeld durch die Einführung
des feinen Tuchhandels zu einem der bedeutendsten Gewerbeorte des Landes machte. Daher
war die 1828 geborene Idee zum Bau eines Krankenhauses zur kostenlosen Pflege für
Patienten aller Konfessionen, die in Krefeld wohnen – „t’samen nu in Kreyfeld woonen“
–, für diese Stadt beschreibend. Durch die testamentarische Hinterlassung von 5000
Talern durch Anna de Greiff, Ehefrau Isaak de Greiffs, des „Seidenbarons“, konnte
dann der Grundstein zum Bau eines allgemeinen Krankenhauses verwirklicht werden [2]
[3]. Unter dem ersten dirigierenden Arzt Dr. med. Ernst Rudolph Heilmann (1819 – 1905)
konnte dann am 1. 4. 1848 die Klinik eröffnet werden. Er war an den Städtischen Kliniken
nur nebenberuflich tätig. Hauptamtlich betrieb er eine Praxis als Chirurg, Internist,
Geburtshelfer, Augenarzt, HNO-Arzt, Kinderarzt und auch Hautarzt.
Aufgrund der steigenden Patientenzahlen erweiterte Dr. med. Heilmann die Bettenkapazität
zunächst dadurch, dass er die Abteilung der „Syphilitikerinnen“ in eine dafür hergerichtete
Bretterbude im Dachstuhl verlegte, während er die Abteilung der „Krätzigen“ in Kellerräume
umsiedelte. So wurde eine Erweiterung der Gesamtbettenkapazität von 88 auf 110 Betten
erreicht. Die Behelfszimmer unter dem Dach führten lange Zeit den inoffiziellen Abteilungsnamen
„Rosenlaube“, da dort fast ausschließlich Prostituierte untergebracht waren und die
Bezeichnung „Rose“ zu dieser Zeit, vielleicht ähnlich dem heutigen Begriff „Rotlicht“,
ein Synonym für Prostitution war.
1857 vermachte Cornelius de Greiff, Sohn von Isaak de Greiff und mittlerweile größter
Seidenfabrikant der Region, der Stadt 466 000 Taler und davon „dem hiesigen Krankenhaus, durch meine geliebte verewigte Mutter ursprünglich begründet
die Summe von Einhundertzwanzig Tausend Thaler“ [4]. Mit dieser Summe konnte die Klinik 1863 um zwei Flügelbauten erweitert werden.
Im Laufe der folgenden Jahrzehnte konnten die Städtischen Krankenanstalten Krefeld
auf über 550 Betten mit zunehmend spezialisierten Abteilungen weiter wachsen. Die
„Syphilis- und Krätzepatienten“ blieben nach der Aufteilung in Innere und Externe
Medizin der letztgenannten Abteilung mit chirurgischem Schwerpunkt zugeordnet.
Seit 1927 gab es auch verstärkte Bemühungen, eine eigenständige Abteilung für Haut-
und Geschlechtskrankheiten unter der Leitung eines Facharztes für Dermatologie und
Venerologie zu bilden. Im Januar 1932 wurden schließlich die „Rosenlaube“ und die
„Krätzeabteilung“ aufgelöst und im Flügel des Haupthauses entstand erstmals eine 40
Patientenbetten umfassende Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Zum ersten
Chefarzt dieser Abteilung wurde der damals 57-jährige Dr. med. Alexander Florange
(1875 – 1942) berufen.
Nach dessen Tod 1942 wurde Dr. Hans van Husen (1888 – 1983) der Leiter der Hautklinik.
Während des 1. Weltkrieges, wo er eine schwere Verwundung mit Beinamputation erlitt,
war er auf einer Hautstation eines Kriegslazaretts tätig ([Abb. 1]). Danach lernte er unter Erich Hoffmann an der Bonner Hautklinik, wo er aufgrund
seiner Vorkenntnisse bald zum Abteilungsarzt wurde.
Abb. 1 Dr. Hans van Husen (1888 – 1983), zweiter Leiter der Hautklinik von 1942 – 1956.
Während des Krieges wurde das Haupthaus zerstört, sodass die Patienten provisorisch
im Januar 1945 in alten Holzbaracken untergebracht wurden. Nach Abriss dieser Baracken
1949 wurde die Hautklinik bis 1972 in ein auf dem Gelände befindliches altes „Volksschulgebäude“
verlegt.
