Statine beeinflussen nicht nur die Serum-Cholesterin-konzentrationen positiv, ihnen
wird auch eine Reihe antiinflammatorischer Wirkungen zugeschrieben. Ob auch Patienten
mit COPD von Statinen profitieren können, war bislang unklar. Ein dänisches Team hat
nun die Daten einer großangelegten Populationsstudie ausgewertet.
Thorax 2015; 70: 33–40
Die Wissenschaftler analysierten die Daten von 5794 Teilnehmern der Copenhagen General
Population Study, die über 40 Jahre alt waren und bei denen eine COPD gesichert war.
Über eine Beobachtungszeit von 3 Jahren dokumentierten die Autoren zunächst die Häufigkeit
von Exazerbationen, hier definiert als eine Klinikaufnahme oder Gabe oraler Kortikosteroide.
Anschließend wurde in einer Fall-Kontroll-Studie beurteilt, ob Patienten mit Exazerbationen
genauso oft Statine einnahmen wie Patienten ohne Exazerbationen. Die Gruppen von Fällen
(Exazerbationen; n = 530) und Kontrollen (keine Exazerbation; n = 1016) waren dabei
im Hinblick auf Alter, Geschlecht, Raucherstatus, Schweregrad der COPD und Begleiterkrankungen
vergleichbar.
Bei COPD-Patienten, die Statine einnahmen, war das Risiko für eine Exazerbation um
etwa ein Drittel vermindert. Das galt auch nach Adjustierung für mehrere Störfaktoren,
wie z. B. allgemein gesundheitsbewusstes Verhalten und sonstige COPDMedikation (Odds
Ratio [OR] 0,67). Bei Patienten mit schwerster COPD und ohne kardiovaskuläre Begleiterkrankungen
(89 Fälle, 168 Kontrollen), verschwand dieser Effekt (OR 1,1).
Die Einnahme von Statinen geht bei COPD mit selteneren Exazerbationen einher, aber
nicht bei Patienten mit schwerster COPD und ohne gleichzeitige kardiovaskuläre Erkrankungen.
Eine Erklärungsmöglichkeit hierfür, so die Autoren, sei das Zusammenwirken pulmonaler
und kardiovaskulärer Entzündungen. Wenn diese fehlen, könnten Statine auch nicht davor
schützen. Aus diesen Beobachtungen möchten die Autoren aber keine kausalen Zusammenhänge
herleiten.