? Herr Dr. Hecht, in welcher Funktion sind Sie im Unternehmen 3M ESPE tätig?
Ich bin seit 1997 bei 3M ESPE im oberbayerischen Seefeld in der Forschung & Entwicklung
beschäftigt und leite die Entwicklung von Komposit-Befestigungsmaterialien sowie Werkstoffen
für Provisorien.
? Bitte stellen Sie das Zementportfolio von 3M ESPE kurz vor.
Das Portfolio umfasst Produkte verschiedener Zementklassen: Einen eugenolhaltigen
und einen eugenolfreien provisorischen Zement, traditionelle Glasionomerzemente sowie
kunststoffmodifizierte Varianten für die konventionelle Befestigung. Hinzu kommen
die Kompositzemente, die von meinem Team entwickelt werden. Hier werden RelyX Unicem
als selbstadhäsives und RelyX Ultimate als adhäsives Befestigungskomposit offeriert.
Somit ist für jeden Einsatzzweck ein ideal geeignetes Material von 3M ESPE erhältlich.
? Inwiefern profitieren Anwender von diesem Komplettportfolio?
Anwender erhalten nicht nur alle Produkte aus einer Hand, sondern profitieren auch
vom Zugang zu den entsprechenden langjährigen Erfahrungen. Dies ist beispielsweise
vor dem Hintergrund einer stetig zunehmenden Anzahl an neuen Restaurationsmaterialien
insbesondere im CAD/CAM-Bereich sehr nützlich: Häufig benötigen Zahnärzte Informationen,
wie diese neuen Materialien vorzubehandeln und am besten zu befestigen sind. Dies
erfolgt beispielsweise durch den Zemente-Navigator, der auf www.3MESPE.de verfügbar ist.
? Was war das Hauptziel bei der Entwicklung der aktuell erhältlichen Komposit-Befestigungsmaterialien?
Der selbstadhäsive Kompositzement RelyX Unicem wurde mit dem Ziel entwickelt, den
zeitaufwendigen und techniksensiblen Prozess der adhäsiven Befestigung deutlich zu
vereinfachen, ohne dabei Einbußen in der Leistungsfähigkeit in Kauf nehmen zu müssen.
Mit einem hohen Entwicklungsaufwand und neuen technologischen Ansätzen ist dies schließlich
gelungen. Eine der großen Herausforderungen war dabei, die erforderlichen Komponenten
für die chemische Haftung zum Zahn und einer Vielzahl von Restaurationsmaterialien
in den Zement zu integrieren.
Da allerdings speziell im Bereich der Glaskeramiken besonders hohe Kundenanforderungen
an den Befestigungszement gestellt werden, haben wir seit 2011 unser Zementeportfolio
um das Produkt RelyX Ultimate erweitert. Dieser Kompositzement ermöglicht in Kombination
mit Scotchbond Universal Adhäsiv ebenfalls eine starke Vereinfachung des Prozesses
kombiniert mit besten Materialeigenschaften.
? Worin lag die größte Herausforderung bei der Entwicklung von RelyX Ultimate?
Bei diesem Projekt war es die perfekte Abstimmung zwischen Befestigungskomposit und
Adhäsiv, die gleich 2 Entwicklerteams viel abverlangte. Scotchbond Universal Adhäsiv
wurde parallel und in enger Zusammenarbeit mit unserem Zemente-Team in Seefeld entwickelt,
sodass es möglich war, die Chemie beider Materialien optimal aufeinander abzustimmen.
Nur so ist es beispielsweise möglich, dass das Adhäsiv, obwohl optional einsetzbar,
keine separate Lichthärtung erfordert und dessen Aushärtung durch den Zement sichergestellt
wird. Das Resultat ist, dass Adhäsiv und Zement eine echte Einheit bilden und den
Zementierungsprozess vereinfachen. So fungiert z. B. Scotchbond Universal Adhäsiv
sowohl als Haftvermittler zum Zahn als auch zu allen Arten von Restaurationsmaterialien.
Ein Einsatz von speziellen Restaurationsprimern ist somit nicht mehr erforderlich.
? Mit dem jetzigen Angebot bietet 3M ESPE bereits für jede Indikation und jedes Restaurationsmaterial
einen geeigneten Zement an. Welche zukünftigen Entwicklungen sind da noch zu erwarten?
Obwohl 3M ESPE in jeder Kategorie ein ausgezeichnetes Befestigungsmaterial offeriert,
streben wir weiterhin nach Verbesserungen. Um bei der Entwicklung neuer Produkte gleich
von Beginn an deren klinischen Nutzen sicherzustellen, arbeiten wir dabei eng mit
Praktikern zusammen. Wie immer ist es unser Ziel, mit unseren Neuprodukten den Arbeitsalltag
des Anwenders noch einfacher und angenehmer zu gestalten. Aufgrund der Zusammenarbeit
mit einem hervorragend eingespielten Team mit jahrelanger Erfahrung bin ich mir sicher,
dass uns dies gelingen wird. Dabei profitieren wir auch von dem Zugang zu zahlreichen
Technologieplattformen innerhalb des 3M Konzerns.
Herr Dr. Hecht, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führte Martina Wieland (Seefeld)