In den Kriegsjahren wuchs unter Dr. van Husen die Zahl der belegten dermatologischen
Betten zeitweise auf 125 an. Dies änderte sich allerdings mit der Einführung des Penicillins
drastisch. Rückblickend bezeichnete Dr. van Husen als „größtes Ereignis während seines
Wirkens an den Städtischen Krankenanstalten die Einführung des Penicillins“, die am
14. Juni 1946 erfolgte. Von den Alliierten wurde das Medikament zur Verfügung gestellt,
und es erwuchs den Krefelder Krankenanstalten daraus die Verpflichtung, die Kranken
des ganzen Niederrheins damit zu behandeln. Die Anwendung des Penicillins hat dazu
geführt, dass die Station für Geschlechtskranke heute (1956) fast verwaist ist“. Dr.
van Husen erhielt am 26. Januar 1983, mit Vollendung seines 95. Lebensjahres, eine
besondere Auszeichnung. Ihm wurde als erstem Arzt im Raum Nordrhein die „Johann-Weyer-Medaille“
der kassenärztlichen Vereinigung überreicht.
Nachfolger Dr. Hans von Husens als dritter Chefarzt der Hautklinik wurde am 1. 4. 1956
Prof. Dr. med. Hans Dölken (1902 – 1962). Er war zuvor Oberarzt an der Universitätshautklinik
in Königsberg und hatte sich dort unter Prof. Dr. W. Scholz habilitiert. Ehe ihm die
Leitung der Krefelder Hautklinik übertragen wurde, war er zunächst Chef aller Beratungsstellen
für Geschlechtskrankheiten ([Abb. 2]). Nach einer Lungenoperation verstarb er bereits im 60. Lebensjahr am 23. 12. 1962.
Die kommissarische Leitung übernahm die Oberärztin Freifrau Dr. von Eickstedt, bis
am 1. 8. 1963 Prof. Dr. med. Gerd Polemann (1919 – 2004), zuvor I. Oberarzt an der
Universitätshautklinik Köln, Chefarzt wurde ([Abb. 3]).
Abb. 2 Prof. Dr. Hans Dölken (1902 – 1962), Chefarzt der Hautklinik von 1956 – 1962.
Abb. 3 Prof. Dr. Gerd Polemann (1919 – 2004), Chefarzt der Hautklinik von 1963 – 1984.
Prof. Polemann war zunächst unter Prof. Dr. Bering tätig gewesen, habilitierte sich
dann unter dem Nachfolger Prof. Dr. Vonkennel mit dem Thema „Stoffwechseluntersuchungen
über den O2-Verbrauch von Mikrosporum gypseum mittels der Warburg-Apparatur“ und erwarb zusätzlich
den Facharzt für Laboratoriumsmedizin.
Nach seiner Übernahme der Hautklinik Krefeld erfolgten größere Umstrukturierungen
mit Einrichtung eines Operationsbereiches, einer Kinderstation und eines Kliniklabors
– natürlich mit seinem Schwerpunkt, den Pilzkrankheiten. Später folgten mit dem weiteren
Ausbau der Klinik zusätzlich eine allergologische und eine kosmetische Abteilung.
Die Patientenzahlen hatten in den Jahren 1963/64 über 90 % zugenommen, sodass eine
dritte Station für die Behandlung besonderer Hautkrankheiten eingerichtet wurde. In
den späten 1960er-Jahren hatte die Krefelder Hautklinik über 90 Betten und war die
einzige Hautklinik am linken Niederrhein von immerhin über 40 Krankenhäusern in der
Region und gehörte zudem zu den ältesten Abteilungen ihrer Art in der Bundesrepublik
Deutschland. Am 5. 4. 1972 wurde die Dermatologische Klinik innerhalb von nur vier
Stunden aus dem alten Schulgebäude in die 1914 erbaute ehemalige chirurgische Klinik
verlegt, wo sie sich auch heute noch befindet. Bedingt durch die nun sehr großzügigen
räumlichen Möglichkeiten, erfolgte eine Aufgliederung in zwei Frauenstationen mit
einer Kinderstation und zwei Männerstationen. Es wurde nun möglich, die operativen
Räumlichkeiten – mit einem allgemeinen und einem aseptischen Operationssaal – innerhalb
des Gebäudes zu integrieren sowie u. a. ein Fotolabor, eine Bibliothek, eine phlebologische
Abteilung, eine Bestrahlungsabteilung sowie eine Samenbank einzurichten.
