Bei unklarer Dyspnoe sollte immer auch an eine pulmonale Hypertonie gedacht werden.
Zwei schwere Formen sind die chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH)
und die pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH). Beide Erkrankungen sind selten, schreiten
aber schnell fort und sind potenziell lebensbedrohlich.
Patienten mit CTEPH überleben unbehandelt im Mittel 6,8 Jahre. Mit der pulmonalen
Endarteriektomie (PEA) ist eine kurative Behandlung möglich – „bis zu 45 % der Patienten
werden jedoch derzeit als inoperabel eingestuft“, wie Prof. Stephan Rosenkranz, Köln,
in Berlin berichtete. Für die PAH sind verschiedene Therapien verfügbar, die die Progression
der Krankheit verlangsamen, sie aber nicht heilen können.
Zulassung einer neuen Substanzklasse
Als neue Option für beide Erkrankungen ist seit März 2014 Riociguat (Adempas®) als Vertreter einer neuen Substanzklasse zugelassen. Riociguat stimuliert die lösliche
Guanylatcyclase (sGC) als ein zentrales Molekül bei CTEPH und PAH. Indiziert ist es
bei inoperabler beziehungsweise persistierender oder rezidivierender CTEPH nach PEA
sowie bei PAH als Monotherapie oder in Kombination mit Endothelin-Rezeptorantagonisten.
Basis der Zulassung waren die positiven Daten zweier Phase-III-Studien.
In CHEST-1 [
1
] erhielten Patienten über 16 Wochen bis zu 2,5 mg Riociguat dreimal täglich oder
Placebo. Im primären Endpunkt – der Veränderung der 6-Minuten-Gehstrecke – zeigte
sich eine Verlängerung um 46 m gegenüber Placebo. Bei inoperablen Patienten verbesserte
sich die Gehstrecke um 54 m, bei postoperativ persistierender oder rezidivierender
CTEPH um 26 m. Auch hämodynamische Parameter und Biomarker besserten sich signifikant,
so Rosenkranz. Der pulmonal-vaskuläre Widerstand nahm ab, das Herzzeitvolumen wurde
gesteigert, der NT-proBNP-Wert als Herzinsuffizienzmarker reduziert (p jeweils < 0,001).
Ein Drittel der Patienten, die überwiegend in WHO-Funktionsklasse III waren, verbesserten
ihre Klasse (versus 15 % unter Placebo), 62 % blieben stabil (Placebo 78 %). Atemnot
und Lebensqualität verbesserten sich signifikant.
In der Extensionsstudie CHEST-2 [
2
] erhielten alle Patienten Riociguat, dabei verlängerte sich die Gehstrecke bei Patienten
der früheren Verumgruppe von Baseline um 59 m und in der früheren Placebogruppe um
37 m nach einem Jahr. Insgesamt 90 % der Patienten waren nach einem Jahr auf dreimal
täglich 2,5 mg eingestellt. Im Langzeitsicherheitsprofil zeigten sich bei einer mittleren
Behandlungsdauer von 83 Wochen bei 46 % der Patienten behandlungsbedingte unerwünschte
Ereignisse, die hauptsächlich Schwindel (10 %), Dyspepsie (8 %) und Hypotonie (5 %)
umfassten.
Michael Koczorek, Bremen
Quelle: Symposium „CTEPH und PAH – wirklich selten oder häufig übersehen?“, Im Rahmen
des 56. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin
(DGP), am 19. März 2015 in Berlin. Veranstalter: Bayer.