Nas S, Fışkın R.
A research on obesity among Turkish seafarers.
Int Marit Health 2014;
65: 187-191
Nas S, Fışkın R. A research on obesity among Turkish seafarers. Int Marit Health 2014;
65: 187–191
(Bild: istockphoto)
Thema: In vielen Ländern der Welt belastet ein zunehmendes Übergewicht der Bevölkerung aufgrund
der damit verbundenen Erkrankungen das Gesundheitssystem und die Volkswirtschaft insgesamt.
An Bord von Schiffen kann Übergewicht eines Seefahrers über die individuellen Risikofaktoren
hinaus auch zu einem Sicherheitsproblem werden. Dies gilt insbesondere bei Notfällen,
in denen Übergewicht angesichts der oftmals engen räumlichen Verhältnisse an Bord
die Eigen- und Fremdrettung erschweren kann. Aber auch im Alltag erfordert der sich
ständig bewegende Lebensraum Schiff ein erhöhtes Maß an körperlicher Beweglichkeit,
um Unfälle zu vermeiden. Dieser Sachverhalt hat die Autoren veranlasst, eine Bestandsaufnahme
des Körpergewichts im Kollektiv türkischer Seeleute vorzunehmen.
Projekt: Datengrundlage waren die Untersuchungsbögen der Seediensttauglichkeitsuntersuchungen,
die in der Türkei in 2-jährigem Abstand verpflichtend sind. Aus diesen wurde Geschlecht,
Alter, Größe und Gewicht ermittelt und der Body-Mass-Index (BMI) errechnet. Grundlage
der Analyse waren 143 341 Datensätze von Seediensttauglichkeitsuntersuchungen im Zeitraum
2009 bis 2012. Der Vergleich mit der Normalbevölkerung erfolgte mit gleichartigen
Parametern aus dem Gesundheitsbericht 2013 des Türkischen Statistischen Instituts
(TSI).
Ergebnis: Das durchschnittliche Alter weiblicher Seefahrer lag bei 26,79 Jahren, das der männlichen
bei 33,31 Jahren. Das Durchschnittsgewicht der Frauen lag bei 61,01 kg bei einer Durchschnittsgröße
von 165,6 cm. Die Männer wogen im Durchschnitt 77,48 kg und waren 174,4 cm groß. Daraus
ergab sich ein durchschnittlicher BMI von 22,16 bei Frauen und 25,34 bei Männern.
Für weitere Ergebnisse wurden nur männliche Seefahrer betrachtet, da der Frauenanteil
bei 3 % lag und damit nicht aussagefähig auswertbar war.
Die Gewichtsentwicklung war deutlich mit dem Alter korreliert. Die mit einem BMI von
25 als Grenze des Übergewichts definierte Schwelle wird in der Korrelationsanalyse
durchschnittlich im Alter von 28 Jahren überschritten und mit 50 Jahren wird der maximale
Durchschnittswert von 27,8 erreicht.
Betrachtet man die zeitliche Entwicklung im Gesamtkollektiv, so ergibt sich ein signifikanter
Anstieg des durchschnittlichen BMI von 25,269 der Untersuchten im Jahr 2009 auf 25,418
im Jahr 2012.
Das Verhältnis im Vergleich Seeleute mit Normalbevölkerung ist:
-
BMI < 25: 47,9 zu 47,3 %,
-
BMI 25–30: 39,6 zu 39,0 %,
-
BMI > 30: 12,5 zu 13,7 %.
Der Gesamtanteil Übergewichtiger mit einem BMI über 25 ist damit bei männlichen türkischen
Seefahrern geringer als in der männlichen türkischen Gesamtbevölkerung.
Fazit: Etwas über die Hälfte der türkischen Seefahrer sind übergewichtig, wobei sich das
Übergewicht vorwiegend im moderaten Bereich bewegt. Ein negativer berufsbedingter
Einfluss auf das Körpergewicht ist im Vergleich zur türkischen Bevölkerung nicht erkennbar.