1969 organisierte Prof. Polemann in der Krefelder Hautklinik zusammen mit Prof. Oberste
Lehn aus Wuppertal die 7. Wissenschaftliche Tagung der Deutschsprachigen Mykologischen
Gesellschaft. Hier wurde erstmalig über die neue Anwendung einer enzymatischen Stoffklasse
– die Azole – zur antimykotischen Therapie berichtet. Prof. Polemann war mehrere Jahre
Vorsitzender der Rheinisch-Westfälischen Dermatologen-Vereinigung und Vorsitzender
der Gesellschaft deutschsprachiger Mykologen. Aufgrund seiner grundlegenden wissenschaftlichen
Arbeiten und Verdienste um die deutschsprachige Mykologie wurde Prof. Polemann 1987
mit der Johann-Lucas-Schönlein-Plakette geehrt [5].
Prof. Polemann ging 1984 in den Ruhestand. Ihm folgte am 1. 9. 1984 Prof. Dr. med.
Sawko Wassilew. Prof. Wassilew lernte an der Universitäts-Hautklinik in Hamburg-Eppendorf
unter Prof. Nasemann, erlangte 1982 die Habilitation und venia legendi und wurde im
gleichen Jahr Leitender Oberarzt ([Abb. 4] und [Abb. 5]). Unter seiner Leitung konnte die Dermatologische Klinik weiter ausgebaut werden.
So kamen die Schwerpunkte Berufsdermatologie und Umweltmedizin hinzu und die Dermatochirurgie
wurde intensiviert. Vor allem die Tumorchirurgie sowie die kurativen Ansätze der Akne
inversa u. a. sind zu standardisierten operativen Maßnahmen in der Klinik entwickelt
worden.
Abb. 4 Prof. Dr. Sawko Wassilew bei der traditionellen Kittelübergabe 1984: (von links)
Herr Elspass als damaliger Repräsentant der Stadt, Prof. Grosser, der damalige Ärztliche
Direktor und Vater von Dr. Sabine Grosser, die eine Hautarztpraxis mit Frau Dr. Heinz
in Moers hat, dahinter Dr. Ute Horn, die Ehefrau des derzeitigen Lt. OA, Prof. Wassilew,
Herr Bernd Sobke, der damalige Lt. OA, und Frau Dr. Stephan, die damalige OÄ.
Abb. 5 Prof. Dr. Sawko Wassilew (geb. 1944), Chefarzt der Hautklinik von 1984 – 2008.
Ein weiterer Schwerpunkt, der in dieser Ägide etabliert wurde, ist die Betreuung der
Patienten mit sexuell übertragbaren Erkrankungen und HIV-Infektionen. Ihre Behandlung
erfolgte schon damals in enger Zusammenarbeit mit den hiesigen Gesundheitsämtern.
Eine weitere große Errungenschaft von Prof. Wassilew war die Etablierung einer dermatologischen
Tagesklinik. Am 15. 2. 1990 wurde eine dermatologische Tagesklinik mit 20 Betten –
damals die zweite Tagesklinik in Deutschland – eröffnet.
Zuletzt ist natürlich sein Steckenpferd zu erwähnen – die Tropendermatologie. Bereits
1971 führte er als Medizinalassistent eine Studienreise nach Süd-Ostasien durch, wo
er das Institut für Parasitologie im indonesischen Bandung besuchte. Inspiriert durch
diese Erlebnisse, folgte eine Dissertation zu mykotischen Infektionen in Bandung sowie
eine weitere Vertiefung mit einem mehrmonatigen Kurs für Tropendermatologie und Parasitologie.
Er ist auch heute auf diesem Gebiet sehr aktiv und betätigt sich als nationaler Konsultant
für tropendermatologische Fragestellungen und Reisemedizin. 2007 erfolgte die Privatisierung
der Klinik zum HELIOS Klinikum Krefeld – mit über 1000 Betten und 26 Abteilungen einer
der Maximalversorger der Region.
Am 2. Januar 2009 erfolgte die Übergabe der Dermatologischen Klinik an seinen Nachfolger
Priv.-Doz. Dr. Chalid Assaf, 1969 in Darmstadt geboren. Er studierte Medizin an der
Freien Universität Berlin. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann er im Institut
der Pathologie der Freien Universität unter Prof. Harald Stein, wo er im Anschluss
an sein Studium als Arzt im Praktikum (AiP) von 1996 – 1997 tätig war und zu dem Thema
„T-Zellrezeptor-Genumlagerungen bei Lymphomen“ promovierte. Bereits in dieser Zeit
bestand, bedingt durch das Forschungsthema, eine wissenschaftliche Kooperation mit
der Dermatologie des Hauses. Direkt im Anschluss an das AiP im Januar 1997 folgte
seine dermatologische Ausbildung in der Hautklinik der Freien Universität unter Prof.
