Pneumologie 2013; 67(12): 654
DOI: 10.1055/s-0033-1363056
Pneumo-Fokus
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Mykobakterien – Atypische Mykobakterien als Ursache von Bronchiektasen?

Rezensent(en):
Dominik Hartl
Ringshausen FC et al.
BMC Infect Dis 2013;
13: 231
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
09. Dezember 2013 (online)

 

    F. C. Ringshausen et al. haben in einer nationalen Studie die Häufigkeit von Erkrankungen, die mit atypischen Mykobakterien (PNTM: pulmonary non-tuberculous mycobacteria) assoziiert sind und zu einer Hospitalisation führen, systematisch analysiert. Die Studie hat gezeigt, dass PNTM gerade bei Patienten mit Zystischer Fibrose (CF) und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) klinisch wichtig sind und an Häufigkeit zunehmen.
    BMC Infect Dis 2013; 13: 231

    Infektionen mit atypischen nichttuberkulösen Mykobakterien, vor allem mit M. avium intracellulare complex, M. chelonae und M. abscessus, nehmen sowohl bei CF- als auch bei Nicht-CF-Patienten kontinuierlich zu. Durch ihre Resistenz gegenüber zahlreichen Antibiotika sind PNTM eine klinisch-therapeutische Herausforderung. Das Forscherteam um Ringshausen von der MHH Hannover analysierte nun systematisch die Häufigkeit von PNTM in Deutschland und untersuchte bei welchen pulmonalen Krankheitsbildern diese eine Rolle spielen. Im Beobachtungszeitraum von 2005–2011 wurden hierfür 5959 Fälle von PNTM-Infektionen, die zu einer Hospitalisierung führten, herangezogen. Die Ergebnisse der Studie haben gezeigt, dass PNTM nicht nur bei CF oder Immundefekten auftreten, sondern gerade bei Patienten mit COPD an Bedeutung gewinnen. Zudem nimmt die Häufigkeit durch eine Erkrankung hospitalisiert zu werden, die mit PNTM assoziiert ist, gerade bei der weiblichen Bevölkerung am deutlichsten zu. Doch während PNTM bei COPD am häufigsten mit Hospitalisationen assoziiert sind, nehmen in Deutschland Krankenhausaufenthalte aufgrund von Infektionen mit tuberkulose-typischen Mykobakterien tendenziell eher ab. Hospitalisationen mit PNTM nahmen im Beobachtungszeitraum außerdem für die Diagnosen primäre Immundefekte und AIDS ab, wohingegen auch bei CF-Patienten die Häufigkeit und Relevanz der atypischen Mykobakterien zugenommen hatte.

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    Der Auslöser der Geflügeltuberkulose M. avium tritt auch beim Menschen als Krankheitserreger auf und gehört zum sog. MAIS-Komplex innerhalb der Gattung (M. avium intracellulare scrofulaceum), deren Arten nur durch genetische Analysen der 16S rRNA voneinander unterschieden werden können. (Bild: Digital Vision/Symbolbild)
    Fazit

    Krankenhausaufenthalte durch Erkrankungen, die mit atypischen Mykobakterien assoziiert sind, nehmen in Deutschland kontinuierlich zu, gerade bei CF und COPD. Dieser Trend ist für Frauen deutlicher als für Männer. Die zu Grunde liegenden Ursachen sind nicht verstanden. Die Multiresistenz von atypischen Mykobakterien gegenüber zahlreichen Antibiotika stellt den Kliniker zunehmend vor therapeutische Herausforderungen.

    Kommentar zur Studie

    Ein Schwachpunkt dieser Studie ist die retrospektive Auswertung basierend auf ICD-Diagnosekodierungen ohne detailliertere klinische Angaben und ohne Angaben zu mikrobiologischen Befunden. Allerdings ist eine nationale epidemiologisch-statistische Auswertung von dieser Größenordnung realistisch zunächst nur auf dieser Basis möglich. Dennoch ist diese Studie wichtig, da sie zeigt, dass atypische Mykobakterien keine Rarität seltener Immundefekte sind, sondern bei der "Volkskrankheit" COPD eine zunehmende Rolle spielen. Angepasste Diagnose- und Therapiekonzepte sind wichtig, um diesen oft multiresistenten, säurefesten Bakterien erfolgreich begegnen zu können.


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    Der Auslöser der Geflügeltuberkulose M. avium tritt auch beim Menschen als Krankheitserreger auf und gehört zum sog. MAIS-Komplex innerhalb der Gattung (M. avium intracellulare scrofulaceum), deren Arten nur durch genetische Analysen der 16S rRNA voneinander unterschieden werden können. (Bild: Digital Vision/Symbolbild)