Constantin Orfanos. Mit der Fusion der beiden Hautkliniken im Oktober 2004 arbeitete
er unter der Leitung von Prof. Wolfram Sterry als Oberarzt und habilitierte 2008 für
das Fach Dermatologie und Venerologie an der Charité-Universitätsmedizin Berlin.
Bei seinem Antritt im Januar 2009 im HELIOS Klinikum Krefeld fand er eine breit aufgestellte
Klinik mit 35 stationären Betten sowie zusätzlich eine Tagesklinik mit 16 Betten vor
sowie fünf Assistenzärzte und zwei Oberärzte. Der leitende Oberarzt Dr. Thomas Horn,
erfahrener Dermatochirurg und Wundspezialist, arbeitete bereits unter beiden Vorgängern,
Prof. Polemann und Prof. Wassilew, und ist damit „Zeitzeuge“ der geschichtlichen Entwicklung
der Dermatologischen Klinik Krefeld.
Zu erwähnen ist hier noch die „Übergabe“, die hier einmalig und vielleicht sogar vorbildlich
war. In einer Übergangsphase von vier Wochen machte Prof. Wassilew seinen Nachfolger
Priv.-Doz. Chalid Assaf mit der Klinik und den Abläufen vertraut, stellte ihn sowohl
den chefärztlichen Kollegen des Hauses sowie den niedergelassenen dermatologischen
Kollegen der Region persönlich vor.
Basierend auf diesem Fundament und der freundlichen Einführung, konnte in den nachfolgenden
Jahren dieses „Erbe“ erweitert werden. Es folgte mit Amtsantritt erstmals die Einführung
der Dermatohistologie in die Krefelder Hautklinik. Dies ist ein für dermatologische
Kliniken eher seltener Ablauf – besteht doch meist eher die Befürchtung, die Dermatohistologie
an fremde Abteilungen zu verlieren. Für die Dermatologische Klinik Krefeld definitiv
ein glücklicher Umstand, da dadurch, ähnlich wie bei anderen großen Hautkliniken mit
eigener Dermatohistologie, die diagnostische Qualität erheblich gesteigert werden
konnte.
Im weiteren Verlauf folgten die Einführung neuer Behandlungstechniken wie z. B. die
extrakorporale Fotophorese und die Einführung neuer Laser und der Elektrochemotherapie.
Die bereits bestehenden Schwerpunkte – Wunde und HIV – wurden verstärkt durch u. a.
die Einführung einer „Wundstation“, und es kam zu einer Verstärkung der Schwerpunkte
Dermatoonkologie sowie Autoimmunerkrankungen. Dies schließt auch die Etablierung eines
Studienzentrums sowie die Durchführung innovativer Therapien im Rahmen von klinischen
internationalen Multizenter-Studien (zzt. Kutanes Lymphom, Malignes Melanom, Psoriasis,
Wunde) mit ein. Diese Neuerungen wurden sowohl von den dermatologischen Kollegen als
auch von Patienten gerne angenommen, sodass sich sowohl die stationären als auch die
tagesklinischen Patientenzahlen in den letzten vier Jahren verdoppelt haben. Dies
wurde auch durch den Klinikträger anerkannt, der die notwendigen Ressourcen – Steigerung
der stationären Bettenkapazität von 35 auf nun 60 – sowie die Anpassung des Personalschlüssels
– nun fünf Oberärzte und elf Assistenten – bereitstellte und baulich einen neuen OP-Trakt,
eine Ambulanz und eine Privatstation errichtete ([Abb. 6] und [Abb. 7]). Zurzeit werden beide Bettenstationen saniert, sodass die Dermatologische Klinik
Krefeld im kommenden Jahr, genau 100 Jahre nach Errichtung der „alten Chirurgie“ in
dem historischen Gebäude, in neuem Glanz erstrahlen kann ([Abb. 8] und [Abb. 9]).
Abb. 6 Das aktuelle ärztliche Team der Hautklinik Krefeld.
Abb. 7 Hautklinik Krefeld. a Eingriffsraum 1. b Das OP-Team.
Abb. 8 Das Gebäude der Hautklinik Krefeld – Übersicht.
Abb. 9 Das Gebäude der Hautklinik Krefeld. Historische Details.